'Die wahren Hintergründe der Schiffskatastrophe' untertitelt Wisnewski sein neuestes Buch.
Im Vorwort betont er, er versuche, 'eine Theorie mit Fakten' aufzustellen, keine Verschwörungstheorie, 'denn eine Verschwörungstheorie ist eine Theorie ohne Fakten' (S.11).
Sollte dies wirklich Wisnewskis Versuch gewesen sein, dann muss man feststellen, dass er an seinem eigenen Anspruch scheitert. Die Faktenlage in seinem Buch ist erbärmlich dünn und an den entscheidenden Stellen bleibt der Autor stumm und verweist auf seine Quellen, vornehmlich auf die Werke von Robin Gardiner. Das die Behauptungen Gardiners schon seit vielen Jahren widerlegt sind, ficht ihn nicht an und so bleibt es in Wisnewskis Buch in den wesentlichen Aussagen bei bloßen Behauptungen. Sein 'Trick' dabei ist, Hypothesen zu stapeln, ohne sie durch Fakten zu unterfüttern. Dies ist ein schleichender Prozess, durch ständige Rückbezüge auf vorangegangene Behauptungen ('wie wir ja gesehen haben'), wird verschleiert, dass sein ganzes Thesengebäude in der Luft hängt.
Ein Beispiel:
Es gab einen Schwelbrand in einem Kohlenbunker. Dieser wurde laut Aussagen der Heizer bis zum Samstag, den 13. April gelöscht. (Bei Wisnewski ist der Samstag der 14. April, ein Fehler, der im Buch mehrmals erscheint; seine Recherchetiefe reicht nicht einmal bis zum nächsten Kalender). Kohlenbrände waren auf Schiffen nichts Neues und sie waren eher ein Ärgernis als eine Gefahr. Wisnewski bauscht diese Geschichte gleich auf, zitiert einen Bericht über die Gefahr von Schiffsbränden im allgemeinen (als ob offenes Feuer im Rumpf loderte). Dann interpretiert er Zeugenaussagen nach eigenem Gusto, so lässt er es schließlich (ohne jede ernsthafte Evidenz), in 'fast allen' Kohlenbunkern brennen. Er überinterpretiert bestimmte Reaktionen von brennender Kohle mit Wasser (Bildung von Wasserstoff) und lässt schließlich die Bunker in einer Knallgasreaktion explodieren.
Man muss nicht betonen, dass das alles historischer und physikalischer Unfug ist. Aber Wisnewski 'braucht' die Explosionen der Bunker, um das Schiff untergehen zu lassen, da er den Eisberg wegerklären muss.
Hier verweist er auf ominöse 'Plattformen', die auf den Wrackbildern seitlich aus dem Rumpf hervorstehen und meint, diese hätten bei der Eisbergkollision abgerissen werden müssen. Herr Wisnewski sollte einmal Fotos vom Schiff oder die Baupläne betrachten. Diese 'Plattformen' sind durch den Aufprall am Meeresgrund herausgeklappte Schanzkleider vom Welldeck, die während der Fahrt in aufrechter Stellung das Decksgeländer bildeten.
Bei der Frage, wie der Austausch der Titanic mit der Olympic zustande kam, wird er sehr still, er meint nur, dass die Baunummer an der Schiffsschraube am Wrack, die auf die Titanic verweist, nicht zwingend sei, da man Teile zwischen den Schiffen austauschen konnte.
Man braucht keine Wrackbilder, um definitiv sagen zu können, dass es den propagierten Schiffsaustausch nie gegeben hat, sämtliche historischen Aufnahmen lassen an der Identität der Schiffe keinen Zweifel, die ein deutlich unterschiedliches Aussehen hatten. Es ist bezeichnend, dass es im Buch (welches vergleichsweise miserabel illustriert ist) keine Gesamtansicht der Olympic gibt. Weiterhin muss man betonen, dass es keine einzige Evidenz gibt, die FÜR einen Austausch spricht.
Wisnewskis Quellen sind hauptsächlich sekundärer Art und er geht ausgesprochen selektiv mit ihnen um. Wenn es ihm gefällt, übernimmt er sie ungeprüft (und deren Fehler gleich mit, wie z.B. auf Seite 383). Zeugenaussagen werden interpretiert, wie es ihm gerade passt und es ist interessant, mal in den Berichten der Untersuchungskommissionen ein paar Zeilen weiterzulesen. Auch ist er bemüht, hinter jedem Ereignis dunkle Motive zu vermuten und diese dem Leser einzuflüstern, wobei er manchmal auf seine eigenen Fehler und Missinterpretationen hereinfällt. Und das ist das Hauptärgernis an diesem Buch: Im Gegensatz zu seriöser Literatur gibt es bei Wisnewski nicht einen Versuch, die Geschehnisse untendenziös zu untersuchen, Gegenmeinungen zu erläutern oder ganz allgemein die eigenen Ansichten auf den Prüfstand zu stellen. Es erfüllt in seiner Unsachlichkeit nicht einmal im Ansatz die Anforderungen an ein Sachbuch.
Eher kann man sein Werk eine schlechte Polemik nennen.