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Das Universum des Jean Bodin: Staatsbildung, Macht und Geschlecht im 16. Jahrhundert (Geschichte und Geschlechter)
 
 
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Das Universum des Jean Bodin: Staatsbildung, Macht und Geschlecht im 16. Jahrhundert (Geschichte und Geschlechter) [Broschiert]

Claudia Opitz-Belakhal

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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

13.12.2006 / Neue Zürcher Zeitung: Nach alter Hausväter Sitte "Die unbequeme Hartnäckigkeit der Autorin überzeugt gerade beim Thema der Misogynie, die sie als Grundzug in Bodins 'Universum' herausstellt."

Kurzbeschreibung

Jean Bodin ist einer der wichtigsten Staatstheoretiker des Absolutismus. Seine Ideen und Konzepte haben weit über die Entstehung der ersten modernen Demokratien hinausgewirkt. Claudia Opitz-Belakhal stellt hier verschiedene Aspekte der frühneuzeitlichen Staatsbildung dar – etwa die Frage weiblicher Regierungsfähigkeit, die Etablierung des souveränen Herrschers als Vater aller Untertanen oder das Verhältnis von Hexenverfolgung, Misogynie und Staatsbildung. Sie weist dabei nach: Die Auswirkungen von Bodins Gedanken auf die »Ordnung der Geschlechter« in Politik und Staatswesen sind bis heute spürbar.

Über den Autor

Claudia Opitz-Belakhal ist Professorin für Geschichte der Frühen Neuzeit am Historischen Seminar der Universität Basel.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

1. Für und wider die weibliche Regierungsfähigkeit Neben allen anderen Konflikten, die die Entstehung des frühmodernen Staatswesens begleiteten und beeinflussten, war auch der Geschlechterkonflikt ein integraler Bestandteil frühneuzeitlicher politischer Theorie und Praxis. Dies nicht zuletzt auch deshalb, weil die dynastische Fürstenherrschaft, die vom 16. bis zum 18. Jahrhundert vorherrschende Staats- und Herrschaftsform, eine klare Geschlechtertrennung bzw. einen völligen Ausschluss von Frauen aus der politischen Kultur unmöglich machte oder jedenfalls nicht opportun erscheinen ließ. Die daraus resultierende weibliche Beteiligung an der "Macht im Staat" war jedoch nicht unumstritten. Einer der vehementesten Kritiker der weiblichen Herrschaftsbeteiligung war Jean Bodin, der sich dazu ausführlich im Schlusskapitel seiner "Sechs Bücher über den Staat" äußerte. Hier vertrat er explizit die Auffassung, es sei das größte Übel, das einem Staatswesen zustoßen könne, wenn es unter die Regierungsgewalt einer Frau fiele. Als Begründung gab er an, dass "die Gynäkokratie im klaren Widerspruch zu den Gesetzen der Natur [stehe], die dem männlichen Geschlecht und nicht etwa der Frau die Gaben der Stärke, der Klugheit, des Kämpfens und des Befehlens verliehen habe." Auch "das Gesetz Gottes" sage ausdrücklich, "das Weib solle dem Manne untertan sein und zwar nicht bloß was das Regieren von Königreichen und Kaiserreichen anbelangt, sondern auch in jeder einzelnen Familie, und es droht seinen Feinden gleichsam wie mit einem fürchterlichen Fluch, ihnen Frauen zu Herrschern zu geben." Zur Begründung der weiblichen Unfähigkeit zum Regieren präzisierte Bodin des weiteren: "Das Gesetz versagt der Frau überdies alle typischerweise dem Manne zukommenden Ämter, z.B. in Rechtsprechung, Anwaltschaft und anderen Bereichen. Der Grund hierfür ist nicht allein in ihrem Mangel an Klugheit zu suchen (- Martianus hat, um zu beweisen, dass die Weisheit nicht von der Frau stamme, gesagt, von allen Göttinnen habe allein Pallas nie eine Mutter gehabt -), der Grund liegt vielmehr darin, daß sich nach Mannesart zu verhalten dem weiblichen Geschlecht mit seiner Schamhaftigkeit und Bescheidenheit zuwiderläuft." Des weiteren war Bodin ein erklärter Feind der weiblichen Souveränität, weil die Frauenherrschaft die eheliche und damit schließlich die gesellschaftliche Ordnung auf den Kopf zu stellen drohte. "Denn es ist eine politische Regel, daß, was im öffentlichen Leben für gut befunden und hingenommen wird, immer auch im privaten Bereich nachgeahmt zu werden pflegt." Mit dieser Argumentation befand sich Bodin im Kreise seiner Zeitgenossen im Prinzip in guter Gesellschaft. Doch gab es durchaus hiervon abweichende Stimmen, wenn auch diejenigen, die im 16. Jahrhundert das Lob der Frauen verkündeten, weit weniger zahlreich waren als die Skeptiker. Und noch seltener waren solche, die darauf bestanden, dass Frauen und Männer von Gott gleich geschaffen seien, jedenfalls soweit es die Stärke des Verstandes angehe.

