Das philosophische Leitthema ist Hegels "Phänomenologie des Geistes" entnommen, der an der entsprechenden Stelle die dialektische Beziehung des Selbstbewußtseins zu einem anderen entwickelt. Diese Dialektik des Selbstbewußtseins wird vom Autor erweitert, psychlogisch verfeinert und zu einer Dialektik der Beziehung entfaltet. Dabei werden die Hauptelemente der Bewegung der Beziehung, die fünf Polaritäten Augenblick-Dauer, Verschiedenheit-Gleichheit, Befriedigung-Versagung, Stimulierung-Stabiliät und Nähe-Distanz, herausgearbeitet. Stierlin zeigt, wie diese Polaritäten in einer gelingenden Partner-Beziehung stets aufs Neue ausbalanciert oder je nach Lebensabschnitt neu verhandelt werden müssen. Anfangs in der Mutter-Kind-Beziehung und später in der Familienbeziehung werden die Grundlagen für diese Ausbalancierung der Polaritäten gelegt, die für die psychologische Entwicklung des Einzelnen so entscheidend sind, aber auch seine möglicherweise falschen Lösungen und psychologischen Probleme im Leben bestimmen.
Ein nicht ganz neues, aber immer noch lesenswertes Buch (Erstauflage 1971). Wer Freude an dem Buch haben will, muss sich auf den philosophischen Anspruch des Buchs einlassen. Wer dies tut, wird aber dann reichlich entlohnt.