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Das Tor zur Sonne: Roman
 
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Das Tor zur Sonne: Roman [Taschenbuch]

Elias Khoury , Leila Chammaa
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 752 Seiten
  • Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. Mai 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423135646
  • ISBN-13: 978-3423135641
  • Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 12 x 3,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 355.970 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Ily?s H??r?
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Lesezeichen Auf der Suche nach der verlorenen Geschichte - Elias Khourys grosser Palästina-Roman In moderaten israelischen Kreisen spricht man, mit verlorenem Blick auf das anhaltende Chaos des Nahostkonflikts und die Verhärtung der Fronten, von «Hamatzav», der «Situation». Der Begriff signalisiert Resignation, Ergebenheit und mangelnde Handlungsmöglichkeiten. Bei den Palästinensern heisst eine umfassend fatalistische Chiffre «an-Nakba», die Katastrophe. Konzentriert auf den historischen Kern, ist das die Vertreibung von etwa achthunderttausend Palästinensern aus ihrer Heimat Galiläa im Gründungsjahr des Staates Israel 1948. Diese Seite des historischen Geschehens ist dramatisch unterbelichtet, wissenschaftlich-historisch schwach reflektiert und politisch, wie alle Welt sieht, ungeklärt. Für die Literatur ist «die Katastrophe» eine Herausforderung in eigener Sache. Man kämpft hier schon länger gegen eine falsch verstandene Pflicht zum politischen Engagement, allerdings nicht gegen die Verantwortung vor der Geschichte. In enger Verbindung dessen, was als das «palästinensische Drama» im öffentlichen Bewusstsein spukt, mit dem, was der Dichter Mahmoud Darwish als «Hinwendung zum Menschlichen in diesem Volk» einfordert, hat Elias Khoury jetzt den grossen Roman der Katastrophe geschrieben. Der Chor der anderen Geschichte Das palästinensische Drama in Elias Khourys literarischer Ausformung basiert zunächst auf der mündlichen Geschichtsüberlieferung. Khoury hat in den siebziger Jahren in den Lagern in Libanon gelebt und geforscht und kennt die widersprüchlichen Erinnerungen aus erster Hand – sie schwanken zwischen geschichtsblinder Heldenmythologie und gegenwartsvergessener Selbstkasteiung. In vielen der überlieferten Erzählungen wird ein unwidersprochener Mythos vom heroischen Widerstand kolportiert, in Erfahrungsberichten von Zeugen dagegen sprechen eher abgeklärte Menschen. Heldenhaft ist ihr Verhalten in diesen Versionen der Vertreibung aus den Dörfern, der Flucht in die Olivenhaine und schliesslich nach Libanon oftmals nicht. Die misslungene Rückkehr, planlose Gefechte und der verlorene zweite Palästina-Krieg im Jahr 1948 trüben das mythisch verklärte Bild vom Widerstand. Diese in den Roman übertragenen Artefakte mündlicher Geschichtsüberlieferung bilden eine Art dokumentarisches Gerüst, die Rekonstruktion der Ereignisse aus dem Chor der Zeugen. In die Literatur übersetzt, erzeugen sie ein einzigartiges historisches Panoptikum von der Zeit des britischen Mandats (bis 1947) bis in die Gegenwart der Flüchtlingslager in den neunziger Jahren. Ästhetisch wirken sie als kontrapunktische Versionen von Ereignissen und Handlungen, über deren Zusammenhang sich auch die Hauptfiguren dieses Romans zu verständigen haben. Das ist zum einen der Erzähler Khalil. Khalil hat sich zeitlebens der palästinensischen Sache gewidmet, geopfert, bis sich seine Einstellung in den Wirren des libanesischen Bürgerkriegs zu ändern beginnt. Auch die Ergebnisse des Oslo-Abkommens von 1993, vor allem das vorschnell verspielte Rückkehrrecht, haben ihn enttäuscht. Der kollektiv verübte Fememord an seiner Geliebten Schams stachelt den Zweifel an «der Sache» endgültig an. Schams hatte einen Kämpfer erschossen, der sein Eheversprechen gebrochen hatte – ein Ehrenmord einmal von weiblicher Seite, gerächt durch die Genossen des Opfers. Auch Khalil, der nichts damit zu tun hat, muss die Gegenrache von Schams' Brüdern fürchten und verbirgt sich im