Peter Fuchs, Professor für Soziologie an der FH Neubrandenburg, versucht in „Das System Terror", die Systemtheorie für die - soziologische - Terrorismusforschung fruchtbar zu machen. Das gelingt ihm nach meinem Dafürhalten auch recht gut. In kurzer und praegnanter Weise benennt und analysiert Fuchs Operation, Funktion, Code und Medium des sozialen Systems Terror. Interessant und besonders wertvoll macht dieses Buch, dass Fuchs sich, ohne überflüssigen Rekurs auf Alltagswissen, dem „bekannten" Phaenomen mittels einer Beobachtung zweiter Ordnung auf neue erkenntnistheoretische Art und Weise naehert. Dabei beschreibt er die Operation des Terrors als gewaltsame Unterbrechung von Kommunikation, die Anschlusskommunikation erzwingt. Bei der gesellschaftlichen Funktion, die Terror erfüllt, handelt es sich laut Fuchs um die „Lösung" gesellschaftsspezifischer Probleme, die mit der Umstellung von stratifikatorischer auf funktionale Differenzierung in (post)modernen Gesellschaften in Zusammenhang stehen. Und zwar kommt hier eine Art Hilflosigkeit moderner Terroristen - meist aus rückstaendigen Enklaven, sozusagen der Perepherie der Weltgesellschaft - zum Ausdruck, die aufgrund fehlender Zentren und daraus folgender, nicht mehr möglicher Adressierbarkeit Unschuldige attackieren, um möglichst große Aufmerksamkeit zu erreichen. So kommt er auch auf den Code Schuld/Unschuld und das Medium der Eskalation. Der moderne Terrorist suche den Schuldigen; bleibe aber strukturell erfolglos und finde mittels Anschlag immer nur unschuldige Opfer. Denn in funktional differenzierten Gesellschaften sind die Schuldigen nicht auffindbar: die Gesellschaft und ihre Funktionsweise an sich sind der Gegner. Das Medium Eskalation mache in diesem Zusammenhang Sinn, als dass moderne Gesellschaften, sozusagen als das Ziel modernen Terrorismus', als Gegener attackiert und deren Funktionieren verhindert werden soll. Dabei bedienen sich Terroristen durchaus Institutionen ihres Gegners, indem sie z.B. die Massenmedien für ihre Zwecke einsetzen, um das Ausmaß und den Schrecken, mithin: den Erfolg ihrer Aktionen zu steigern. Fuchs nennt dies die strukturelle Kopplung zwischen Terror und Massenmedien. So wird auch deutlich, warum fundamentalistischer Terrorismus in keinster Weise als archaisch, sondern eben als Phaenomen moderner Gesellschaften aufzufassen sei. Dass es sich bei Fuchs' Begriffsbildung selbst das ein oder andere Mal um kontingente Artefakte handelt, sei ihm verziehen. Man kann seiner Argumentation folgen oder nicht. Wenn man es tut, lassen sich durchaus neue und interessante Sichtweisen gewinnen.