Als sich Karen Burnett, Tochter der berühmten Journalistin Jane Burnett, mit einem Freund und ehemaligen Kollegen in einer Bar trifft, explodiert dort eine Bombe. Sie überlebt, ihr Kollege nicht. Nach und nach findet Karen heraus, dass dieser Anschlag nicht die einzige seltsame Begebenheit der letzten Wochen war: In San Diego wird ein friedfertiger Hund plötzlich zur reißenden Bestie und in Afghanistan hat eine Söldnergruppe ein schreckliches Massaker verübt. Innerhalb eines Jahres sind fast alle Soldaten tot. Karen glaubt nicht an einen Zufall und beginnt - zusammen mit den Leitern der Enthüllungsplattform LANZELOT - zu recherchieren. Sie kommt einer globalen Verschwörung auf die Spur, die eng mit ihrem eigenen Schicksal verwoben ist. Schon bald befindet sie sich mit in den düsteren Machenschaften des "Syndikats", die ihre Finger überall im Spiel zu haben scheinen.
"Das Syndikat" lockt mit einem unglaublich eng vernetzten und erschreckend realistischen Horrorszenario, welches in Zeiten der Globalisierung gar nicht allzu weiter hergeholt zu sein scheint.
Anfangs fällt auf, dass die Autorin versucht, die Geschichte aus möglichst vielen Blickwinkeln zu betrachten. Der Leser lernt viele verschiedene Charaktere kennen, die mal mehr, mal weniger oft im Verlaufe der weiteren Handlung auftauchen. Diese vielen Charaktere mögen anfangs vielleicht ein wenig verwirrend erscheinen, man gewöhnt sich mit der Zeit allerdings recht schnell an diese Vielfalt.
Teilweise liegt das auch daran, dass Karen Burnett immer wieder in den Mittelpunkt der Geschichte gerückt wird. Um sie herum entspinnt sich die ganz Geschichte und zu ihr führt sie am Ende auch wieder zurück. Sie ist es, die die Informationen zusammenträgt, Entschlüsse fasst und Erkenntnisse zieht. Sie nimmt die Fäden immer wieder in die Hand und handelt aktiv, während andere immernoch zögern. Ihr Charakter hat mir sehr gut gefallen, auch wenn sie häufig kühl und distanziert erschien. Für dieses Verhalten liefert die Autorin ausreichend Hintergrundinformationen, weshalb Karen nicht im geringsten flach und oberflächlich erscheint.
Auch die übrigen Charaktere sind ziemlich interessant. Alle verkörpern sie einen gewissen Stereotyp, der für eine bestimmte Bevölkerungsgruppe zu stehen scheint. Da gibt es den geizigen alten Kauz, den erfolgreichen aber skrupellosen Geschäftsmann, den eingeschüchterten und unscheinbaren Wissenschaftler und den durch den Krieg aggressiv gewordenen, einst liebenden, Familienvater. So interessant diese Charaktere auch sind, teilweise erschienen sie mir ein wenig überzeichnet. Einige Klischees wurden ziemlich ausgereizt und die Charakterzüge im Allgemeinen überspitzt dargestellt. Nichtsdestotrotz konnte ich den meisten Charakteren etwas abgewinnen und empfand sie dennoch als recht gut gewählt um ein derartiges Szenario möglichst dramatisch zu schildern.
Leider muss ich sagen, dass mir der Schreibstil der Autorin gar nicht zugesagt hat. Von einem Thriller erwarte ich Hochspannung und die habe ich meiner Meinung nach in "Das Syndikat" nicht bekommen. Vielleicht bin ich da auch schon zu abgebrüht, aber dieses Buch konnte mich kaum fesseln. Erst die letzten 200 Seiten waren für mich spannend genug geschrieben, um den Roman wirklich mit Begeisterung zu lesen. Die vorangegangenen Seiten wurde viel um den heißen Brei herum geredet ohne, dass ich dadurch gespannt gewesen wäre, was sich denn nun hinter dem ganzen Drumherum verbirgt. Das lag nun nicht an der Handlung an sich, denn diese ist wirklich actionreich. Viel eher lag es eben an besagtem Schreibstil, den ich als zu distanziert empfand und an der Art der Autorin, diese actiongeladenen Ereignisse dem Leser zu präsentieren. Mich persönlich hat der Thriller einfach nicht genug gefesselt.
Schade, denn das Thema hat meiner Meinung nach unglaublich viel Potential. Eine weltweite Verschwörung, die wahrlich große Ziele verfolgt und die Menschheit, so wie wir sie kennen, an den Abgrund treiben will und eine Journalistin, die sich nicht mit Standardantworten abspeisen lässt, sondern differenziert recherchiert und aktiv handelt, ohne zögerlich zu sein. Inhaltlich kann man von einem guten Thriller kaum mehr erwarten. Der Inhalt von "Das Syndikat" hat mich auch restlos begeistern können. Die Idee ist unglaublich gut ausgearbeitet und strotzt nur so von unerwarteten Wendungen. Das Faszinierendste jedoch ist, dass es der Autorin gelingt, Ereignisse, die augenscheinlich absolut nichts miteinander zu tun haben, in das Netz der Verschwörung zu verweben. Alles hat irgendwie miteinander zu tun und ist mit einander verknüpft. Selbst Charaktere, von denen man es nie erwartet hätte, sind auf einmal im Netz der Verschwörung gefangen. Die Darstellung der Möglichkeiten, die das Syndikat hat, um auf unsere Welt zuzugreifen und wie und wozu es diese nutzt, ist der Autorin wirklich gut gelungen.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass mir "Das Syndikat" recht gut gefallen hat. Das lag vorallen an der brillianten Idee der Autorin und an der Vernetzung der Ereignisse und Charaktere, deren Entfaltung wirklich faszinierend ist! Der Schriebstil war mir persönlich zu distanziert, die Ereignisse wurden zu langweilig geschildert und die Geschichte meiner Meinung nach unnötig in die Länge gezogen. Daher kommt, wie ich finde, kaum Spannung auf, was für einen Thriller mit solch einer brillianten Idee wirklich schade ist. Dennoch kann ich "Das Syndikat" jedem empfehlen, der bei Thrillern auch mal auf die große Spannung verzichten kann, wenn diese inhaltlich stimmig und erschreckend nahe an der Realität sind.