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State (sehr persönlich):
Dieser Film war neben "Lohn der Angst" einer der prägendsten meiner Kindheit. Bis heute habe ich im Ausland eine diffuse Angst vor Ausweisverlust, weigerte mich als 9jähriges Wessi-Kind sogar, für einige Tage allein bei meiner Tante in der damaligen DDR zu bleiben. Zu detailliert beschreibt "Das Totenschiff" die Folgen des an sich simplen Beischlafdiebstahls - Rechteverlust, Mühlen der Bürokratie, "dem System ausgeliefert sein". Einige Szenen, z.B. die Selbstaufopferung des todkranken Matrosen beim defekten Überdruckventil, die Entschuldigung des Freundes Lawski den jungen Seemann wider besseres Wissen auf die "Yorikke" gelockt zu haben, der menschenverachtende Kapitalismus des Kapitäns und seines Speichelleckers, äh Bootsmanns, verursachen bei mir bis heute ein gesundes Misstrauen gegen jede Art von Entscheidungsträgern. Denn alle 3 Beispiele belegen gut, dass es immer die "Kleinen" sind, die die Versäumnisse der "Großen" ausbaden müssen.
Andererseits brachte mich der Film zum Lesen. Vermutlich altersuntypisch war B. Traven einer meiner ersten Lieblingsschriftsteller - allein schon seine ersten 3 Bücher "Die Baumwollpflücker" 1926 geschrieben/1928 erschienen, "Das Totenschiff" 1927, "Der Schatz der Sierra Madre" 1928 sind bis heute absolut lesenswert. Sein Werk "Die weiße Rose" 1929 diente im dritten Reich den Geschwistern Scholl und ihren Freunden als Namensvorlage für ihre Widerstandsbewegung.
Der Regisseur:
Georg Tressler arbeitete in der Zeit von 1956 bis 1994 als Kino- und TV Regisseur. In dieser Zeit drehte er 13 Spielfilme, zwei Folgen für den "Tatort" und eine Vielzahl Episoden für TV-Serien wie z. B. "Marienhof" und "Graf Yoster gibt sich die Ehre". Neben "Das Totenschiff" sei dem geneigten Filmfan zumindest noch den Klassiker "Die Halbstarken" aus dem Jahre 1956 empfohlen.
Nicht zuletzt ihm dürfte der weltweite Erfolg des Films zu verdanken sein. Die optimal eingesetzten Schauspieler, die nie vernachlässigte innere Logik, vor allem aber die zielgenaue Darstellung des Arbeitsplatzes Hölle, äh - Heizkessel sind/ist wirklich vom Feinsten.
Die Schauspieler:
Horst Buchholz wirkt in der Rolle des lebensbejahenden "Bruder Leichtfuß", durch nichts vom Optimismus abzuhaltenden leichtlebigen Matrosen absolut authentisch, ist auch aus heutiger Sicht ideal besetzt. Er wirkte zwischen 1955 und 2002 in 59 Film- und TV-Produktionen mit. Davon (soweit mir bekannt) unbedingt empfehlenswert: "Die Halbstarken" 1956, "Die glorreichen Sieben" 1960, "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" 1957, "Neun Stunden zur Ewigkeit" 1963, "Das Leben ist schön" 1997.
Zum Ausnahmeschauspieler Mario Adorf, der zwischen 1954 und heute in bisher 129 Film- und TV-Produktionen mitspielte verliere ich hier wenig Worte. Wer ihn nicht kennt, dürfte wenig Interesse am deutschen, bzw. europäischen Film haben und das hier eh nicht lesen.
Elke Sommer in ihrem zweiten Film spielt zeitgerecht das herzallerliebste Weibchen (nicht negativ gemeint), trat zwischen 1958 und 2000 in immerhin 66 TV- und Filmproduktionen auf, von denen ich aber nur die wenigsten gesehen habe.
Helmut Schmid - Held meiner Kindheit - schließlich spielt einen "Malocher" vom Feinsten, hart gegen sich selbst und andere ist er der erste, der den Aufstand - wenn auch viel zu spät - wagt. Hauptsächlich Bühnenschauspieler, wirkte er zwischen 1954 und 1972 leider nur in 26 Filmproduktionen mit, wovon soweit ich die Filme kenne "Rivalen der Manege" 1958 und "Kohlhiesels Töchter" 1962 zu den empfehlenswertesten gehören.
Doch auch der Rest der Darsteller wurde perfekt ausgesucht. Jeder erfüllt seine Rolle mit Leben, bringt den von ihm dargestellten Charakter gut zur Geltung.
Die DVD:
16 Kapitel bei einer Laufzeit von 1:33:35 Min., soweit mich meine Erinnerung nicht trügt - ungekürzt.
Der Ton liegt lediglich in Mono vor, ist altersbedingt nicht gerade das Gelbe vom Ei
Keine Untertitel
Das schlecht überarbeitete Schwarz/Weiß (Voll)Bild im Format 4:3 weist starke Schwächen auf, ist selbst mit Altersbonus gerade eben noch so akzeptabel.
An Extras finden wir oberflächliche Biographien in Form von Texttafeln zum Buchautor B. Traven (8 Seiten), Horst Buchholz (11 Seiten), Mario Adorf (17 Seiten), Elke Sommer (12 Seiten), Helmut Schmid (7 Seiten) und Georg Tressler (11 Seiten). Außerdem 9 Seiten "Produktionsnotizen", die durchaus interessant sind. Letztendlich noch eine 28 Seiten umfassende Postergalerie mit Filmplakaten und Bildern aus dem Film.
Fazit: Film 4-5 Sterne, DVD 1-3 Sterne (je nach Altersbonus)
Ein Klassiker des Nachkriegsfilms, noch dazu nach einer Romanvorlage des ebenso guten wie geheimnisvollen Ausnahmeautors B. Traven.
Liebhaber des Films werden zuschlagen, Fans guter Darsteller, Liebhaber sozial- und gesellschaftskritischer Stoffe ebenso - nur Action-Puristen und FX-Junkies sollten einen großen Bogen um die Scheibe machen.
PS: Im Nachhinein ärgere ich mich ein wenig nicht die zeitgleich erschienene Doppel-DVD mit mehr Hintergrundinfos gekauft zu haben.
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