Richard und Kahlan setzen die Einigung der Midlands fort, um eine starke Front gegen die Imperiale Ordnung aus der Alten Welt aufbauen zu können. Denn Kaiser Jagang trachtet nach wie vor danach, die Neue Welt unter seine Kontrolle zu bekommen und somit Herrscher über alle Menschen zu werden. Besonders schlimm wäre dies für Menschen und Kreaturen mit magischer Begabung, denn Jagang will die Magie völlig ausrotten. Dabei ist der Kaiser selbst ein Traumwandler, der durch Magie in die Träume anderer Menschen eindringen und ihre Handlungen beeinflussen kann. Als in Aydindril plötzlich die Pest ausbricht, finden Richard und Kahlan heraus, dass sie von einer Handlangerin Jagangs heraufbeschworen wurde. Prophezeiungen enthüllen, dass die beiden Liebenden die Gefahr für ihr Volk nur abwenden können, wenn sie bereit sind, große persönliche Opfer zu erbringen.
"Der Tempel der Winde" stellt seine Leser vor eine harte Belastungsprobe, denn Autor Terry Goodkind hat hier zum zweiten Mal in seiner Reihe die "Schallmauer" von 1000 Seiten geknackt. Nun können dicke Wälzer richtig spannend und unterhaltsam sein, doch in diesem Fall hat sich Goodkind die Spannung für die letzten 200 Seiten aufgehoben. Die 800 Seiten davor schleppt sich die Handlung quälend langsam dahin, nur gelegentlich wird die Monotonie durch Nebenhandlungen unterbrochen, die wesentlich lebendiger daherkommen.
Dass sich das Lesen des Buches für die meiste Zeit ziemlich zäh gestaltet, liegt meiner Ansicht nach an zwei Faktoren. Zum einen verschwendet Goodkind viel Platz dafür, Ereignisse aus den drei Vorgängerbänden zu rekapitulieren, obwohl diese Informationen manchmal für das Verständnis der aktuellen Problematik gar nicht relevant sind. Gleichzeitig führen die Charaktere wieder endlose Dialoge, kauen das jeweils akute Problem zigmal durch, ohne dass etwas Nennenswertes wie z.B. die Entwicklung der Charaktere stattfindet. Der andere Problemfaktor ist die Passivität praktisch aller in der Haupthandlun vorkommenden Figuren. Es wird fast nur reagiert, und auch das nur nachdem die Angelegenheit zuvor schön breitgetreten wurde. Ich weiß nicht, wie oft Richard und Kollegen in diesem Buch darüber diskutiert haben, wie die Pest denn einzudämmen oder gar zu heilen sein soll, um dann zu dem Schluss zu kommen, dass eine bestimmte Maßnahme Erfolg haben kann oder auch nicht. Wie üblich kommt dann gegen Ende wieder der Punkt, ab dem alles Schlag auf Schlag geht und die Spannung insgesamt ansteigt. Hier zeigt sich, dass Goodkind seine Leser sehr wohl zu fesseln weiß.
Ein ganz anderer Aspekt macht sich in "Tempel der vier Winde" wesentlich negativer bemerkbar als in den vorangegangenen Teilen. Die Welt wirkt zwar in sich recht stimmig, doch werden die Zusammenhänge zwischen Personen, Institutionen, Nationen etc. nicht ausreichend erklärt. So ist mir z.B. immer noch nicht klar, weshalb es eine Unterteilung in Alte und Neue Welt gibt und inwiefern sich die Bewohner beider Welten voneinander unterscheiden. Außerdem wird zwar erwähnt, dass es fast keine Zauberer mehr gibt, doch eine überzeugende Erklärung für ihr Verschwinden wird nicht geliefert. Wenn Kahlan einen Teil ihrer Kindheit in der Burg der Zauberer verbracht hat und dort auch Zauberer-Familien waren, haut das mit dem Aussterben der Familien nicht hin. Und wieso verbringt eine junge Konfessorin überhaupt Zeit in der Burg der Zauberer?
Obwohl ohnehin jede Rezension ein gewisses Maß Subjektivität nicht vermeiden kann, möchte ich an dieser Stelle noch ein paar besonders subjektive Beobachtungen meinerseits schildern. Die üblichen Vergewaltigungsorgien siegreicher Soldaten an hilflosen Frauen beschränken sich diesmal auf einen erfreulich kurzen Abschnitt. Leider hat Goodkind fast allen wichtigen Figuren mittlerweile den passenden Liebesgefährten verpasst, was den ohnehin schon nicht geringen Schmalz-Faktor seiner Schreiberei nochmal in die Höhe treibt. Übel stoßen mir auch ein paar falsche Fährten auf, die so offensichtlich falsch sind, dass es schon fast eine Beleidigung der Intelligenz der Leser darstellt.
Fazit:
Aufgrund von Goodkinds unmäßiger Schreibwut und der oben angesprochenen Schwächen, die diesmal besonders stark ins Gewicht fallen, reicht es diesmal nicht für eine Durchschnittswertung. Ganz im Gegenteil sogar, denn wären einige Nebenhandlungen und der Schluss der Haupthandlung nicht so spannend, hätte ich hier eine Tiefstwertung vergeben.