Nach einem Inhaltsverzeichnis und dem Vorwort der Übersetzerin folgen Anmerkungen zur Übersetzung des Sutras. Ursula Jarand unterteilte den Text in sechsundvierzig übersichtliche Abschnitte von je etwa ein bis zwei Seiten und einen Epilog, die sie mit einer Überschrift versah und die jeweils von Morinaga Roshi kommentiert werden. Das Buch schließt mit Anmerkungen.
Hui-neng gilt als der Begründer der sogenannten südlichen Schule des Zen, oder chinesisch Chan, die auch die Schule der plötzlichen Erleuchtung genannt wird. Er verlieh dem bis dahin stark indisch geprägten Meditationsbuddhismus eine typisch chinesische Prägung und legte damit den Grundstein für eine eigenständige Entwicklung des Zen. Damit gilt er als der eigentliche Urvater des Zen.
Ursula Jarand übersetzte die vorliegende Ausgabe von "Hui-neng - Das Sutra des Sechsten Patriarchen" aus dem Chinesischen und Japanischen. Für sie war es dabei wichtig, dem Leser die Essenz der Lehre Hui-nengs nahezubringen. Sie stützte sich bei ihrer Übersetzung überwiegend auf die Koshoji-Fassung, zog aber auch weitere Ausgaben zu Rate. Das Sutra wird kommentiert und erläutert von dem japanischen Zen-Meister Soko Morinaga Roshi, dem es gelingt eine Brücke in die Zen-Praxis von Hier und Heute zu schlagen. Die über zweihundertzwanzig Seiten starke Taschenbuchausgabe erschien 2008 im Schirner Verlag, als Vorlage diente die 1989 im Otto Wilhelm Barth Verlag erschienene Auflage.
Nach Hui-neng geht es nicht darum, große Reden zu halten, um seine Weisheit zu demonstrieren, sondern die Wahrheit in die Tat umzusetzen und im täglichen Leben zu praktizieren. Das eigene Selbst erkennen, ist seine zentrale Botschaft, und das Eintauchen in das Hier und Jetzt, bedeutet wahres Glück. Dabei ist es auch wichtig, Handlungen nicht zu bewerten und damit in wertvoll oder wertlos einzuteilen. Wie kann zwischen wahr und falsch unterschieden werden, da doch alles ständig entsteht und vergeht? Es gilt jeden Augenblick frisch und offen zu erleben und sich von altem Glauben und Verstrickungen zu lösen, und so jeden Moment ohne vorgefasste Meinung wahrzunehmen.
Das Buch bietet alte Weisheit in gut lesbarer moderner Form. Ursula Jaranda ist eine Übersetzung gelungen, welche die traditionelle Lehre gut zugänglich und verständlich macht. Soko Morinaga Roshi beseitigt letzte Unklarheiten bezüglich des Textverständnisses und transportiert den Inhalt des Sutras in unsere heutige Zeit und ihr Erleben. Das Sutra enthält eine Fülle von Weisheiten und Wahrheiten auch für den modernen Menschen und ist eine lohnende Lektüre, nicht nur für Zen-Praktizierende und Buddhisten, dazu noch zu einem unschlagbar günstigen Preis.