"Wir können nicht anders als wahrnehmend leben."
Konrad Paul Liessmann war schon lange auf der Leseliste des Rezensenten, doch leider gelang es erst nun, die Sternschnuppen seines weiten Denkens und seiner sublimen Beobachtung zu erfahren. Diese Erfahrung ist jedem zu gönnen und damit vorab: Liessmann wird zum "Lies man!" und damit zur Empfehlung.
Denn mit diesem Buch spürt man, was Liessmann den Luxus der Philosophie nennt. Von dem Unwesentlichen, dem Nebensächlichen scheint eine Gesellschaft sich vermeintlich zu entfernen und doch sind es diese aus dem primären Blickfeld und der bewussten Wahrnehmung entfernten Dinge, die erneut als Alltägliches, als Gewöhnliches und als das Gewohnte in ein neues Licht gesetzt werden. Wenn man nun meint, dass Alltägliche erzeuge keine Spannung, dann ist man hier richtig, um sich mit den unspannenden Alltagserfahrungen erneut Überraschungen zu gönnen.
Leicht kommt seine Sprache daher, verständlich und vor allem erzeugt Liessmann einen durchsichtigen Kokon und damit einen Zusammenhalt, ein Zusammenspiel des Alltäglichen mit dem Besonderen, wenn man nur wagt, zu schauen. Schauen, ja ansehen, erblicken oder die optische Wahrnehmung an sich herankommen zu lassen, macht aus, was Liessmann dem Leser als Alltagsästhetik näher bringt, mitgibt, des Lesers Leben auf eine höhere, dem Sinn der Ästhetik entsprechende Höhe bringt.
Mit Liessmann wird man als Leser nun verführt im eigentlichen Sinne. Natürlich in das Land der Erotik in den Grenzen von Pornographie und Obszönität, natürlich in das Land der Kunst im Verhältnis zum Alltag, der Kunst des Sehens, der Kunst des Hörens, der kein Horizont gegeben ist. Liessmann zeigt dem Leser das Verhältnis zum Event, zum Spiel als Fußballspiel oder zum Radrennsport. Wie oft sieht man diese Ereignisse, die nach Heidegger ein "Eräugnis" sind und doch nimmt man sie nur wahr, ohne auf deren immanenten Zweck zu achten. Mit dem Blick auf den Sport, dem Fußballspiel spürt man erneut die archaische Bedeutung des Spiels, dessen Position in der Gesellschaft und dessen Nutzen. Dem Leser wird in allem ein neuer Blick gegeben, ihm wird es nach erfreulicher Lektüre gelingen, selbst den Alltag und seine Ereignisse in seiner Ästhetik, seiner Relevanz neu bedenken und zu guter Letzt wird ihm das Ding an sich, das Geld in seinem Zweck und in seinem Mittel neu vor Augen geführt.
Im Grunde berührt Liessmann die Sinne des Lesers, mit dem neuen Blick, den er erweckt, erweckt er die Edelsteine des Geistes und in allem eine feine Wahrheit über und für den Menschen.
Sehr lesenswert!
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