In seinem verbal stark mit Geschichten außerhalb des Koran ausgeschmückten "Totenbuch des Islam" verwendet der Imam 'Abd ar-Rahim ibn Ahmad al-Qadi viele Hadithe, also gesammelte Aussprüche des Propheten Mohammed und seiner engsten Anhänger (z.B. A'isha, die sich in ihrem eigenen Hadith Mutter der Gläubigen nennt - S. 58), die aber ebenso über die vielen Jahrhunderte nach Entstehung des Islam als Lügenberichte in die Sunna (Überlieferung) eingegangen sein könnten. Diese Möglichkeit schließen selbst islamische Gelehrte nicht aus, was der Autor aber nicht erwähnt. Zudem kommt, dass der Autor an manchen Stellen gar keine Überlieferer nennt, sondern lediglich schreibt, dass es überliefert sei, dass ... . So bezeichnet der Autor die Sichtung, Zuordnung und Auswahl der großen Zahl von Hadithen als wahrscheinlich die größte Leistung in der Geschichte des Gelehrtentums (S. 20). Der Autor erklärt auch das westliche "fortschrittliche" Erziehungssystem als gescheitert. (S. 20). Unsere technologische Zivilisation sei auf dem Wege zum Zusammenbruch (S. 21) und habe zum vollständigen Fehlen von - im muslimischen Sinne - gebildeten Menschen innerhalb der Gemeinschaft der Muslime (S. 20) geführt, was dem Gläubigen (Mu'min) die Weltsicht des Ungläubigen (Kafir) aufzwingt (S. 12). Der Autor sieht in der Lebensführung des Islam das letzte und weltumfassende Muster für die Menschheit. Islam bedeutet dem Autor zufolge der Glaube an die Einheit Gottes, an Seine Bücher, Gesandten und Engel, den Jüngsten Tag und daran, dass die Waage aufgestellt wird (S. 12). Die vier edlen Engel im Islam heißen, wie auf den Seite 34 und 93 erklärt, Israfil (Erzengel der Auferstehung), Mika'il (Michael, Erzengel der Versorgung und Nahrung), Jibril (Gabriel, Erzengel der Offenbarung) und Izra'il (Erzengel des Todes). Die nächste Stufe nach dem Zwischenbereich von Leben und Nachtod sei die Versammlung der menschlichen Rasse, die vollständige Schau des Schöpfungsvorganges und der zentralen Rolle, die der einzelne darin spielt, sowie seines Geheimnisses (S. 22). Zur letzten Stunde soll der Erzengel Israfil dreimal in die Trompete blasen und so weiter (S. 92 f.). Im Koran steht dazu in Sure 39,68: "Denn die Trompete wird geblasen werden, und wer immer sich in den Himmeln und auf der Erde befindet, wird das Bewusstsein verlieren, mit Ausnahme derjenigen, die Allah durch Seinen Willen bewahrt." In der Letzten Stunde würden die Leiber auferstehen und eine Versammlung der Menschheit stattfinden, worauf eine Waage errichtet wird (S. 10). Es heißt weiter auf Seite 10: "Und segne den Führer, der Fürsprache einlegt für die Menschheit. Denn er ist es, der für uns alle bitten wird, wenn der Schrecken die Schöpfung erfasst."
Auf Seite 17 heißt es auch: "Für den Muslim ist auch der Traum eine eindeutige und klare Wissenschaft, die dem Koran und den prophetischen Lehren entstammt, welche in unseren Hadithen aufbewahrt werden." Beispiele für solche Träume finden sich auf den Seiten 61 und 87. Auch das 1. Buch Moses erzählt ab Kapitel 40 von Joseph und seinen Traumdeutungen. Die 5 Bücher Moses (Thora der Juden) zählen laut Koran-Sure 3,3 ebenso zum Islam wie das Evangelium der Christen. Auf Seite 51 wird vor der Ungerechtigkeit gegenüber den Knechten in einem Hadith gewarnt. Dies wird auch auf Seite 75 bekräftigt, wo hinzugefügt wird, dass auch Krieger auf dem Pfade Gottes ausgerüstet werden sollen, was auch als kleiner Jihad (Heiliger Krieg gegen das eigene Ich) verstanden werden kann. Auch die genaue jenseitige Strafe für Nichthilfe für einen Unterdrückten wird im selben Hadtih erwähnt. Er wird mit 100 Hieben in der Hölle bestraft. Der Autor schreibt auch, dass es mit der Offenbarung nicht annehmbar sei den beschreibbaren Inhalt der Nachtodes-Zustände allein dem Bereich der Mythen zuzuordnen (S. 18). An manchen Stellen des Buches wird auch berichtet, dass die Seele (Ruh) nach dem Tod den Körper verlässt und Verwandte und den eigenen Körper betrachten kann (S. 69, S. 84). Auch können zum Nutzen von Toten ein Bittgebet (Du'a) und Almosen (Sadaqa) verrichtet werden (S. 61). Der US-amerikanische Prophet Edgar Cayce berichtete oft von der Akasha-Chronik, in der jede unserer Taten und die göttlichen Beschlüsse festgehalten sein sollen. Ein derartiges himmlisches Buch wird auch in diesem "Totenbuch