Das erste, was mir positiv an diesem Buch auffiel, ist, daß Zizek offenbar ebenfalls der Überzeugung ist, daß wir mit der Philosophie Martin Heideggers zuwenig anfangen (oder, in Heideggers Worten: sie zuwenig mit uns anfangen lassen) und daß das anders werden sollte. Das hat was. Und flux rollt Zizek die Heideggersche Kant-Lektüre wieder auf, wobei er Erstaunliches zu Tage fördert. Er ist in der Lage, zu zeigen, daß die Kant-Auslegung Heideggers, v.a. in "Kant und das Problem der Metaphysik" (1929) Heidegger abgeschreckt haben muß; um es anders zu sagen: Er hatte plötzlich Angst vor der eigenen Currage und zuckte...wohin ?- in die Seinsgeschichte. Alles -nur nicht diese vernichtenden Konsequenzen (für die Philosophie, die von einem anderen "Beender": Hegel -sehr lebendig beendet wurde...)denken, die aus Kants transzendentaler Einbildungskraft folg(t)en. Dieses Trauma muß auch Kant gespürt haben. Alleine dieses Kapitel rechtfertigt die Geld-Anlage. Aber: das Buch hat noch mehr zu bieten: das III. Kapitel zum Beispiel: ein weiterer Versuch, Worte fürs Wort-lose zu finden: Zizek umschreibt das Lacan'sche "Reale", der wohl rätselhafteste Begriff (es es ein Begriff ?) der gesamten Lacanischen Teminologie, und erörtert daran die Konsequenzen für eine Ethik der Psychoanalyse, worüber Lacan seinerzeit ein Seminar abhielt; woraus allerdings nur wenige ein konkretes Verständnis dessen hinwegtrugen, was das Reale denn nun ist ...
Darüber hinaus ist das Buch qualitativ hochwertig: schön anzusehen; es macht Spaß darin zu lesen und anschließend darüber nachzudenken. Ohne letzteres kommt man allerdings nicht aus...