Produktinformation
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Technisch unterscheiden die Tibeter sechs Zwischenzustände, wovon drei im Zusammenhang mit dem Leben stehen (die Zwischenzustände des "Lebens" (zwischen Geburt und Tod), des "Traums" (zwischen Einschlafen und Aufwachen) und der "Trance" (zwischen Wachen und Trance)) und drei im Zusammenhang mit dem Tod und der folgenden Wiedergeburt (die Zwischenzustände des "Todesmoments", der "Realität" und des "Werdens"). Nach buddhistischem Verständnis tritt das Bewusstsein eines Verstorbenen nach dem Austritt aus dem Körper in einen Zwischenzustand zwischen dem vergangenen Leben und der Wiedergeburt in einem neuen Körper ein. In diesem Zwischenzustand manifestieren sich die im Bewusstsein latenten karmischen Tendenzen (die im vorherigen und allen anderen früheren Leben entwickelten "Charakterzüge") in überwältigenden friedvollen und schrecklichen Visionen, die wie die Traumwelt vom Träumenden als "Realität" erfahren werden. Der Text, der dem Verstorbenen während der ersten Tage nach seinem Ableben vorgelesen werden soll (sein Bewusstsein verweilt nach tibetischer Vorstellung dann noch in der Nähe des Körpers), ist zunächst einmal eine Art Führer durch diese teils beängstigenden Erfahrungen. Die Erinnerung des Verstorbenen an die Bardo-Lehren während dieser ersten Phase des Zwischenzustandes soll diesem nun ermöglichen, die Visionen als Projektionen des eigenen Bewusstseins und somit letztlich als "leere" Trugbilder zu erkennen. Gelingt ihm dies, wird er die von allen Buddhisten angestrebte "Befreiung" erlangen und auf ewig im "klaren Licht" seiner essentiellen Natur verweilen. Gelingt ihm die Befreiung während dieser ersten Tage nicht, sollen die folgenden Texte des "Bardo Thödol" wenigstens in Richtung auf eine positive, seiner weiteren Entwicklung förderliche Wiedergeburt lenken.
Anhand dreier Schicksale (ein Aids-Kranker in den USA, ein 96-jähriger Tibeter und ein bereits verstorbener Tibeter) bietet der Film eine fesselnde Einführung in die "Bibel" Tibets. So erfährt z.B. der todkranke Aids-Kranke in Gesprächen mit dem Betreuer einer "Sterbehilfe"-Organisation zum ersten Mal vom "Tibetanischen Totenbuch" und kann im weiteren Verlauf für sich einen sehr positiven Nutzen daraus ziehen. Der 96-jährige Tibeter hingegen hat sein Leben stets im buddhistischem Glauben gelebt und nach dessen Geboten gehandelt. Er sieht sich am Ende seiner Reise angekommen und hofft nun auf Befreiung nach seinem Tod. Zwischen den Szenen aus diesen beiden Schicksalen werden immer wieder sehr stimmungsvolle Abschnitte aus einer 49-tägigen "Bardo"-Zeremonie um einen kürzlich verstorbenen Tibeter gezeigt. Man meint förmlich dieser beizuwohnen, wenn der Lama Texte aus dem "Bardo Thödol" rezitiert während der Rauch von den Kerzen aufsteigt und der kalte Winterwind um die verschneiten Häuser des tibetischen Dorfes weht. Abgerundet wird diese geheimnisvoll-kontemplative Atmosphäre, die den Film wie ein roter Faden durchzieht, mit atemberaubenden Aufnahmen und interessanten Geschichten aus Tibet. Beim Betrachten der Bilder wird klar, warum das abgeschiedene, kleine Land auf dem "Dach der Welt" die Heimat der "Psychonauten" ist, jenen Menschen, die den menschlichen Psycho-Kosmos mit eigens dafür entwickelten Meditationstechniken seit langen Zeiten erforschen und ihre Erfahrungen für die Nachwelt aufzeichnen.
Der Film ist also - auch wenn der Titel eventuell anderes vermuten lässt - keine schrittweise Behandlung und Erläuterung der Texte des "Tibetanischen Totenbuches". Die Texte des "Bardo Thödol" werden, wenn überhaupt, nur auszugsweise in den Szenen der "Bardo"-Zeremonie rezitiert. Ziel des Films ist eine insbesondere für den westlichen Kulturkreis verständliche Einführung in eine der grossen Weltreligionen, und das ist ihm gut gelungen. Der Film macht Appetit auf mehr. Wer mehr über das "Tibetanische Totenbuch" und seine teils recht komplexen Strukturen wie die diversen "Mandalas" erfahren möchte, dem sei die hervorragend übersetzte und kommentierte Version des Buches von Professor Robert F. Thurman (Anm.: der Vater von Schauspielerin Uma Thurman) empfohlen ("Das Tibetische Totenbuch"" von Robert F. Thurman mit einem Vorwort des Dalai Lama, Fischer Tachenbuch Verlag, ISBN 3596151503). Ebenfalls empfehlenswert, insbesondere auch als ergänzendes Nachschlagewerk zur Thurman-Übersetzung, ist die "klassische" Ausgabe des "Totenbuches" von Walter Evans-Wentz ("Das Tibetanische Totenbuch oder Die Nachtod-Erfahrungen auf der Bardo-Stufe", Winkler Verlag, ISBN 353807173X)
Der Film auf der DVD ist identisch mit dem auf der gleichnamigen VHS-Kassette von Komplett-Video. Das Bild (4:3 Format) und der Ton (Stereo) sind guter DVD-Standard.
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