Uwe Glinka und Kurt Meier haben in ihrem Buch 75 Tagesmenüs zusammengestellt, die mit einem Tagessatz von 4,33 Euro pro Erwachsenen realisierbar sind. Die Rezepte sind jeweils für 2 Personen ausgelegt. Die beiden, nach eigenen Angaben keine erfahrenen Köche, haben sich auf die Nachkriegszeit besonnen. Auf der Suche nach guten Rezepten haben sie Landfrauenvereine angeschrieben. Die Resonanz war groß und aus 300 zugeschickten Rezepten haben die beiden dieses Buch erstellt.
Ich lebe auch preisbewusst und war sehr gespannt auf dieses Buch. Nach dem ersten Durchblättern war ich ziemlich enttäuscht: Für vegetarische Gerichte hatten die Autoren mal gerade 11 Rezepte übrig und diese glänzen in der Gesamtheit noch durch Einfallslosigkeit: Apfeleierkuchen, Reibeplätzchen mit Apfelmus, Laugenbrötchenauflauf mit Äpfeln und Hefepfannkuchen mit...ach ja...Äpfeln.
Das ganze Buch verkörpert den Hauch der Pflichtkür: Es muss gekocht werden; Hauptsache billig. Würde ich an mein Gulasch einen Rotwein geben, der pro Liter 1.19 Euro kostet? Ich glaube nicht. Dann lieber keinen Wein. Mit Gewürzen gehen die Herren ebenfalls sehr sparsam um. Wer in seinem Gewürzschrank neben Pfeffer und Salz noch Paprikapulver, Kümmel und Majoran besitzt, der kann fast alle Gerichte nachkochen und das über Jahre, denn an fast alles kommt lediglich eine Prise. Es muss ja nicht Zitronengras und Piri Piri sein, aber Kochen kann mit mehr Abwechslung und trotz schmalem Geldbeutel tatsächlich auch noch Spaß machen. Das Buch enthält einzelne interessante Gerichte, als Hauptbezugsquelle zur Ernährungsplanung ist es jedoch nicht zu gebrauchen.
Doch am meisten ärgert es mich, dass dieses Buch damit wirbt, eine ausgewogene Ernährung zu gewährleisten. Ich war gespannt und habe die Rezepte unter die Lupe genommen.
Zunächst einmal wäre zu klären, was eine ausgewogene Ernährung eigentlich bedeutet. Die deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, dass man täglich unter anderem etwa:
400g Gemüse,
200g Obst,
4-6Scheiben Brot,
3 Kartoffeln oder 100g Nudeln (roh) oder 60g Reis (roh),
200 - 250g Milch oder Joghurt und 50-60g Käse ,
pro Woche 300 - 600g Fleisch und Wurst,
pro Woche 2 Portionen Fisch,
pro Woche 3 Eier (inklusive verarbeitetet Eier) und
insgesamt nicht mehr als 60g Fett (inklusive aller versteckten Fette) am Tag zu sich nehmen sollte .
Wenn man sich nun die Rezepte im Sparkochbuch anschaut sieht man ohne groß zu rechnen, dass die meisten Rezepte zu fetthaltig für eine ausgewogene Ernährung sind. Dafür kommen oft Obst und Gemüse zu kurz. Fett sollte so beispielsweise pro Tag nicht mehr als 60g konsumiert werden. Im Sparkochbuch sind allein fürs Frühstück und Abendbrot zusammen pro Person 40g Fett vorgesehen. In den Hauptgerichten werden unter anderem Eier, Sahne, Wurst und Speck verwendet, als ob man von Herzkranzgefäßerkrankungen und schlechten Cholesterinwerten noch nie etwas gehört hätte.
Mit den Speiseplänen lassen sich tatsächlich Schmächtige aufpäppeln oder körperlich hart arbeitende Menschen gut ernähren
Die Zeit nach der Währungsreform 1948 wird nicht umsonst auch scherzhaft Fresswelle genannt, weil die Leute endlich wieder etwas zu beißen hatten und dies auch wenn möglich reichlich taten. Der Mensch in der heutigen Gesellschaft, der oft weniger körperlich aktiv ist, tut gut daran nach gesünderen und fettärmeren Alternativen zu suchen.