heruntergekommenen Galiläa-Krankenhaus in Chatila, wo er als Pfleger arbeitet. Khalil steckt in einer veritablen Identitätskrise: Seine Geliebte wurde ermordet, er aber rächt sie nicht und zweifelt an der Echtheit seiner Liebe; er gibt sich gern als Doktor aus, ist aber nur Pfleger; er sieht sich als palästinensischer Kämpfer, aber Arafat und die Seinen haben den Kampf in Oslo beendet. Wohin geht die Reise jetzt? Khalils Ausweg wird eine Lehre aus dem Fernen Osten, wo er einst das Kriegshandwerk erlernen sollte, wegen eines Rückenleidens aber im medizinischen Sektor landete: «Trotz allem und trotz des Geschichtswahns, der in meinem Kopf tobte, lernte ich in China, was das Wertvollste in meinem Leben ist. Ich kam zu der Erkenntnis, dass der Körper des Einzelnen die gesamte Menschheitsgeschichte verkörpert.» Der hier verheissene geschichtsmächtige Körper ist der von Yunus, seinem Ziehvater und politischen Idol. Yunus, Kämpfer der ersten Stunde und sagenumwobener Volksheld, liegt allerdings nach einem Schlaganfall im Koma. Unermüdlich diesen komatösen Körper pflegend, beginnt Khalil nun eine «talking cure» der besonderen Art: Der Pfleger erzählt dem schweigenden Patienten dessen eigene Kampf- und Lebensgeschichte. Entsprechend der chinesischen Lehre glaubt er, dass damit das «System der Seele» zur Reanimation des Körpers gezwungen werden kann. Khalils Monolog entwickelt sich allerdings zu einer Wiedererzählung, in der sich nicht nur das Ideale seines Idols spiegelt. Der harte Kämpfer ist ein Mensch mit weichen Stellen. Liebe, Land und Katastrophen Yunus hatte sein Hauptquartier in Südlibanon, von dort aus unternahm er seine militärischen Operationen. Diese jahrzehntelange, grenzüberschreitende Untergrundtätigkeit ist der Kern des Mythos vom Fedayin. Nahila, seine Frau, lebte im besetzten Galiläa. Sie war nach der Vertreibung mit ihrem Vater zurückgekehrt und hatte sich mittlerweile mit den Verhältnissen arrangiert. Mit ihr traf Yunus sich über Jahrzehnte hinweg in einem Höhlenversteck, dem «Tor zur Sonne». Nahila war für Yunus das entfernte Zentrum seiner Existenz, das wird dem Halbwaisen Khalil, der in seinem Ziehvater die politische Legende verehrt, bald schmerzhaft bewusst. Er erinnert sich im Prozess dieser Kur auch an Worte seines Idols, die ihm früher nichts sagten: «Mit ihr und um ihretwillen habe ich gelebt. Palästina ist nicht das eigentliche Thema. Doch, natürlich! Irgendwie schon, aber auch nicht. [. . .] Entscheidend ist nicht, wer gerade Herr darüber ist, denn Herrschaft über ein Stück Land ist reinste Illusion.» Solche defaitistischen Argumente häufen sich in Khalils Revision der Yunus-Saga, der Mythos vom Märtyrer für das heilige Land schwindet dahin. Ausserdem mischen sich unaufhörlich die Volksüberlieferungen, die Geschichten der Grossmutter und die wiederum anderen Versionen von Verwandten und Bekannten in sein Erinnerungsprojekt. Sein Monolog vor dem schweigenden Yunus wird stets umwoben und eingefangen von einem Sagengespinst, das einer glatten Legende widerspricht – von den Historien über die Dörfer, über die Verstecke unter den Olivenbäumen, wo ein ganzes Volk wochenlang ausharrt und hungert, von den heillosen Versuchen der Rückkehr oder dem absurden Diebstahl der eigenen Ernte auf den beschlagnahmten Feldern. Diese Geschichten lasten schwer: «Und nun merke ich, dass ich mich von ihnen freischaufeln muss, um mir Sicht zu verschaffen. Ich sehe nur noch Flecken. Grossmutters Geschichten umschwirren mich wie bunte Flecken.» Den Wirbeltanz dieser Flecken inszeniert der Roman in einem mythischen, allerdings poetisch kontrollierten Textraum. Dem rationalen Erkenntnisinteresse wird also nicht so ohne weiteres «eine Sicht verschafft». Im zweiten Teil des Romans arbeitet sich Khalil an seiner eigenen Geschichte ab. Hier wird das Sprechen über eine andere Katastrophe geübt – über das Massaker von Chatila im Jahr 1982. Das ist das Erschreckende, und Faszinierende, am «Tor zur Sonne»: Wir bekommen das Subjekt, aber auch den Mythos und immer wieder – die Katastrophe. Martin Zähringer -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Pressestimmen

