Ein faszinierenden Einblick in das Leben des Schriftstellers in Form eines (fiktiven) Tagebuchs, dass er in den letzten Monaten seines Lebens verfasst. So bildreich, so lebensecht, dass man fast glauben möchte, Oscar Wilde selbst habe Peter Ackroyd den Stift geführt, um schonungslos darzulegen, was ihm widerfuhr: Angefangen bei seiner Kindheit bis zu seinem Weg in die Hölle, in die ihn seine ungezügelten Leidenschaften führten, doch ohne den mahnend erhobenen Zeigefinger eines Bekehrten und nunmehr eifrigen Verfechters falscher Moral. Ungeschminkt und schonungslos spricht er über seine Schwächen, seine Überheblichkeit, die Überschätzung seiner Selbst - doch die der anderen nicht verschweigend, die seine Pfade kreuzten und an seinem Untergang mitwoben. Über Freundschaft, die größeren Kummer als Verrat bedeutet. Und über die Liebe eines zerrissenen Herzens, die sich - wenn auch eher eine Travestie ihrer selbst - doch einen letzten Hauch von Unschuld bewahrt. Man fühlt sich entsetzt über - nein, versetzt in eine Zeit, die unserer so fern und unbegreiflich scheint, die bei näherem Hinsehen jedoch der unseren "modernen" gar nicht so unähnlich ist. Mögen die Namen sich ändern, die Verbrechen bleiben doch stets die gleichen. Brilliant gelesen von Ulrich Matthes