Von diesem Buch bin ich doch reichlich enttäuscht. Der Autor glänzt durch unzureichende Recherchen und versucht dann, in sein fragmentarisches Halbwissen schlussendlich großartige Symbolik hineinzudeuten. Einige Beispiele: Nudd ist ein Gott des Himmels? Da Quellenangaben im Buch äußerst dünn gesät sind, habe ich Stunden damit verbracht, die Quelle für diese Behauptung zu finden :-). Noch schrecklicher die Ausdeutung des Namens Cerridwen. Zum einen haben selbst Etymologen Schwierigkeiten, die schlussendliche Herkunft des Namens zu bestimmen, zum anderen verweist aber die Bedeutung von "wen" nicht im geringsten auf den zunehmenden Mond, wie der Autor behauptet. "Wen", bzw. "gwen" ist ein häufiger Zusatz in Götternamen und bedeutet hier schlichtweg etwas ähnliches wie "geheiligt", "beschützt": Dieser Zusatz kommt z.B. in "Branwen", "Henwen" etc. vor. Ebenso wird Cerridwen dann prompt mit folgendem Satz vorgestellt, ich zitiere: "Ceridwen ist die walisische Naturgöttin." Aus den erhaltenen walisischen Überlieferungen, die die einzigen Quellen zu Cerridwen darstellen, dürfte der Autor diese Behauptung wohl kaum entnommen haben können, dementsprechend frage ich mich doch nach seiner tatsächlichen Kenntnis dessen, über was er schreibt, nämlich keltische Mythologie... Das Buch ist gespickt mit solchen Dingen, die als "Tatsachen" in den Raum gestellt werden und worauf er dann die Ausdeutung seiner Symbolik stützt.
Ärgerlich also nicht nur die Unkenntnis des Autors, sondern auch seine als "vollkommene Wahrheit" dargestellten metaphysischen Hypothesen, in derselben Art vorgebracht, wie es häufig von selbsternannten Gurus praktiziert wird. Im Endeffekt ist seine Deutung der keltischen Mythologie (die aus seiner Sicht natürlich die allgemeingültig einzig wahre ist), nichts anderes als diejenige derer, über die er im Vorwort vom Leder zieht, ich zitiere: "Das ist kein klassisches Keltenbuch, das die keltische Mythologie irgendwie deutet". Nun, seine eigene Deutung muss ich doch nach der Lektüre dieses Buches unter "irgendwie" einordnen und verbleibe da doch lieber bei den "klassischen Keltenbüchern". Hiermit darf ich ebenfalls noch wärmstens Birkhan empfehlen, ebenso möchte ich noch auf "Klassiker" wie James Frazer und Eliade hinweisen, durch die man doch einiges an tieferen Einsichten gewinnen kann, sofern man in der Lage ist, selbständig zu denken ;-)