"Wir haben einen weiten Weg hinter uns.", beginnt Marcus Chown sein Buch "Das Universum und das ewige Leben", um diese Aussage gleich wieder zu relativieren: "Aber wir haben noch ein weites Stück vor uns." Verglichen mit dem Alter des Universums von rund 13.7 Milliarden Jahren ist die Existenz der menschlichen Intelligenz nahezu ein Nichts. Gleichwohl ist sie in dieser verschwindend geringen Zeit Vielem auf die Spur gekommen und das große Firmament mit den unzähligen Sternen ist keine große Unbekannte mehr.
Aber dieses Wissen muss relativiert werden, denn 1998 fand man heraus, "dass Sie, ich, die Sterne und die Galaxien nur vier Prozent der Masse des Universums ausmachen. Überwiegend besteht der Kosmos aus rätselhaftem unsichtbarem Zeug mit abstoßender Gravitation, der dunklen Energie, ganz zu schweigen von dem unsichtbaren Zeug mit normaler Gravitation, der dunklen Materie.", schreibt Marcus Chown.
Doch die Wissenschaft ruht nicht. Man möchte auch noch die "letzten Fragen" beantwortet wissen. Vielleicht ist unsere Generation die erste, die eine realistische Chance hat, meint der Physiker und Wissenschaftsjournalist aus Großbritannien. Das Arsenal an Möglichkeiten, was uns heute zur Verfügung steht, um neue Fragestellungen zu untersuchen, ist jedenfalls beeindruckend. Chown jedenfalls scheut nicht, sie bereits jetzt zu stellen und sich in Ansätzen der möglichen Lösung zu nähern, die im Endeffekt die Speerspitze der aktuellen wissenschaftlichen Fragestellungen darstellen:
- Was ist hinter dem Rand des Universums und woher rührt seine Komplexität?
- Was war vor dem Urknall?
- Welches sind die Grenzen dessen, was wir "wissen" können?
- Woher kommt die Alltagswelt und warum erleben wir eine Gegenwart, ein "Jetzt"?
- Woher kommen die Gesetze der Physik und wie ist aus nichts etwas entstanden?
- Woher kommt die Masse?
- Werden wir da draußen im All jemals ET finden?
- Kann das Leben im Universum endlos weiterbestehen?
Dazu hat er mit einfallsreichen und mutigen Wissenschaftlern gesprochen, die zum Beispiel den Urknall als Folge eines Zusammenpralls zwischen "Inseluniversen" vermuten oder dass niemand ausschließen kann, dass wir gar in einer großen Computersimulation leben und vielleicht am Ende der Zeit aus einer solchen wieder auferstehen können.
Diese Theorien sind sicherlich atemberaubend, teilweise sehr gewagt, revolutionär und sie bewegen sich im Rahmen des gerade noch wissenschaftlich Vertretbaren. Einige werden sich bewähren und vielleicht schon bald Eingang in den Korpus der anerkannten Wissenschaften finden, andere möglicherweise nicht.
Doch gerade diese abstrakten und esoterisch anmutenden Fragen sind im Endeffekt für unser prosaisches Alltagsleben bedeutsam, wenn wir uns wieder einmal fragen "Woher kommen wir? Wie ist das Universum entstanden? Was, zum Teufel, tun wir hier?" Denn offensichtlich ist das Universum "nur ein strukturiertes, umrangiertes Nichts.", bemerkt der Autor. "Wir und alles, was uns umgibt, sind nur Muster in der Leere."
Chown hat sein Buch in drei Teile gegliedert. Die Antworten auf eine erste Gruppe von Fragen werfen Licht auf die "Natur des Universums", die der zweiten erhellen die "Natur der Realität" und schließlich geht er auf Themen ein, in denen nach der Stellung des Lebens (und der Menschen) im Universum gefragt wird. Allerdings setzt die Lektüre einen aufmerksamen und vielleicht schon ein bisschen naturwissenschaftlichen und astrophysikalisch vorbelasteten Leser voraus. Gleichwohl sollte er "schwindelfrei" sein, wenn er sich auf den schmalen, beinahe metaphysischen Grenzpfad, der bislang von nur wenigen Menschen betreten wurde, begeben will. Denn eine gewisse Bodenhaftung ist bei den zum Teil spektakulären und mit "normalem menschlichen Verstand" kaum fassbaren Theorien und Möglichkeiten, die keineswegs nur nach den klassischen Regeln der Physik vorangehen und nach Ursache und Wirkung schauen, von Nöten. Aber letztendlich führt das Begehen, ja, sogar weit darüber hinaus Betreten von Grenzbereichen zu Erkenntnis und Fortschritt.
Wer sich einlässt auf diese andere Welt der Wissenschaft, wird am Ende verstehen, dass wir noch ein weites Stück vor uns haben und es noch viele offene Fragen zu beantworten gibt, allen voran die rätselhafteste aller Fragen überhaupt: "Warum hat das Universum Materie hervorgebracht, die ihre Umgebung betrachtet und nach dem Warum fragt?" Dieses Thema, so Marcus Chown, behält er sich vielleicht für ein anderes Buch vor.
Man darf gespannt sein.
Fazit:
"Das Universum und das ewige Leben" ist ein lesenswertes Buch, das ein wahres Feuerwerk an Ideen und Erkenntnissen hervorbringt. Mit Wortwitz und Charme, unterhaltsam und mit plakativen Beispielen beschreibt Marcus Chown in allgemeinverständlichen Worten, schwer zu fassende Themen aus Astrophysik und Kosmologie. Dennoch ist ein gelegentliches Innehalten beim Lesen unabdingbar, schon allein um das komplexe Theoriegebäude der Physik zu begreifen und sich mit den zukunftsträchtigen Ideen vertraut zu machen.