Bevor jetzt jemand glaubt, dass ich der große Bäcker bin, gleich eine Klarstellung:
Ich habe das Buch von einer anderen Seite kennen gelernt. Und zwar von der Seite des Testessers :) und des neugierigen Lesers.
Keine Arbeit viel Vergnügen. Hab das Buch trotzdem, weil ich mir die Sache mal näher ansehen wollte.
Der Testesserkommentar: Ich muss nicht abnehmen, ich muss nicht an mein Gewicht denken, ich bin einfach neugierig. Habe viele gegensätzliche Meinungen gelesen zum Thema "Stevia schmeckt man heraus, man schmeckt es nicht, man schmeckt es doch, aber gar nicht!" usw... Meine Erfahrung: Am Anfang war ich sicher, da schmeckt deutlich was anders. Dann, nach dem dritten Stück, ne, das hab ich mir vielleicht eingebildet? Und heute, nach vielen, vielen Kuchenstücken merk ich den Unterschied nicht (mehr?). Einmal war offensichtlich zu viel Stevia drinnen, da hab ich's von der Süße her ungefähr so unangenehm empfunden wie Coke Zero. Meine persönliche Vorliebe ist eher weniger süß.
Ich hab auch erlebt, dass ein, zwei Kuchen mal sitzen geblieben sind ohne, dass der Geschmack darunter gelitten hätte. Das Sitzenbleiben war aber eher Ausnahme. Nachdem ich selbst nicht gebacken hab, kann ich nicht sagen woran's gelegen ist. Auf meine Frage, was den Unterschied ausgemacht hat, hab ich nur so ein nebulöses "Ich hab mir diesmal richtig Mühe gegeben, Zeit genommen und die Anleitung genau befolgt" bekommen. ... Was? Beim ersten mal hast du also einfach "irgendwie" gemacht? Die darauf folgende unnötige "Ich-mach-immer-alles-mit-Liebe-Diskussion!!!" kann man sich vielleicht vorstellen.
Insgesamt war es geschmacklich eine tolle Erfahrung. Nicht jeder Kuchen, jedes Dessert hat mich vom Geschmack überzeugt, findet aber sicher seine Fans. Aber die fruchtigen Sachen, wie den Bananen-Hirse-Kuchen, den könnt ich gern öfter haben!
Eine Aufzählung der Sachen, die ich (auf-)gegessen habe: Bananen-Hirse-Kuchen (hurraa!), Zitronenkuchen (ok, aber ich mag kein Zitronat), Schokoladenkuchen (sehr angenehm), Apfeltorte (hab ich schon gesagt, dass ich auf Fruchtsachen stehe?), Karrottentorte (war super zum Tee), Mohn-Hirse-Torte (Ich steh total auf Mohn, das verfälscht die Wertung), Haferbusserl (mir ein wenig zu trocken aber ok), Schokoladenkugeln (ok), Apfel-Zitronen-Mousse (frisch, fein, aber Zitrone ist einfach nicht so meins), Kokos-Panna cotta (Kokos, was soll ich sagen. Der Geschmack dominiert.)... Wuhuu, ist mir gar nicht so viel vorgekommen. :) Vom Schokoladenmousse hab ich nur gehört, dass es toll sein soll. Kann ich leider noch nix dazu sagen.
Der Leserkommentar:
Was ich toll finde: Das Buch gefällt mir vom Layout. Die Bilder sind erstaunlich oft nah am fertigen Produkt dran, was ich von Jamie Oliver zum Beispiel nicht sagen kann. Aber auch hier gilt: Ausnahmen bestätigen die Regel. Es gibt "Tipps, damit es gelingt". Die Produktübersicht ist erfreulich übersichtlich und es gibt oft interessante/wichtige Kommentare.
Gewöhnungsbedürftig fand ich: Es ist ein Buch das auch gelesen werden will. Die "Tipps, damit es gelingt" und die Produktübersicht, eigentlich auch die Einleitung empfehle ich jedem zu in Ruhe zu lesen. Es enthält so viele Detailinfos, dass es daran schon mal scheitern kann, dass das Rezept so gelingt wie geplant, wenn man nicht alle Infos hat. Manchmal fehlt mir eine schnelle Angabe für eine Alternativzutat. MUSS ich wirklich Reismilch nehmen? Oh, sorry, hab's grad gelesen. Es geht auch Sojamilch. (-> Steht in der Produktübersicht) Wenn ich das jetzt weiter denke: Statt Sojamilch geht dann auch fett-reduzierte Milch und wer nicht Fett reduzieren muss, sollte auch normale Milch nehmen können. Oder? (Oh, steht so in den Tipps. Hab wohl nicht ganz so aufgepasst) Einfach so aufschlagen, irgendein Rezept wählen und loslegen ist meiner Meinung nach nicht immer möglich. Aber die Produktübersicht+Tipps sind nur 3 Seiten, das sollte man schnell intus haben.
Was ich nicht so toll finde: Laut Einleitung hat die Autorin 5 Jahre getüftelt und experimentiert. Und? Wo sind jetzt die ganzen Erfahrungswerte? Warum steht nicht mal im Ansatz drinnen: "Als ich den Kuchen das erste mal probiert habe, war er so trocken, dass er richtig bröselig war. Dann hab ich ... dazu gegeben, dann hat's gepasst!" Dann könnte man sich einen Reim machen, wo die Eckpfeiler des Rezepts sind. Oder: "Ich hab dasunddas immer gleich gemischt und es ist sitzen geblieben. Dann hab ich gewartet bis diesundjenes Zimmertemperatur beim Mischen hat und voilá." Aber nichts. Kein einziger Hinweis bei konkreten Rezepten, was man im Zweifelsfall probieren könnte, wenn es mal nicht gelingt. Für mich scheint Backen mit Stevia und auch mit Vollwert- oder Alternativzutaten noch keine Alltagssache. Ich würd mich gern informieren. Wo ist die Herausforderung? Was kann schief gehen? Gibt es Öfen, die sich nicht so gut eignen? Welches Stevia für mich? Gibt es ein Forum, wo ich das alles fragen kann? Nicht jeder hat ein goldenes Backhändchen und die Backanfänger sollen doch auch Spass haben. Wo kriegen die die wichtigen Einsteigerinfos her? Deshalb ein Stern Abzug auch wenn ich beim Futtern wirklich Spaß hatte.
Kann ich das Buch jetzt empfehlen? Ja, für alle die, die gerne (Zeit) in ein gutes schmackhaftes Ergebnis investieren. Hat man alles beisammen, ist die Zubereitungszeit genau wie bei anderen Kuchen/Desserts/Keksen (Ich hab extra gefragt). Und ja für die, die eine Veränderung in ihrer Ernährung in Angriff nehmen möchten ohne ein Geschmacksdefizit in Kauf nehmen zu müssen, wenn es um Süßes geht. Das Buch ist finde ich eher nicht für diejenigen geeignet, die mal schnell-schnell was "neues"/"hippes" ausprobieren oder sowieso nur Zucker, Süßstoff und Weißmehl zuhause haben möchten.