Der amerikanische Seemann Gale verliert durch Unachtsamkeit seine Papiere und damit, wie er schnell feststellen muss, auch seine Existenzberechtigung innerhalb der Gesellschaft. Schutzlos ist er einer menschenverachtenden Bürokratie ausgeliefert, die ihn zu einem Dasein am untersten Ende der sozialen Skala verdammt: Gale bleibt nichts anderes übrig, als auf der Yorikke anzuheuern, einem wahren Totenschiff, auf dem Verkommenheit, Brutalität und Ausbeutung herrschen. B. Travens Roman greift Elemente der Abenteuer-, Seefahrts- und Arbeiterliteratur auf, verzichtet jedoch auf jedes Heldenpathos. Lakonisch und humorvoll schildert er eine Welt, in der der Einzelne zwischen Staatsbürokratie und Kapitalismus zerrieben wird, ohne dass er auch nur die geringste Chance hat, sich gegen die herrschenden Verhältnisse aufzulehnen. Je mehr Abenteuer der Held besteht, desto tiefer sinkt er. Belohnung oder Erlösung gibt es nicht. "Das Totenschiff" ist ein kompromissloses, spannendes, eindringliches Werk, das seinen rätselhaften Verfasser zu einem der meistdiskutierten Autoren seiner Zeit machte. Genau wie andere Romane Travens ist es einem sozialkritischen Realismus verpflichtet, der allerdings nie in den Sog von Politpropaganda, Schwarz-Weiß-Malerei und Weltverbesserungskitsch abdriftet. Fazit: Unbedingt lesenswert!