Die in dieser Publikation vorgenommene Mythen-/Märchenanalyse erweist sich als ungenau und fehlerhaft. Die Autorin sucht sich gezielt einzelne Merkmale aus der überlieferten Literatur heraus und "entdeckt" dann Parallelen zu heutigen UFO-Fällen und Begegnungen mit kleinen, grauen Humanoiden. Unterschiede hingegen werden nicht erwähnt, das Quellenmaterial reduktionistisch ausgewertet. Man gewinnt den Eindruck, die Autorin spreche den Menschen früherer Jahrhunderte jegliche Imaginationsfähigkeit ab, indem sie versucht, jedes Märchenmotiv auf "reale Vorkommnisse", d.h. den Kontakt mit einer fremden, außerirdischen Intelligenz zurückzuführen. Solch eine Betrachtungsweise ignoriert jedoch den unterhaltenden und didaktischen Impetus solcher Texte. Die von Ermel herangezogenen Märchenmotive, wie das Verschwinden und Erscheinen von Personen, sind gattungskonstitutiv und als Wandermotive topographisch weit verbreitet. Die Autorin läßt jedes textkritische Verständnis vermissen; daß einige der angeführten Motive auf wirkliche Ereignisse zurückzuführen sind, vermag sie nicht plausibel zu machen und verbleibt so in purer Spekulation. Insgesamt muß man hier zu dem ernüchternden Ergebnis kommen, daß die herangezogenen Texte kaum "ufologisch" und/oder präastronautisch gedeutet werden können. Im Unterschied zu religiösen bzw. historischen Texten sind Märchen völlig unspezifisch, der Figuren- und Motivbestand stark typisiert. Will man nicht akzeptieren, daß Märchen "nur" der menschlichen Phantasie entspringen, scheint es wahrscheinlicher, daß hier "paranormale Erfahrungen" in den tradierten Märchenschatz integriert wurden. In dem von Ermel präsentierten Material finden sich jedenfall keine Beschreibungen von Gegenständen, bei denen sich eine "technische Interpretation" aufdrängen würde. Die Autorin erweist sich leider als "betriebsblind", der Versuch, fiktionale Texte ausschließlich präastronautisch zu deuten, scheitert. In dieser Gattung für die Paläo-SETI-These Fruchtbares zu finden, dürfte sich auf wenige Ausnahmen beschränken. Es handelt sich bei diesem Buch um eine Publikation, die geeignet ist, den Leser kurzweilig zu unterhalten, aber keine überzeugenden Thesen anbietet. Letztlich verharrt das Buch in den für dieses Genre spekulativer Literatur bekannten - und oft kritisierten - Mängeln.