'Das Siegel der Finsternis' ist der Romanerstling von Marcus Reichard und Auftakt zu einer Reihe. In der an Ursula K. LeGuins Erdsee gemahnenden Welt Algarad streitet das Inselreich des Hochkönigs von Meledin, allen voran die Magie und Kampf vereinenden Ordensritter von Dan, gegen die Macht des Todesfürsten Achest.
Nach der Vernichtung des verborgenen Volkes der Enim gelangt der Todesfürst in den Besitz eines der mächtigen Kristalle der Enim, das Siegel der Finsternis. Bei dem Versuch, ihm den Kristall wieder zu entwenden, sinkt das Schiff der Dan und das Siegel wird von dem neunzehnjährigen Tenan gefunden, einem Waisenjungen, der von seinem Ziehvater und Meister in der Kleinen Magie ausgebildet wird. Tenan ist ungeduldig und fühlt sich zu Größerem berufen, weshalb er als Zauberlehrling eher scheitert und Unheil anrichtet. Seine Sehnsucht nach Abenteuer erfüllt sich nach dem Fund des Steins, auf dessen Spur der Todesfürst den Admiral seiner Truppen, der orcähnlichen Gredow, mit mehreren Schlachtschiffen, sowie den Herrn der Schatten, ein mächtiges Geistwesen, ansetzt.
Tenan wird von seinem Meister Osyn, dessen verborgene Vergangenheit nur angedeutet wird, ausgesandt, den Kristall zum Hochkönig zu bringen, während Osyn die Insel gegen die Truppen Achests verteidigen will. Als Begleiter und Beschützer wird Tenan ein faunähnliches (und sehr unterhaltsames) Waldwesen namens Urisk mitgegeben.
Auf der Suche nach einem Schiff ist ihm ein geheimnisvoller Kesselflicker behilflich, der Tenan im Laufe der Reise so einiges beibringt und ebenso wie der Kapitän des Schiffes, mit dem sie von der Insel fliehen, zu Tenans Begleiter wird. Und sie werden nicht die einzigen sein.
Die knappe Flucht von Tenans Heimatinsel wird der Einstieg in ein Abenteuer, in dem Magie, Geister, Piraten, verborgene alte Völker, Sklavenhändler, unterseeische Reiche und alte Tunnel sowie neuen, zusätzlichen Feinden in einer klassischen Queste, in der der Held an den verschiedenen Wegstationen neue Begleiter hinzugewinnt, zusammenkommen.
Dabei wird dem fantasyvertrauten Vielleser sicherlich einiges im wenigstens im Ansatz bekannt vorkommen. In nicht untypischer Erstlingsmanier finden favorisierte Elemente aus Film und Literatur ' man schreibt, was man mag - ihren Eingang in die klassische Reise des Helden. Der Roman entwickelt sich aber von seinen Vorbildern weg zu etwas Eigenständigem hin und ist dabei kurzweilig und unterhaltsam geschrieben.
Wenn der Autor sich so weiterentwickelt, werden die Folgebände sicherlich nach oben auf meinen Lesestapel wandern.