"Das Stillbuch" ist für den Laien wahrscheinlich das umfangreichste und detaillierteste Buch zum Thema. Man sollte sich nicht irritieren lassen: Stillen MUSS nicht so kompliziert sein (die meisten Frauen in der Welt schaffen es ohne Ratgeber), aber wer weiß schon vorher, wie es bei einem selbst klappt? Mir hat die Lektüre des Buches sehr geholfen, weil ich in der Entbindungsklinik nicht die Unterstützung und Hilfe bekommen habe, die ich erwartet hatte. So war es gut, dass ich den Ratgeber vorher gelesen hatte und so hat das angestrebte sechsmonatige volle Stillen des Kindes gut geklappt. Wer eine gute Klinik hat, eine gute Nachsorgehebamme und sonst kompetente Hilfe, der braucht das Buch wahrscheinlich nicht- aber auch hier gilt, dass man leider oft erst hinter weiß, ob man an die Richtige geraten ist. Deswegen ist das Buch sicherlich eine sehr wertvolle Hilfe für jede Frau, die gerne stillen möchte. Besonders gilt das für Frauen, die gerne etwas länger stillen wollen, weil es dann doch immer Phasen gibt, bei denen es mal nicht so gut klappt- über diese Klippen hilft einem das Buch hinweg.
Mich hat jedoch nicht nur der leicht esoterische Stil und das ständige Duzen des Lesers gestört, vielmehr störte es mich, das es so dargestellt wird, wie wenn tatsächlich fast jede Frau ihr Kind voll stillen kann und das es nur an einem selbst bzw. dem Umfeld liegt, wenn es nicht klappt. Jeder wird in seinem Bekanntenkreis Freundinnen haben, die gerne stillen wollten und bei denen es trotz aller Bemühungen nicht oder nicht wie erwartet geklappt hat. Das Buch erweckt den Eindruck, wie wenn alle diese Frauen sich nur nicht ernsthaft genug bemüht hätten und selbst schuld seien- und das entspricht m. E. nicht den Tatsachen. Es mag für ein Buch über das Stillen ja richtig sein, natürlich die Vorzüge des Stillens herauszustellen, aber ich als eher rationaler Typ konnte mich daher mit manchen euphorischen Schilderungen nicht so anfreunden- Stillen ist nicht immer nur toll, sondern auch mal unbequem, schmerzhaft, kräftezehrend. Aber diese Erfahrung macht man als Mutter ja häufiger, sei es das Thema Impfen, Ernährung, Berufstätigkeit: Wer von etwas überzeugt ist, verteidigt es entsprechend vehement. Daher meine Vorgehensweise: Einige Passagen habe ich nicht ganz so ernst genommen und die Ratschläge habe ich angenommen, weil sie wirklich gut sind.