Für mich ist dieses Buch eines der besten Bücher von 2010, aber die Kritik verschiedener Vorrezensenten zeigt mir, dass man in etwa wissen sollte, was einen erwartet.
Immer wieder wird Andrea Schacht zum Vorwurf gemacht, dass ihre Geschichten nicht historisch genug oder zu leichte Kost seien.
Zum ersten Kritikpunkt: Ich halte ihre Geschichten für gut recherchiert, was die Lebensumstände der handelnden Personen betrifft. Was Andrea Schacht nicht bietet, sind Geschichten bei denen der Schwerpunkt auf geschichtlichen Ereignissen oder Personen liegt.
Zum zweiten Kritikpunkt: Es ist viel leichter "leidenschaftlich" und "dramatisch" zu schreiben, als eine kluge und leichtherzige (nicht leichtgewichtige!) Komödie!! Gerade, dass ihre Akteure zwar zu tiefen Gefühlen fähig sind, jedoch auch zu Selbstironie und trockener Selbstkritk, macht sie mir so sympathisch - man sollte sich selbst und auch die Mitmenschen nicht immer allzu ernst nehmen... Außerdem liebe ich an ihren Geschichten, dass sie nie blutrünstig sind - Unangenehmes geschieht auch, es wird jedoch nicht ausgewalzt - wer in dieser Hinsicht ausführliche Beschreibungen mit Authentizität gleichsetzt, muss sich tatsächlich andere Literatur suchen.
Kurz gesagt, Andrea Schacht schreibt, wie auch in diesem Fall, Beziehungsromane in gut recherchiertem historischem Umfeld. Die Liebesgeschichte ist ein wichtiger Bestandteil, aber dennoch nur ein Teil des Beziehungsgeflechts, genauso wie die Kriminalgeschichte. Die Auflösung des Mordes/der Morde bleibt spannend bis zuletzt.
Die Hauptperson, Hardo Lautenschläger, der Minnesänger, ist wundervoll gelungen, man meint ihn zu hören und spürt seine Ausstrahlung - er erzählt seine Erlebnisse in der Ich-Person. Abwechselnd dazu, erzählt die Autorin die Erlebnisse der anderen Hauptpersonen in der dritten Person - ein wundervoller Kunstgriff, durch den der Leser überall dabei ist und dennoch Hardo in der erzählenden Rolle im Mittelpunkt steht und sich direkt an den Leser wendet. Auch Engelin, seine umworbene, stachelige Rose und alle anderen Gäste und Bewohner der Burg sind glaubwürdig geschildert.
HISTORISCH IM BESTEN SINNE wurden mir zwei Aspekte des mittelalterlichen Lebens nahegebracht, die ich vorher kaum kannte: Etliche historische deutsche Minnelieder von mittelalterlichen Dichtern (Walther von der Vogelweide, Heinrich von Morungen, Carmina burana etc.) werden in verständlichen neuhochdeutschen Nachdichtungen von Hardo gesungen und dem geneigten Leser vorgetragen. Ebenso wird über das mittelalterliche Verständnis der Minne philosophiert, wobei die Einzelpersonen die Minne in sehr verschiedenen Facetten ausleben...
Eine absolute Leseempfehlung von mir, für diese gelungene Posse !!!