Katzentherapeutin Petra Twardokus gibt in ihrem Buch "Das Seelenleben der Samtpfoten. Katzen verstehen" einen Einblick in ihre therapeutische Arbeit mit Katzen. 18 Kapitel veranschaulichen in verständlicher und leicht zugänglicher Form, warum Katzen verhaltensauffällig werden, wie sich das äußert und durch verhaltenstherapeutische Maßnahmen verändern lässt.
Die Autorin geht auf zahlreiche Schwierigkeiten ein, die sich im Zusammenleben von Mensch und Katze ergeben können. Dazu zählen Probleme, wenn mehrere Katzen zusammen leben. Auch, was Unsauberkeit wirklich bedeutet, wird ausgelotet. Außerdem berichtet sie über die Hintergründe von aggressiven Verhalten gegenüber Artgenossen oder Menschen. Man erfährt, dass Katzen durchaus trauern und depressiv werden können. Das geschieht z.B., wenn ein Artgenosse und Freund stirbt.
Dazu widmet sich Petra Twardokus zentralen Fragestellungen, die Katzenfreunden oft Sorgen bereiten: Welche Unterbringungs- bzw. Versorgungsmöglichkeiten sind am besten geeignet für die Katze, wenn man in Urlaub fährt? Wie gelingt ein Umzug möglichst stressfrei? Was kann man tun, wenn eine Katze der anderen dauernd das Essen wegschlingt? Ist es sinnvoll, ältere Kater noch zu kastrieren?
Angesprochen wird auch, was man beachten sollte, wenn man eine Katze an ein menschliches Baby gewöhnen will. Denn das ist natürlich kein Grund, die Katze wegzugeben. Man kann das Zusammenleben von vornherein harmonisch gestalten, indem man die Katze an die neuen Einrichtungsgegenstände, das Babygeschrei, die Gerüche und die veränderte Aufmerksamkeitssituation langsam gewöhnt. Wichtig ist vor allem, sie nicht auszuschließen und nicht zu vernachlässigen. Viele Menschen befürchten eine Ansteckung mit Toxoplasmose über den Katzenkot. Durch die Verwendung von Einweghandschuhen beim Reinigen der Katzentoilette lässt sich dieses Risiko ausschalten.
Für manche sonderbar erscheinende Verhaltensweisen von Katzen gibt es bodenständige Erklärungen und schnelle Lösungen: Frisst die Katze unverdauliche Stoffe wie Wolle, Holz oder Plastik, spricht man vom Pica-Syndrom. Das kann ein Zeichen für falsche Ernährung sein. Vielleicht fehlen der Katze einfach Mineralien oder Rohfasern.
Hinter dem Anfressen von Kabeln allerdings steckt oft schlicht Langeweile. Die Kabel lassen sich vergleichsweise einfach in Sicherheit bringen: Da helfen oft schon Kabelbinder, die mehrere der attraktiven, dicken Schnüre zusammenbinden. Aber der unterbeschäftigten Wohnungskatze fehlt es dennoch an Herausforderungen. Wie man damit umgehen kann, wird ebenfalls aufgezeigt.
Auch, dass Urinieren und Koten im Haus niemals aus Protest, Rache oder gar Provokation heraus geschehen, macht die Katzenexpertin deutlich. Vielmehr steckt dahinter oft eine tiefe Verunsicherung, die unterschiedliche Ursachen haben kann. Da sind dann ein wenig Detektivarbeit - und natürlich eine große Portion Einfühlungsvermögen - gefordert.
Anhand von anschaulichen Fallbeispielen lernt man unterschiedliche, typische Probleme kennen. Diese werden zunächst umfassend dargestellt und beleuchtet. Anschließend berichtet Frau Twardokus, wie es gelungen ist, damit umzugehen und Lösungen zu finden.
Dabei versteht sie sich als Vermittlerin zwischen Mensch und Katze: Sie verdeutlicht, dass häufig Missverständnisse und Kommunikationsschwierigkeiten, aber auch falsche Erziehung oder Vermenschlichung die eigentliche Wurzel des Problems sind. Man lernt anhand der dargestellten Fälle, die eigenen Katzen frisch und mit offenen Augen zu betrachten.
Es ist ein sehr persönliches Buch. Vor allem bekommt man einen interessanten Einblick in die Arbeit einer Katzenpsychologin. Wer wendet sich mit welchen Problemen an die Expertin? Welche Schwierigkeiten treten auf? Was steckt dahinter und wie lässt sich damit am besten umgehen?
Die tatsächlichen Hintergründe für Verhaltensauffälligkeiten sind individuell verschieden. Man muss immer auch im Blick behalten, dass Katzen Persönlichkeiten sind. Jede ist einzigartig und einmalig. Genauso wie der dazu gehörige Mensch und das Lebensumfeld. Trotzdem kann man auch für sich selbst viele wertvolle Hinweise aus diesem Buch mitnehmen. Das Lesen macht Spaß, bereichert und führt zu der Fähigkeit, sich in der Tat besser in das Seelenleben der Katzen einzufühlen.
Wer sich darüber hinaus noch weiter mit diesem Thema befassen möchte oder selbst eine berufliche Neuorientierung in dieser Richtung anstrebt, findet entsprechende Hinweise und kann die Autorin auch direkt kontaktieren.
Optisch bereitet "Das Seelenleben der Samtpfoten" Katzenfreunden ebenfalls Freude: Das fest gebundene Buch ist durchgängig mit schönen, passenden Farbfotos bebildert. Die Qualität des Drucks ist hervorragend und kommt auf dem stabilen Glanzpapier besonders gut zur Geltung.
Eine rundherum gelungene und hilfreiche Lektüre!