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Josef Haslinger, 1955 in Zwettl/Niederösterreich geboren, lebt heute in Wien und Leipzig. 1995 erschien sein Roman Opernball, der vom Publikum begeistert aufgenommen wurde und 1998 als TV-Zweiteiler verfilmt wurde. Josef Haslinger ist ein politischer Autor. Im Opernball entwirft er das Panorama einer vom Terrorismus bedrohten Wohlstandsgesellschaft. In Das Vaterspiel beschreibt er anhand des Lebens dreier Familien, dass niemand der Geschichte entkommen kann, weder der seines Landes noch seiner eigenen. Mit diesem Buch ist Haslinger ein weiteres Meisterwerk gelungen, welches beweist, dass große Romane nicht nur aus dem angloamerikanischen Sprachraum kommen müssen. Er kreiert gerade durch seine knappe, distanzierte Sprache eine erzählerische Dichte, in der er dem Leser die Auswirkungen geschichtlichen Handelns auf groteske Weise vor Augen führt. Das Vaterspiel ist ein Buch, das den Leser bis zur letzten Seite in Atem hält. --Bettina Wenzel -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Bestechend durch die Sprache,
Rezension bezieht sich auf: Das Vaterspiel (Taschenbuch)
Josef Haslingers Roman ist ein Paradebeispiel für die Montagetechnik. Es gibt hier zunächst eine Rahmenhandlung und zwei Binnenerzählungen. Die Rahmenhandlung ist die Autofahrt von Rupert im dichten Schneefall. Sie wird immer am Anfang der vier Teile erzählt. Sie ist die eigentliche Handlung, läuft streng chronologisch ab und ist zeitdeckend erzählt. Dazwischen eingeschoben machen die Binnenhandlungen den Hauptteil, den wichtigen Teil der Geschichte aus. Die erste Binnenhandlung, die Geschichte von Ruperts Familie, ist die Erklärung für den zunächst direkten Einstieg, der sich am Anfang sehr schwer liest, da man sich kaum auskennt. Die Familiengeschichte ist chronologisch, wirkt wie eine Lebensgeschichte von A bis Z. Sie ist zwar zeitraffend, erzählt jedoch jedes noch so kleine Detail an der Familienhistorie und macht so ungefähr der Buchseiten aus. Sie wird dreimal unterbrochen durch die zweite Binnenhandlung, dem Protokoll der Zeugenaussage von Jonas Shtrom. Diese wirkt noch chronologischer und wirkt wie wochenlang vorbereitet. Jedes Mal gibt es einen großen Knick in der Geschichte, da meist am Höhepunkt von Ruperts Familiengeschichte das Protokoll eingeschoben wird. Aber kaum hat man zwei Seiten gelesen, wird alles noch spannender als zuvor. Man bekommt hier einen schockierend detaillierten Einblick in das Kaunauer Ghetto und dem Holocaust als Ganzes. Es dauert allerdings bis Seite 450 von 573, dass man kapiert, warum hier immer wieder das Protokoll eingeschoben wird. Man erfährt, dass Lucas Munkaitis tatsächlich Kriegsverbrecher ist und zu allem Überdruss noch Mimis Großonkel ist und sich in New York versteckt. Haslinger behandelt in diesem politischen Thriller zweierlei Themen: die österreichische Vetternwirtschaft und Nazi-Gräueltaten bzw. den Umgang mit diesen. Zum Teil satirisch wird die (traditionelle) österreichische Vetternwirtschaft beleuchtet, die einen Mann wie Jörg Haider groß gemacht hat. Haslinger übt hier sicherlich deutlich Kritik an diesem verkrusteten Nachkriegs?Proporz?System, indem er Ruperts Vater, einem Nutznießer, als korrupt und anti-familiär darstellt und ihn vom ultralinken Jungsozialisten zum arrivierten Politiker, der in zahlreichen Aufsichtsräten sitzt, wandern lässt. Das zweite Thema wird wahrscheinlich leichtes Übergewicht für Haslinger gehabt haben. Es geht hier primär nicht um die Verbrechen während des nationalsozialistischen Regimes an sich, sondern um deren Nachwirkung, die bis in die Jetzt-Zeit zu spüren sind. Beide, Opfer und Täter, flüchten nach Amerika. Die beiden ehemaligen Schulfreunde kommen (indirekt) das erste Mal im Kaunauer Ghetto in Kontakt und das zweite Mal (indirekt) wieder, jedoch ganz wo anders, nämlich in New York. Der Täter muss sich nach 32 Jahren des Versteckens in einem Keller noch immer vor seiner Entdeckung fürchten, das Opfer gibt auch nach 32 Jahren nicht auf, ihn zu finden. Und Rupert gerät völlig schuldlos mitten hinein. Auch ihn holt die Vergangenheit ein, sein Großvater war im KZ und er lässt sich überreden, einem derartigen Mensch zu helfen. Darin ergibt sich meiner Meinung nach die gewisse Spannung des Buches. Wörtlich aus dem Buchvorspann: „Bestechend genau beleuchtet Haslinger die Verwerfungen des vergangenen Jahrhunderts und macht eindringlich spürbar, dass man der Geschichte nicht entkommen kann.