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Kru. Neun der zwölf Erzählungen von Antonio Tabucchi, die der Band «Das Umkehrspiel» enthält, sind bereits 1981 erschienen (deutsch 1986 unter dem Titel «Der kleine Gatsby» bei ComMedia & Arte, Stuttgart). Zu diesen ehrgeizigen Fingerübungen gehört neben der schön-vertrackten Titelgeschichte auch die kleine Erzählung «Theater»: Ein ehemals berühmter englischer Shakespeare-Darsteller gibt mitten im afrikanischen Urwald, wo er inzwischen lebt, bizarre, aber durchaus anrührende Privatvorstellungen von «King Lear» und anderen Werken als Solist für einen einzigen Zuschauer, den Erzähler. Die drei Texte, die hier erstmals publiziert werden, entstanden zwischen 1981 und 1985 und sind Hommagen des Poeta doctus, als der Tabucchi sich stets verstanden hat, an verschiedene «Kollegen». In der «Cheshire-Katze» geht es natürlich um Lewis Carroll und seine «Alice im Wunderland». «Vagabundenleben» hat sich den Lyriker Dino Campana zur Hauptfigur erkoren, der hier unter dem Künstlernamen Dino Artista firmiert und unter anderem von einem Freund und Gönner in die Ars amandi eingeführt wird. Die Erzählung «Ein Tag in Olympia» schliesslich lässt den Dichter Pindar, den Autor der «Olympischen Oden», als Fünfkämpfer an den Olympischen Spielen von 472 oder 464 v. Chr. teilnehmen. Wie bei allen anderen Sujets handelt es sich auch hier um pure Fiktion: denn Dichter sind bekanntlich meistens unsportlich. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
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Tabucchi ist einer meiner absoluten Lieblingsautoren, Das Indische Nachtstück und Erklärt Pereira gehören zum wundervollsten, was ich überhaupt gelesen habe. Aber das Umkehrspiel enttäuscht vor diesem Hintergrund in jeder Hinsicht.
Warum wird nicht deutlich herausgestellt, dass das Umkehrspiel eine Neuauflage von "Der kleine Gatsby" ist, die gerade mal um drei Geschichten erweitert wurde? Wir haben es hier mit Geschichten aus der Zeit von 1978 bis 1983 zu tun. Tabucchis Schreibweise hat hier wenig mit seinem träumerischen Stil zu tun, den er in den Neunzigern entwickelt hat. Enttäuschend. Und die Geschichten: Kurz sind sie, aber leider keine Kurzgeschichten. "Theater" ist wohlgemerkt eine Perle, aber sie hat mich nur dazu veranlasst, wieder mal Fitzgerald zu lesen und vielleicht auch mal Joseph Conrad anzugehen. Die meisten Geschichten sind zwar irgendwie rätselhaft, aber nicht so, dass die zum Träumen und Nachdenken anregen, sondern eher zum Wundern und Weglegen. Fragmente, die in keinen Roman gepasst haben und die auch nicht genug Atmosphäre für eine abgeschlossene Short Story hergeben. Schlichtweg eine Kompilation von Gedanken, die Tabucchi wohl interessant fand, aber nicht richtig verwerten konnte. Tabucchi-Fans sollten eher auf die nächste echte Neuerscheinung warten.
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