Alle habe ich sie gelesen, die Bücher um Haplo, seinen Vater und den Kampf gegen die Sartan, und es fällt mir schwer, jedes Buch einzeln zu bewerten und zu kritisieren. Hier will ich nun nicht einzeln über den letzten Band schwadroieren, denn wer es als Leser bis hierhin geschafft hat, der wird diesen Roman sowieso lesen wollen... und müssen. Daher begnüge man sich hier mit meiner Gesamtkritik der Romane. Bekannt sind Weis und Hickman bei vielen wegen ihrer Drachenlanze-Romane, die ohne Frage zum Besten der Fantasy gehören. Ihre "Vergessenen Reiche" aber gefallen mir noch besser, und das liegt an der Vielschichtigkeit und dem Rollenwandel, den der Hauptcharakter Haplo durchlebt. Er, der Einzelkämpfer, der die Schrecken des Labyrinthes überlebt hat, um nun die Rätsel der Reiche zu entschlüsseln, begibt sich auf eine Odyssee, die fantastischer nicht sein könnte, und von Weis und Hickman meisterlich in Szene gesetzt wurde. Zugegeben, es dauert sehr lange, bis man sich in die Story einarbeitet, aber Haplo, die Patryn, Zifnab (der der Drachenlanze-Fangemeinde auch als Paladin und treuer Freund eines Kenders bekannt sein dürfte) und auch Haplos Vater - all das sind die schillerndsten Charaktere, die ein Fantasy-Roman jemals hervorgebracht hat. Die Bücher lesen sich erfrischen schnell, besonders gelungen ist die Übersetzung von Eva Eppers, die eine Patzerei a la Marita Böhm (DL-Übersetzerin, schrecklichst!) schnell vergessen lässt. Die Welt, die Weis und Hickman sowohl sprachlich als auch gestalterisch entwerfen spottet einer jeden 0815-Fantasy Welt, wie man sie leider immer öfter in den Bestseller Regalen findet. Jedes Terrain, das Haplo durch das Todestor betritt, ist grundverschieden, mal farbenfroh und freundlich, mal düster und bedrohlich. Letztere Orte überwiegen zum Ende hin, wenn sich die große Gefahr für Patryn und Sartan herauskristallisiert. Selten hat es ein Autorenteam geschafft, sich auf neue Wege zu begeben, aber diese beiden Herrschaften beweisen eindrucksvoll, was Fantasy wirklich bedeutet: nicht das Abkupfern oder Modifizieren von bereits Bekanntem, sondern das Erfinden, Finden, Kreieren und Modellieren der eigenen Fantasie - und davon haben zwei von Kaliber Weis/Hickman mehr als ausreichend. Wer diese Romanreihe lesen will, der wird sich von Tolkien und Jordan Fantasy befreit sehen - aber die Fantasy mit neuen Augen sehen. Absolut empfehlenswert, wenn nicht sogar ein Pflichtkauf, auch für Leute ohne Fantasy-Faible!