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Das Unbehagen in der Kultur: Und andere kulturtheoretische Schriften [Taschenbuch]

Sigmund Freud
4.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
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Taschenbuch, 16. Mai 2007 EUR 8,95  

Kurzbeschreibung

16. Mai 2007
Im Nachwort zu seiner »Selbstdarstellung« schrieb Freud 1935 im Hinblick aufseine in den Jahren davor erschienenen kulturtheoretischen Schriften: »Nach dem lebenslangen Umweg über die Naturwissenschaften, Medizin und Psychotherapie war mein Interesse zu jenen kulturellen Problemen zurückgekehrt, die dereinst den kaum zum Denken erwachten Jüngling gefesselt hatten.« Diese Feststellung schien einen Eindruck der Zeitgenossen zu bestäti-gen: Freud sei auf einmal, aus Altersweisheit, auf die Kultur gekommen. Dieser Eindruck trügt. Freud war als Wissenschaftler von Anfang an immer auch mit gesellschaftlichen Phänomenen beschäftigt gewesen. Alfred Lorenzer und Bernard Görlich stellen in ihrer gedankenreichen Einleitung fest: »Das >hysterischeWer die Schriften des vorliegenden Bandes studiert, wird nachvollziehen kön-nen, wie sich Freuds Auffassung von der Wechselwirkung Individuum/Kultur im Laufe der Jahrzehnte differenzierte. Gemeinsam ist allen Arbeiten die These vom Antagonismus zwischen Kultur und Triebleben. Während in den frühen Arbeiten dieser Antagonismus noch als vorwiegend den Sexualtrieb betreffendes Gegeneinander von Luststreben und moralischem Verbot konzipiert wird, hat Freud später den Brennpunkt mehr und mehr auf den Aggressions- und Selbst-vernichtungstrieb gerichtet. Diese Verlagerung begründet die staunenswerte Aktualität des Freudschen kulturtheoretischen Denkens in unserer Zeit.

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 192 Seiten
  • Verlag: Fischer Taschenbuch Verlag; Auflage: 10 (16. Mai 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 359610453X
  • ISBN-13: 978-3596104536
  • Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 12,4 x 1,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 365.620 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

Sigmund Freud, 1856 in Freiberg (Mähren) geboren, wandte sich nach dem Medizinstudium während eines Studienaufenthalts in Paris der Psychopathologie zu. Anschließend beschäftigte er sich in der Privatpraxis mit Hysterie und anderen Neurosenformen. Er begründete die Psychoanalyse und entwickelte sie fort als eigene Behandlungs- und Forschungsmethode sowie als allgemeine, auch die Phänomene des normalen Seelenlebens umfassende Psychologie. 1938 emigrierte Freud nach London, wo er 1939 starb.

Produktbeschreibungen

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Sigmund Freud, 1856 in Freiberg (Mähren) geboren, wandte sich nach dem Medizinstudium während eines Studienaufenthalts in Paris der Psychopathologie zu. Anschließend beschäftigte er sich in der Privatpraxis mit Hysterie und anderen Neurosenformen. Er begründete die Psychoanalyse und entwickelte sie fort als eigene Behandlungs- und Forschungsmethode sowie als allgemeine, auch die Phänomene des normalen Seelenlebens umfassende Psychologie. 1938 emigrierte Freud nach London, wo er 1939 starb.

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26 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Über Kulturentwicklung... 5. Februar 2007
Von Shaun TOP 1000 REZENSENT
Format:Taschenbuch
Im wichtigsten Text dieses Bandes "Das Unbehagen in der Kultur" kommt Freud auf die in "Die Zukunft einer Illusion" drei Jahre zuvor gemachten Äußerungen zur Kulturentwicklung dadurch zurück, dass er Romain Rollands Kritik an dieser ersten Schrift zum Ausgangspunkt einer erweiterten Theorie macht (Freud hatte darin Religion als Illusion, also Wunschvorstellung bezeichnet, Rolland jedoch verwahrte sich als religiöser Mensch dagegen und nannte sein "ozeanisches" Gefühl einer Verbundenheit mit dem "Ewigen", "Unbegrenzten" eine primäre Quelle religiöser Energie, die er einfach habe, fertig aus).

Der Ausgangspunkt hin zur kulturellen Entwicklung beginnt für Freud zunächst mit dem Streben des Menschen nach Glück als entweder (negativ gewendet) Meiden von Schmerz und Unlust oder (positiv ausgedrückt) Erleben starker Lustgefühle. Aber dieses Lustprinzip wird von drei Seiten mit Leid bedroht: vom eigenen Körper, von der Außenwelt und von anderen Menschen, in der Leidvermeidung entwickelt es sich notgedrungen weiter zum Realitätsprinzip. Zu den verschiedenen Möglichkeiten der Leidabwehr kann neben Intoxikation und Triebabtötung durch z.B. Yoga aber auch die sogenannte Libidoverschiebung zählen, also die innerpsychische Sublimierung der Triebe hin zu beispielsweise Kunst und Wissensdrang, so dass einem die Nichterfüllung der primären Wünsche nichts anhaben kann. Für manche Menschen bleibt allerdings nur der krankhafte Weg der Flucht in die Neurose. Für die Kulturentwicklung sind Triebverzicht und Triebsublimierung ganz wichtige Prozesse.