Auszug aus Das Universum des Jean Bodin. Staatsbildung, Macht und Geschlecht im 16. Jahrhundert von Claudia Opitz-Belakhal. Copyright © 2006. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

1. Für und wider die weibliche Regierungsfähigkeit
Neben allen anderen Konflikten, die die Entstehung des frühmodernen
Staatswesens begleiteten und beeinflussten, war auch der
Geschlechterkonflikt ein integraler Bestandteil frühneuzeitlicher
politischer Theorie und Praxis. Dies nicht zuletzt auch deshalb, weil die
dynastische Fürstenherrschaft, die vom 16. bis zum 18. Jahrhundert
vorherrschende Staats- und Herrschaftsform, eine klare Geschlechtertrennung
bzw. einen völligen Ausschluss von Frauen aus der politischen Kultur
unmöglich machte oder jedenfalls nicht opportun erscheinen ließ.
Die daraus resultierende weibliche Beteiligung an der "Macht im Staat" war
jedoch nicht unumstritten. Einer der vehementesten Kritiker der weiblichen
Herrschaftsbeteiligung war Jean Bodin, der sich dazu ausführlich im
Schlusskapitel seiner "Sechs Bücher über den Staat" äußerte. Hier vertrat
er explizit die Auffassung, es sei das größte Übel, das einem Staatswesen
zustoßen könne, wenn es unter die Regierungsgewalt einer Frau fiele. Als
Begründung gab er an, dass "die Gynäkokratie im klaren Widerspruch zu den
Gesetzen der Natur [stehe], die dem männlichen Geschlecht und nicht etwa
der Frau die Gaben der Stärke, der Klugheit, des Kämpfens und des Befehlens
verliehen habe." Auch "das Gesetz Gottes" sage ausdrücklich, "das Weib
solle dem Manne untertan sein und zwar nicht bloß was das Regieren von
Königreichen und Kaiserreichen anbelangt, sondern auch in jeder einzelnen
Familie, und es droht seinen Feinden gleichsam wie mit einem fürchterlichen
Fluch, ihnen Frauen zu Herrschern zu geben." Zur Begründung der weiblichen
Unfähigkeit zum Regieren präzisierte Bodin des weiteren:
"Das Gesetz versagt der Frau überdies alle typischerweise dem Manne
zukommenden Ämter, z.B. in Rechtsprechung, Anwaltschaft und anderen
Bereichen. Der Grund hierfür ist nicht allein in ihrem Mangel an Klugheit
zu suchen (- Martianus hat, um zu beweisen, dass die Weisheit nicht von der
Frau stamme, gesagt, von allen Göttinnen habe allein Pallas nie eine Mutter
gehabt -), der Grund liegt vielmehr darin, daß sich nach Mannesart zu
verhalten dem weiblichen Geschlecht mit seiner Schamhaftigkeit und
Bescheidenheit zuwiderläuft."
Des weiteren war Bodin ein erklärter Feind der weiblichen Souveränität,
weil die Frauenherrschaft die eheliche und damit schließlich die
gesellschaftliche Ordnung auf den Kopf zu stellen drohte. "Denn es ist eine
politische Regel, daß, was im öffentlichen Leben für gut befunden und
hingenommen wird, immer auch im privaten Bereich nachgeahmt zu werden
pflegt."
Mit dieser Argumentation befand sich Bodin im Kreise seiner Zeitgenossen im
Prinzip in guter Gesellschaft. Doch gab es durchaus hiervon abweichende
Stimmen, wenn auch diejenigen, die im 16. Jahrhundert das Lob der Frauen
verkündeten, weit weniger zahlreich waren als die Skeptiker. Und noch
seltener waren solche, die darauf bestanden, dass Frauen und Männer von
Gott gleich geschaffen seien, jedenfalls soweit es die Stärke des
Verstandes angehe.
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