Dies kleine Büchlein ist nichts als eine Vorarbeit, ein Zusammentragen von Recherche-Ergebnissen, die wohl schließlich in Jonathan Littells Groß-Roman "Die Wohlgesinnten" mündeten. Es ist aber auch eine kompakt-prägnante Auseinandersetzung mit dem soldatischen Selbstverständniss des faschistischen Mannes während des Zweiten Weltkriegs, ganz nach dem Vorbild von Klaus Theweleits "Männerphantasien" von 1977.
Am Beispiel Léon Degrelles, eines belgischen Kriegsfreiwilligen und Kommandeurs der SS-Division "Legion Wallonie", werden die Sprachmuster und psychosexuellen Selbstschutzstrategien ("Ich-Panzer"), ohne die der faschistische Mann/Soldat nicht lebensfähig zu sein scheint, empirisch zusammengetragen und gewitzt demontiert. Grundlage bilden die veröffentlichten Tagebücher und Aufzeichnungen Degrelles, insbesondere "La campagne de russie 1941-1945", die bis heute verlegt werden. Die von Littell erbrachten Wortfeldanalysen sind eindrucksvolle, literaturwissenschaftliche Beispiele für die expilizite Darstellung von Gewalt in der Sprache, als Fortsetzung der gewaltsamen Handlung. Diese ist wiederum essentiel für die eigene Existenzlegitimation des Faschisten.
Das abstrakte Böse wird enttarnt, ein Abgrund des Perversen macht sich auf. Der nationalsozialistische Säuberungsraubzug im Osten ist der Kampf des Trockenen gegen das Feuchte, des Stehenden gegen das Kriechende, des Harten gegen das Breiige, Schlammige, Fließende, der weiße Terror gegen die rote Flut.
Eine psycho-soziologische Tragödie deleuzschen Ausmaßes, eine Komödie desadescher Pikanterie und Klaus Theweleit schreibt auch noch das Nachwort. Was kann sich der dauergeile Kulturpessimist noch mehr wünschen? Die wunderbare Bebilderung, sowie das Postskriptum (Tschetschenien/Abu Ghraib), das in unsere heutige Zeit verweist, sorgen für den Rest.
Ein unerwartet vergnügliches Buch, weil es die Denkmuster des faschistischen Überlegenheitswahns an einem greifbaren Beispiel entmystifiziert, ohne abgedroschene Erklärungmuster zu bemühen, aber auch ohne das Grauen von Krieg und ethnischer Säuberung zu verharmlosen. Ganz im Gegenteil, die teils fahrlässige, pseudowissenschaftliche Beweisführung setzt dem Wahnsinn des Faschismus ein adäquates Denkmal und verweist ihn nicht mehr weit weg in die Geschichte, sondern ganz nah in unser aller Selbst.