Kultur dient nach Freud a) dem Schutz des Menschen gegen die Natur und b) der Regelung der Beziehungen der Menschen untereinander.
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16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einer der interessantesten Texte von Freud 1. Januar 2005
Format:Taschenbuch
Zentrales Thema dieser Schrift von Freud ist das Verhältnis von Individuum und Kultur, die unvereinbar seien und als Folge zum Unbehagen beim Individuum führen.
Der Mensch hat - ständig nach Triebbefriedigung strebend - keine Chance, glücklich zu werden in einer Kultur, die maßgeblich auf Triebverzicht aufgebaut ist.
Die Unmöglichkeit des Auslebens der eigenen Triebe, die kulturell nicht akzeptiert seien, führe dazu, dass die Menschen sich auf "Methoden des Lustgewinns und der Unlustvermeidung" einlassen. Freud nennt hier u.a. die Verwendung von Rauschmitteln, Libidoverschiebung bzw. Sublimierung, die "Flucht" ins Irreale, den wahnhaften Versuch, die Realität zu verändern, die Flucht ins Neurotische, sowie "eine auf dem Glückswert der Liebe gegründete Lebenstechnik".
Von Interesse ist außerdem das von Freud (nicht nur) in diesem Werk gezeichnete Menschenbild. Der Mensch wird in seinen Beziehungen dargestellt als seinen Trieben unterliegender "reißender Wolf" (homo homini lupus), was dieses Werk vor allem sozialpsychologisch interessant macht. Ein zu dieser Auffassung kontrastives Bild zeichnet das Spätwerk Alfred Adlers (Der Sinn des Lebens), bei dem sich der Mensch als ein von Gemeinschaftsgefühl geleitetes Wesen wiederfindet.
Herbert Marcuse hat den Freud'schen Antagonismus zwischen Kultur und Individuum aufgegriffen und reformuliert (Der eindimensionale Mensch). Der Antagonismus löse sich in einer Eindimensionalität zunehmend auf, die tanszendentale kulturelle Qualität löse sich dadurch auf, dass der Mensch sich insbesondere durch repressive Entsublimierung bei gleichzeitig glücklichem Bewusstsein (bzw. "happy consciousness") die Kultur mehr und mehr den eigenen Triebregungen angleiche.
Insgesamt also ein absolut lesenswertes Buch, das eine Menge Denkanregungen mitbringt und zu kontroverser Diskussion anregt.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eros und Ananke 28. Januar 2007
Von kpoac TOP 500 REZENSENT
Format:Taschenbuch
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"Nach langem Zögern und Schwanken haben wir uns entschlossen, nur zwei Grundtriebe anzunehmen, den Eros und den Destruktionstrieb. [...] Das Ziel des ersten ist, immer größere Einheiten herzustellen und so zu erhalten, also Bindung, das Ziel des anderen im Gegenteil, Zusammenhänge aufzulösen und so die Dinge zu zerstören. [...] Wir heißen ihn darum auch Todestrieb." (Abriss der Psychoanalyse, Zweites Kap. Trieblehre) Auf ihnen beruht unsere Kultur. Und im vorliegenden Buch heißt es weiter: "Eros und Ananke sind auch die Eltern der menschlichen Kultur geworden."

Die Psychoanalyse Freuds ist im Allgemeinen und in erster Linie als therapeutische Veränderungsform bekannt und teilweise geachtet. Freud jedoch ging es hauptsächlich um die Wahrheiten, die er mit der Psychoanalyse über das Wesen der Menschen und ihre konfliktreiche Verflechtung mit der sie umgebenden Kultur ausfindig machen wollte. Auf dieser Suche stieß Freud auf sehr unangenehme Wahrheiten über unsere Kultur. Er hält unserer Kultur den Spiegel vor, und es geht einer kritischen psychoanalytischen Forschung und Tradierung von Freuds Werk darum, das Unbehagen in der Kultur auf seine Relevanz für heutige Verhältnisse hin zu befragen.

Aus der Welt, wie sie ist, können wir nicht fallen. Wir sind darin und müssen uns ihr stellen. Das heißt, dass das subjektive Ich sich nach Außen zu richten hat, Ich-Grenzen, auch in ihrer Unbeständigkeit sind aufzulösen, die Lust hat sich dem drohenden Draußen zu stellen. Die einmal gemeinte Vollkommenheit des Ichs wird aufgelöst, weil quasi die Außenwelt abgeschieden wird.
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