"Auf dem Mount Everest des schlechten Geschmacks" trifft es perfekt...der kanadische Regisseur Mark Robson hat zwar auch gute Filme (Schmutziger Lorbeer, Die Herberge zur 6. Glückseligkeit), aber auch richtig gute schlechte Filme (Glut unter der Asche, Erdbeben) gedreht. In der letzteren Kategorie hat er sogar den ultimativen Gipfelstürmer im Repertoire: "Tal der Puppen" ist sein cineastischer HorrorBeitrag zu Zeiten der 68er Bewegung und man merkt dem hysterischen Melodram seine ausserordentlichen Ambitionen an, ein dramatisches, dreckiges und tabuloses Meisterwerk sein zu wollen:
Im Jahr 1967 ist der gleichnamige Bestseller von Jacqueline Susann in aller Munde. Die Geschichte handelt vom Aufstieg, dem Medikamentenmissbrauch und dem tiefen Fall dreier junger Frauen am Broadway und in Hollywood.
Anne Welles (Barbara Parkins) verlässt ihr Elternhaus und ihren Freund in New England, um in New York City Karriere zu machen. Schnell findet sie einen Job als Sekretärin eines Rechtsanwalts, der vor allem Broadwaystars als Kunden hat. Unter anderem die boshafte, langsam alternde Diva Helen Lawson (Susan Hayward), die während der Proben die junge Neely OZHara (Patty Duke) aus Eifersucht aus dem Programm wirft.
Dabei waren alle - auch Anne - so angetan von den Proben der jungen Sängerin, die die Anwesenden mit der drögen Nummer "Its impossible" traktierte..äh entzückte. Doch die junge Dame, eine Art Britney Spears der 60er Jahre, wird durch diesen Rausschmiss bekannt und bekommt bald den Grammy Award.
Währenddessen singt Susan Hayward eine noch schlimmere Musicalnummer namens "IZll plant my own tree".
Die dritte der Mädels ist die schöne Jennifer North (Sharon Tate), die aber nicht singen kann und nur ihren tollen Körper im brutalen Showbusiness anbieten kann.
Während eines Casino-Auftritts des Italo-Schmalz- und Schmusesängers Tony Polar (Tony Scotti), dessen Schwester Miriam (Lee Grant)es nicht gern sieht, wenn er Mädchen hat, verguckt sich Jennifer unsterblich in den Schlagerbarden und beide heiraten.
Doch es kommt noch dicker: Kosmetik-Karriere, unglückliche Liebschaften, Aufputschmittelabhängigkeit, Fremdgehen, tödliche Krankheiten, Abschiebung ins Heim, Pornobranche...
Dies ist nur ein Bruchteil aller angebotenen Handlungsfäden, die schamlos in Soap-Manier abgehandelt werden.
Wenn nach ca. 12o Minuten der Abspann läuft, dann kann man es gar nicht glauben, was man in dieser Zeit alles geboten bekommen hat.
Schicksalschläge im Minutentakt untermalt von Stepnummern und drögen langweiligen Liedern.
Höhepunkt zweifelsohne die Musicaleinlage in der Psychiatrie. Neely - wieder etwas genesen, singt im Aufenthaltsraum ihren Song, den sie mal mit Tony eingespielt hat...Tony, der inzwischen dement ist, sitzt in der hintersten Ecke im Publikum im Rollstuhl, zwei Pfleger fahren mit ihm in die Mitte des Raumes zu Neely und dann stimmt er dramatisch mit ein. Eine absurdere Szene hab ich wahrscheinlich die letzten 20 Jahre nicht mehr zu sehen bekommen...
Aber auch der Fight auf dem Damenklo ist genial. Der Film will sich wie eine 60er Variante von Douglas Sirk Melodramen präsentieren und tatsächlich gelingen dem Kameramann William H. Daniels immer ganz gute Filmbilder.
Dennoch ist der Film immer ein Spur - wenn nicht gar mehrere Spuren - zu hochdramatisch und wirkt sicherlich nicht erst heute als unfreiwillig komisch.
Bereits 1967 waren ja doch im Kino einige Freiheiten mehr gestattet, Bergmans "Schweigen" sorgte einige Jahre vorher für Skandale.
Patty Duke, die Darstellerin der Helen Keller in "Licht im Dunkel" hatte selbst in den 60ern einige Hitparadenerfolge als Sängerin. Trotzdem wird sie bei ihren Songs von der Studiosängerin Gail Heidemann gedoubelt. Und dies hört sich immer total mittelmässig an, so dass ich mich als zuschauer frage, warum Neely überhaupt zu diesem Big Star werden konnte, wie der Film ihren Werdegang schildert.
Erstaunlich ist, dass der Film ohne Längen auskommt und die 2 Stunden gehen wie im Flug vorbei. Das Box-Office Ergebnis war mit 44 Millionen Dollar phänomenal. Der Film war somit im Jahr 1967 nach Dschungelbuch, Reifeprüfung, Rat mal wer zum Essen kommt, Bonnie and Clyde und Das dreckige Dutzend der sechstgrößte Kassenhit des Jahres in den USA.
Er war 1968 sogar für einen Oscar in der Kategorie Beste Filmmusik (Andre Previn) nominiert.
Auch Sharon Tate erhielt als gebeuteltes Pornofilm-Opfer im selben Jahr eine Golden-Globe-Nominierung als Beste Nachwuchsdarstellerin.
Es gab somit im Jahre 1967 einige Kritiker, die den Inhalt des Films seriös und ernsthaft ansahen. Hauptdarstellerin Barbara Parkins soll aber schon damals beim Drehen den Film als grottenschlecht empfunden haben, aber jahrelang geschwiegen haben.
Eine perfekte Wahl für einen kuriosen Filmabend mit Freunden. Denn sie präsentieren einen der schlechtesten Filme aller Zeiten. Einen Film, der so schlecht ist, dass er schon wieder genial ist.