Unter dem Originaltitel "Le système des objets" erschien das Werk bereits 1968. Inhalt des Buches sind eine Vielzahl von Einzelanalysen, die das Verhältnis von Mensch und Gegenstand untersuchen; generell kreist die Thematik um das Erzeugen, Gebrauchen, Verbrauchen und "Verpersönlichen" von Dingen. Inbegriffen darin sind detaillierte, fast mikroskopische Untersuchungen darüber, wie Dinge in sich und im Wechselspiel mit dem Menschen funktionieren (z.B.: "Stimmungswert Farbe", "Stimmungswert Material"). Häufig thematisiert wird die Veränderung der Bedeutung von Gegenständen im Verlauf der Zeit; ein Schwerpunkt ist der Vergleich zwischen vorindustriell und industriell gefertigten Dingen. Höhepunkte der Dingwelt wie Roboter, Autos und technische Gadgets sind Ausgangspunkt einer Konsum- bzw. Gesellschaftskritik des Autors. Trotz dieser spezifischen Kritik bleibt die Gesamtintention des Buches vage. Zu keiner Zeit geht es Baudrillard um eine globale Theorie der Dinge. Die Vielzahl der Einzelanalysen, die insgesamt stets das Verhältnis von Mensch und Ding thematisieren, bilden in sich eine Gesellschaftstheorie, die besagt, dass ein soziales Gefüge geprägt ist durch die von ihm erzeugten und genutzten Gegenstände. Allgemeiner gesagt: Baudrillard entwirft ein in sich geschlossenes System aus Gegenstand und Mensch, in welchem Entwicklung und Bestehen beider einander bedingen. Dieses System charakterisiert er als einen "posthistorischen Zustand, in dem das Begehren leerläuft ebenso wie die Systeme der Warenproduktion, der Kommunikation, der politischen Institutionen etc. gesättigt sind." Man bedenke, dass diese Einsicht fast 35 Jahre alt ist!
An Stil und Rhetorik des Buches erkennt man den Philosophen; es ist versehen mit einer Vielzahl philosophischer und soziologischer Fachtermini, die das Verständnis für den Laien erschweren. Vorkenntnisse in Soziologie, Psychoanalyse und Semiotik sollten vorhanden sein, um den Argumentationen Baudrillards folgen zu können. Erst ein genaueres Einlesen ermöglicht, die Gedankenfolge und Beweisführung des Autors zu verstehen; als kurzfristiges Kompendium zum themenspezifischen Nachschlagen ist das Buch somit nicht geeignet. Problematisch sind oftmals Ausgangsannahmen, welche als Basis für Beweisketten dienen, jedoch bereits in sich nicht nachvollzogen werden können (z.B.: "Der funktionelle Mensch ist von vornherein ein müder Mensch."). Konkreter und in pointierter Form dargelegt sind spezifische Analysen von Alltagsphänomenen, die meist universell und verständlich sind, jedoch in ihren Ergebnissen oftmals überraschen (z.B.: "Das schönste Haustier"). Insgesamt empfehlenswert und noch immer sehr aktuell.