des Islam" erwähnt, so auf den Seiten 78, 81 und 92 sowie auf Seite 194 in Sure 36,11 des Koran. Auch das 31. Kapitel "Über das Zerstreuen der Bücher am Auferstehungstage" berichtet ausführlicher über die Akasha-Chronik. Im Buch geht es ungefähr ab Seite 100 bis zum Ende um den Ablauf des Jüngsten Gerichtes, das hier vom wieder auferstandenen Mohammed, seinem wiedererweckten fantastischen Flugreittier Buraq und den vier von Neuem erschaffenen Erzengeln eingeleitet wird. Im Christentum kehrt hingegen der einzige Messias des Koran, Jesus Christus (Isa), als Weltenrichter und Weltenretter zurück. Der schiitische Islam, der an die Wiederkunft des 12. Imam aus einem Brunnen am Ende der Zeiten glaubt, hat in dieses sunnitische (nach der Sunna bzw. der Überlieferung) "Totenbuch des Islam" auch keinen Eingang gefunden. Im "Totenbuch des Islam" stehen zunächst alle Menschen aus ihren Gräbern auf, auch Ungläubige und Jene, die sich Lüsten, Vergnügungen und dem Haram (=Verbotenem, S. 107) hingaben oder schlicht nur für materielle Dinge lebten. Sie alle werden gleichermaßen mit einem Buch (der Akasha-Chronik) in der Hand vor Gott gestellt, der sie entweder in das Paradies, den Garten eintreten lässt oder sie in die Hölle schickt. Solange sie warten, geschieht ihnen nichts. Es finden sich hier sogar Hadithe, die dem Propheten des Alten Testaments, Moses (Musa), zugeschrieben werden (S. 126 ff. und S. 161 f.), wobei diese Aussprüche nicht einmal in der jüdischen Religion gefunden werden können, deren Gründer der Prophet Moses war. Andere Propheten werden mit ihrem islamischen Namen auf Seite 125 erwähnt. Trotz dieser Erwähnung heißt es auf Seite 137, dass auch jene von Gott bestraft werden, die im Kufr (Unglauben) gute Taten vollbrachten. So habe die Hölle 7 Tore (S. 150). Das 5. Tor beherberge die Juden, das 6. Tor beherberge die Christen und so weiter. Jedoch gibt es auch eine Ausnahme, nämlich wenn ein Ungläubiger (also ein Christ, Jude oder was auch immer) einen Menschen in der Welt liebte, welcher die Gemeinschaft der Wissenden ('Ulama) liebte. Durch den Segen (Baraka) jenes Menschen wird ihm vergeben (S. 144 f.). Auch wird diesem Buch zufolge einst durch Mohammed und Gott eine Vergebung der Sünden aller Muslime stattfinden, die sich sehr lange Zeit im Höllenfeuer befanden (S. 169). Darauf würden alle Ungläubigen ausrufen: "Oh wären wir doch Muslime gewesen und auch aus dem Feuer befreit worden! "
Weiterhin werden im Buch die Zustände der Hölle und des Paradieses beschrieben. Auffällig ist hier zum Beispiel, dass im gegenwärtigen Leben für Muslime Alkohol verboten ist, es jedoch in Sure 47,15 heißt, dass im Paradies Flüsse aus Wein fließen (S.176). Auch Frauen scheinen in den Genuss des Paradieses zu kommen, was lediglich auf Seite 186 kurz erwähnt wird. Die Herren der Schöpfung bekämen hingegen so genannte reine Weiber (Huris), welche Gott aus Licht schuf (S. 173), zugewiesen (S. 185). Dies widerspricht den Nahtoderfahrungen aus der ganzen Welt, wonach die unermessliche Liebe im Jenseits vor allem im Kreis der Verwandten oder der geliebten Freunde erfahren wurde. Kein Wort von körperlicher Liebe in diesen Nahtoderfahrungen. Im Islam erwarten hingegen selbst Selbstmordattentäter viele Jungfrauen im Jenseits. In der katholischen Kirche folgt auf den Selbstmord das Fegefeuer. Dass Märtyrer (S.88, S. 96 f.) beim Jüngsten Gericht noch vor dem Propheten Mohammed stehen, wird auch oft im Buch erwähnt. Dass Selbstmordattentäter in den Himmel kommen, wird in diesem Buch jedoch nicht erwähnt, auch nicht im Koran. Ein Grund in die Hölle zu kommen, ist laut Koran auch der Zins (Wucher), der zum Beispiel auf Seite 108 in Sure 3,130 erwähnt wird. In Sure 4,36 (S. 112) heißt es: "Seid freundlich zu euren Eltern." Zum Schluss noch eine Antwort auf die Fragen, warum Gott heute nicht so oft direkt in das weltliche Geschehen eingreift und so Liebe und Gerechtigkeit durchsetzt. Es ist Sure 36,46 f. des Koran (S. 197), in der es heißt: "Sollten wir jene speisen, die Gott, hätte er es gewollt, selbst gespeist hätte?" Darauf folgt die Ankündigung des Jüngsten Gerichtes, welches die aus freiem Willen ausgeübten Taten der Menschen beurteilen wird. Wer mehr über Jenseitserwartungen des Islam erfahren will, sollte sich dieses Buch kaufen oder zuerst den Koran lesen.