Der völlig unverständliche Mord an der jungen Mutter samt ihrer sechsjährigen Tochter wirft das Gefühlsgefüge der Kommissarin - und nicht nur deren - aus der Bahn. Vermutungen, die sie und man anstellt, verpuffen schnell als nicht zu bestätigen. In sehr eindringlicher, geradezu persönlich betroffen machender Form ergreifen einen die Ermittlungen der Kommissarin Ann Lindell.
Aber auch ihr eigenes Leben, ihre kalt-heißen Gefühlsschwankungen und individuellen, privaten Sorgen hinsichtlich der nötigen bevorstehenden Entscheidungen lassen den eigenen Puls anschwellen. Fast scheint es, als sollte man sich auch einmischen und einer Freundin eigene Überlegungen mitteilen, sie in ihrer emotionalen Zerrissenheit stärken. Geradezu spielend erwecken erzählte kleine Details die Empathie beim Lesen. Geschichte und Menschen sind einem nah.
Es ist die auffällige Unaufdringlichkeit der denkbar wahren Begebenheiten und die sauber beschriebenen, klar erkennbaren Charaktere, die alles sehr realistisch machen. Der Wunsch, es möge sich nicht nur der schlimme Doppelmord, die hinzugekommenen weiteren Morde, sondern auch die privaten Sehnsüchte und Probleme der mitten im Leben stehenden Ermittlerin lösen, wächst von Kapitel zu Kapitel.
Der Autor hat ein ausgezeichnetes Buch, in allen Phasen der Recherche sowohl als auch in den Beziehungen spannend und anspruchsvoll anrührend verfasst. Warum das den Schweden stets so gut gelingt, weiß kein Mensch - ist für die Leserschaft auch egal.