Es ist eine Geschichte von Mutter und Tochter. Eigentlich über die Beziehungen und Gefühle zwischen Müttern und Töchtern. Es ist fast so, ob als wir ein Wollknäuel abwickeln, ein Wunderknäuel, das am Ende des Fadens, tief verborgen ein Geheimnis birgt. Wir lesen im „Heute“ und gehen Schritt für Schritt zurück bis ins Herz der Geschichte. Sie beginnt in einem Dorf in China, dessen Name „Unsterbliches Herz“ lautet. „Nur“ eine Metapher?
Wir springen mitten hinein in das moderne Leben San Franciscos. In Ruths erfolgreiches Leben als Verlagslektorin und Ghostwriter, die in einer stabilen Beziehung und mit zwei teenage Töchtern lebt . Ihre alte Mutter Lu Ling wohnt allein und trifft regelmäßig nur ihre Schwester, die etwas jünger ist. Ein Besuch beim Arzt mit ihrer Mutter macht Ruth deutlich, wie es um sie steht: sie ist dement geworden. Ruth beschäftigt sich jetzt neben all ihren Verpflichtungen mehr und mehr mit ihr und zieht ganz in ihr Haus. Fenster zu Ruths Kindheit beginnen sich zu öffnen. Die neue Nähe zu ihrer Mutter bringt Erinnerungen hervor. Sie erscheinen wie ein Film aus längst vergangener Zeit. Ähnlich, als ob wir von den verschachtelten russischen Puppen eine nach der anderen öffnen und sie aus der nächsten herausnehmen.
Bei einer gründlichen Hausreinigung findet Ruth unter einer lockeren Fußbodendiele Aufzeichnungen ihrer Mutter in chinesischen Tuschezeichen, in ihrer meisterhaften Kalligraphie, für die sie bekannt war. Ruth lässt sie von einem chinesischen Gelehrten übersetzen. Wir erfahren viel über die Schicksale von Ruths Mutter, ihren Vorfahren, die Familie ihrer Mutter und Großmutter im alten vorrevolutionären China. Die Tuscheherstellung war das Geschäft dieser Familie, weitergegeben durch Generationen. Geheimnisse zeigen ihre Gesichter, die so lange abgewandt waren. Ruth beginnt vieles zu verstehen, was für sie bisher rätselhaft war. Vorher Bedeutungsloses gewinnt jetzt Bedeutung. Manche Erkenntnisse schmerzen sie, doch sie wächst an ihnen.
Obwohl sich die Geschichte auf verschiedenen Zeitebenen abspielt, verliert man nie den Faden. Dies verdanken wir der meisterlichen Erzählweise Amy Tans. Für mich ist dieses Buch das beste aller bisher von ihr veröffentlichten Bücher für Erwachsene.