»Dieses Buch ist das Produkt kritischer Empathie, eines patriotischen Kosmopolitismus.«
Die Zeit

»Wer sich auf Khourys Roman einläßt, erfährt keine Aufklärung in dem Sinn, den israelisch-palästinensischen Konflikt politisch hieb- und stichfest analysieren zu können. ›Das Tor zur Sonne‹ konstruiert keinen heldenhaften Befreiungskampf, es zeigt keine gesichtslosen Massen von Terroristen. Es richtet die Aufmerksamkeit auf Einzelmenschen. Sie haben Namen, Gesichter, sie tragen Verletzungen, sie wollen wahrgenommen und gehört werden.«
Freitag

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Brainstorming 23. April 2006
Von C. Novak
Format:Gebundene Ausgabe
Wer hinter diesem Buch eine chronologische Geschichtsschreibung des jüdisch/isralisch-palästinensischen Konflikts erwartet ist auf den Holzweg. Der kann mit diesem Buch wohl eher wenig anfangen. Es wird eher versucht eine art Soziogramm zu erstellen, von "dem Palästina", "den Palästinensern" und von "dem Konflikt" mit Israel, mit den Christen im Libanon während des Bürgerkriegs.

Das ganze Buch ist ein Monolog des Arztes Kahlil indem er dem im Koma liegenden Freiheitskämpfer der ersten Stunde Yunus, aus seinem Leben erzählt.

Er erzählt Mythen über die Befreiung von Dörfern von den Israelis, über die arabische Befreiungsarmee, über das Leben in den Flüchtlingslagern. Aber in erster Linie erzählt er Geschichten von Individuen, von Müttern die ihre Kinder verlieren, von Lügnern die mit Geschichten über Massaker ihre Produkte vertreiben, von der Gegenwart im Flüchtlingslager und als wesentliche Zutat (Teil wäre das falsche Wort) dieses Buches, die Geschichte von Yunus Ehefrau Nahila...

Es mag stimmen, dass die übersetzung nicht überall die richtigen Worte findet; und es IST zweifelsohne so, dass das Buch keine echte Struktur findet; was meiner Meinung nach aber durchaus gewollt ist; der Wahnsinn und der Schwachsinn dieser Kämpfe, die überall staattfinden, und wo es über einen Zeitpunkt dutzende Geschichten mit dutzenden "Wahrheiten" gibt. Etwas was diesem Buch sehr hoch anzurechnen ist, ist der Faktum, dass hier eigentlich kaum auf die "großen politischen Zusammenhänge" eingegangen wird...

Khoury beschränkt sich voll und ganz auf die "Wahrheit" von Freiheitskämpfern, von Mudschaheddin, von Truppenkommandanten die sich nicht an die Befehle halten bzw. denen die sich gerade an Befehle halten...

Die Frage der Wahrheit ist eine die sehr oft gestellt wird in diesem Roman; es zeigt sich so plastisch, so evident wie in keinem anderen Buch, dass es die einfache, die absolute Wahrheit nicht gibt. Nicht im Kampf und auch nicht in der Liebe.

Alles in allem ein sehr empfehlenswertes Buch. Nicht um Geschichte zu transportieren, sondern um den Krieg und Kampf der Palästinenser mit all den Lügen und Wahrheiten, Helden und Versagern, Zauberei und harter Realität in einer Form darzustellen, wie ich sie in noch keinem anderen Buch gelesen habe. Nicht um mehr Wissen zu erhalten, sondern einfach "nur" um mehr zu Verstehen.
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