“Als ich mir dieses Buch ausgeliehen habe, glaubte ich, ein Buch über irgendwelche „Nazigeschichten“ lesen zu werden, weil dies im Klappentext so angedeutet wird. Ohne Vorkenntnis stürzte ich mich ins Geschehen. Nach und nach wurde es mir klar, dass der Klappentext nicht den Inhalt des Romans widerspiegelt. Kurz war ich enttäuscht, las aber dennoch weiter und im Nachhinein betrachtet war es kein Fehler. Es ist zuallererst Haslingers gestochen scharfer, eigenartig lässiger, Stil, der mich fasziniert. Diese Lässigkeit, mit der Rupert Kramer das Leben meistert, und sein Leben selbst halten mich bis heute in Atem. Obwohl es hier teilweise provinziell wird, ist es doch ein Roman von der großen weiten Welt. Vielleicht kommt hier keine eindeutige Interpretation zustande, da Haslinger nicht nur die Vetternwirtschaft oder nicht nur den Nationalsozialismus kritisiert, trotzdem regt dieser Roman sehr zum Denken an. „Das Vaterspiel“ von Josef Haslinger kann ich nur sehr, sehr empfehlen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
ein buch zum verschlingen,
Von IG "frenchquarter" (rostock) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Das Vaterspiel (Taschenbuch)
nachdem ich haslingers zugvögel gelesen hatte, entschloß ich mich dazu, weitere werke von hasliger zu lesen. vaterspiel ist ein buch, daß mich mit jeder weiteren seite mehr und mehr zu fesseln wußte. ich hatte im vorfeld eine kritik gelesen, in welcher die handlungsstränge und der aufbau kritisiert wurden. wer halbwegs bücher lesen kann, wird mit dem aufbau des buches keinerlei schwierigkeiten haben.sehr positiv hervorzuheben ist die sprache in diesem buch. einfach, verständlich, aber dennoch faszinierend in aufbau und gestaltungsweise. manchmal ist weniger eben doch mehr. und besonders in den protokollen des überlebenden litauischen juden entfaltet die einfache und klare sprache ihre wirkung. diese seiten gingen mir voll unter die haut und das lesen hat psychisch richtig geschmerzt. haslinger erzählt in einem so nüchternen stil, der gerade deswegen sehr glaubwürdig und realistisch wirkt. er nutzt keine großen übertreibungen oder dramatiserungselemente. er erzählt und dabei tut sich der schrecken dieser zeit auf. auch die rahmenhandlung weiß zu feseln. ich habe die schneeflocken vor meinen augen gesehen und auch das räumfahrzeug, daß eine weile vor dem auto des protagonisten (ratz) gefahren ist. mit der eigentlichen familiengeschichte verhält es sich ebenso wie mit den "judenprotokollen". zutiefst beeindruckend (mir ist noch sehr präsent die geschichte mit dem asiatischen freund der schwester von ruppert (ratz). da wird das spießige im menschen voll und ohne viel federlesens aufs korn genommen, das es eine freude für den leser ist. und überhaupt, wie haslinger das alles zusammenführt, alle achtung. so macht das lesen von romanen spaß. ich muss nicht schon ab seite 10 erahnen können, wie es weitergeht oder was für einen sinn eingeschobene protokolle haben. der autor weiß schon, was er viel. eine sprachgewalt wird hier mit einfachsten mitteln entfacht, wie ich sie in der letzten zeit selten vor meine augen bekommen habe. ich denke, ich werde mir die anderen sachen von haslinger auch recht bald vornehmen. denn wenn sie nur halb so gut sind wie das vaterspiel sind sie des lesens allemale wert. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Gewandt geschrieben. Geschliffen gestrickt.,
Von marco.sagurna@t-online.de (Hannover, Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Das Vaterspiel (Gebundene Ausgabe)
Litauische Nazi-Kollaborateure, ein korrupter Verkehrsminister in Österreich mit einem fast nichtsnutzigen Sohn. Verliebte, verlobte, verheiratete - Geschiedene. Lebensdurstige, Geschundene und Ermordete. Und eine flippige Studentin in New York. Josef Haslinger reiht viele geschichte aneinander, die sich erst gegen Schluss zu einem Ganzen fügen. Was erst nur erahnbar ist kommt dann als Paukenschlag. Der österreichische Autor ist ein Meister der Komposition und ein Künstler der sprachlichen Sinnlichkeit. Kommt er mit Farben, leuchten sie. Kommt er mit Gerüchen, duftet es - oder stinkt gewaltig. Schenkt er wein ein, schmeckt man die Lage. Platischer gehts nicht. Einer der besten deutschsprachigen Romane des Jahres 2000.
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