Das Leben schreibt schon interessante Geschichten, vor allem dann, wenn sie von Isabel Allende erzählt werden. Die Autorin hat nach ihrem Welterfolg "Das Geisterhaus" und nach dem beeindruckendern Lebensroman "Paula", in dem sie den frühen Tod ihrer Tochter literarisch verarbeitet hat, mit "Das Siegel der Tage" ihre Lebensgeschichte weitergeschrieben. Und auch jetzt ist es wieder Paula, die allgegenwärtig die Mutter Isabel beim Leben und beim Schreiben begleitet.
Und so erzählt die Allende: Von dem kräftezehrenden Kampf nach dem Tod der Tochter um den Zusammenhalt und die Vergrößerung ihrer Familie. Eine Geschichte nach der anderen fällt ihr ein, eine Anekdote nach der anderen. So wird daraus nicht nur ein äußerst spannendes Buch, sondern eine fast exemplarische Lebensgeschichte: Ein Leben wie ein Roman.
Mit viel Selbstironie und mit viel Herz lässt uns die Allende ihre Sippe kennen lernen. Kinder und Enkel, Schwiegersöhne und Schwiegertöchter leben und erleben Liebschaften, Versöhnungen, Trennungen, Krankheiten. Es ist eine rundherum chaotische Sippschaft, über die die Allmutter Isabel wacht, die die chaotische Patchwork-Familie nicht nur zusammenhalten will, sondern auch möglichst ständig um sich herum haben möchte. Das führt zu Konflikten, zu Irritationen und immer wieder zu überraschenden und unverhofften Ereignissen.
Mittendrin und doch von außen beobachtend die Autorin. Auch von sich erzählt sie natürlich und von ihrer Liebe zu ihrem Mann Willie, zu dessen Familie; über ihr Älterwerden spricht sie und über die vielen Probleme, die sie immer wieder auf die Couch des Psychiaters bringen. Am Ende meistert die autokratische Sippenmutter das Leben und das Schreiben.
Es macht Freude, dieses Buch zu lesen. Nicht zuletzt, weil für die 1942 geborene Nichte des chilenischen Präsidenten Salvador Allende Humor eine Herzenssache ist.
Nur mit Toleranz, die die Autorin einfordert, und mit einer gehörigen Portion Mutterwitz ist ein aufregendes Leben im Haushalt einer weltberühmten Schriftstellerin in Kalifornien zu bestehen. Isabel Allende besteht es. Und so ist "Das Siegel der Tage" ein äußerst unterhaltsames Buch, auch wenn es nicht allen literarischen Ansprüchen gerecht wird. Das Zeug zu einem Bestseller hat es allemal.