Richard Laymon, verstorben 2001, war ein bekannter Verfasser von Horrorgeschichten, die teilweise mit Preisen ausgezeichnet wurden. Das Treffen" erschien bereits 1992 unter dem Originaltitel Blood Games"; auf die deutsche Veröffentlichung in der Reihe Heyne Hardcore" mussten Fans des Autors also mehr als fünfzehn Jahre warten.
Die Geschichte beginnt vielversprechend; im flüssigen, sehr anziehenden Plauderton berichtet Laymon vom Treffen der Freundinnen, in zahlreichen Rückblenden erfährt der Leser zudem, wie sie sich im College kennengelernt und was sie gemeinsam erlebt haben. Hier baut sich schnell Spannung auf, ein ungutes Gefühl meldet sich, die Anzeichen, dass sehr bald etwas passiert, häufen sich rasant - und natürlich wird man hier auch nicht enttäuscht.
Die fünf Frauen sind recht stereotyp beschrieben. Helen ist dick und etwas ängstlich, Finley burschikos und mutig, Vivian bildschön und etwas zimperlich und so weiter - aber die Klischees sind nicht so übermäßig, dass sie extrem stören würden. Natürlich nimmt die Geschichte haufenweise Anleihen bei anderen Vertretern des Horrorgenres; man fühlt sich vor allem an Beim Sterben ist jeder erste" erinnert, ein Klassiker des Genres, auf dessen berühmte Banjo-Szene der Autor auch augenzwinkernd hinweist. Auch die anderen Motive wissen nicht wirklich zu überraschen: Ein verlassenes Haus mitten im finsteren Wald, blutrünstige Hillbillys, eine grauenhafte Schauergeschichte aus der Vergangenheit - was soll da auch anderes passieren als Mord und Totschlag? So ist der Plot natürlich im Großen und Ganzen vorhersehbar, aber nichtsdestotrotz unterhaltsam und leichtfüßig geschrieben, denn schließlich erwartet man ja genau das: Blut und Horror.
Die Beschreibung der sauf- und abenteuerlustigen Freundinnen ist gut gelungen und macht Spaß, besonders die Schilderungen aus der vergangenen Zeit sind locker und witzig, auch wenn sie die spannende Handlung natürlich immer wieder unterbrechen. Einerseits ist es Laymon ziemlich gut gelungen, eine Gruppe ausgelassener Frauen beim gemeinsamen Ausflug zu beschreiben - als weibliche Leserin wird man sich hier teilweise tatsächlich wiederfinden -, andererseits irritiert es doch, dass die Protagonistinnen immer sehr leicht bekleidet durch die schwüle Hitze rennen und der Schweiß wahlweise an blanken Brüsten oder glänzenden Schenkeln herunter trieft. Die Beschreibungen der körperlichen Vorzüge bleiben gerade noch so im Rahmen, sind aber doch ein klein wenig trashig. Über weite Strecken sind alle halbnackt oder praktischerweise sogar ganz.
Das Treffen" ist keine Perle des Genres und recht einfach gestrickt, im Großen und Ganzen aber doch gelungen. Laymon erfüllt den Anspruch, reine Unterhaltung zu liefern, hier sehr gut - ein echter Pageturner, der für die eine oder andere Gänsehaut sorgt. Gut, die Protagonistinnen verhalten sich nicht immer glaubwürdig und logisch, aber das kennt man ja aus Horrorfilmen zur Genüge. Insgesamt ein kurzweiliges Lesevergnügen!