Unmittelbar an das Ende des ersten Bandes anschließend, befinden sich Richard und Kahlan bei den Schlamm-Menschen und treffen Hochzeitsvorbereitungen. Doch dann wird Richard mit der Tatsache konfrontiert, dass er bei seinem Sieg über Darken Rahl versehentlich den Schleier zur Unterwelt eingerissen hat. Von dort drängt der Hüter danach, die Welt der Lebenden zu unterjochen. Überdies wird Richard von fortwährenden, starken Kopfschmerzen geplagt. Die Schwestern des Lichts behaupten, dass nur eine Ausbildung zum Magier Richard vor dem Tod retten kann, ansonsten würde seine Magiebegabung ihn schließlich umbringen. Richard weiß aber nicht, ob er den Schwestern des Lichts trauen kann.
Für den zweiten Band seiner Reihe hat sich Terry Goodkind einiges einfallen lassen, um seine zwar interessante, aber auch etwas steril wirkende Welt etwas zu beleben. Er bringt neue Elemente wie den Dualismus zwischen Schöpfer (gut) und Hüter (böse) ins Spiel, der sich auch unmittelbar auf das Leben der Menschen auswirkt. So manche Figur ist nicht so, wie sie zunächst scheint, und einige treiben ein doppeltes Spiel.
So weit so gut, doch krankt "Die Schwestern des Lichts" an den gleichen Schwächen wie der erste Band. Zwar mag ich es, wenn ein Autor seinen Roman langsam aufbaut, ohne von einer Action-Szene zur nächsten zu hetzen, doch hier will die Handlung einfach nicht in die Gänge kommen. Goodkinds Erzählweise ist oft umständlich, bestimmte moralische Konflikte und andere Problem-Situationen werden zigmal durchgekaut, als ob der Autor dem Gedächtnis seiner Leser nicht viel zutraute. Es verstreichen buchstäblich hunderte von Seiten, bis Richard sich entscheidet, ob er die Schwestern des Lichts zu ihrem Palast begleitet oder nicht. Warum hier das Lektorat nicht mäßigend auf Goodkinds Schreibwut eingewirkt hat, ist mir unverständlich.
Ein weiterer Problempunkt ist das Beibehalten von Charakteren aus dem ersten Band. So schön es auch ist, in einer Fortsetzung auf bekannte Figuren zu treffen, sollte ihr Auftreten doch eine gewisse Relevanz für die Handlung aufweisen. Doch die meisten erfüllen keinen wirklichen Zweck, vielmehr fügen sie zusätzliche, unausgegorene Handlungsstränge zu einer Erzählung hinzu, die ohnehin schon aufgebläht ist. Erst als die Handlung den Palast des Lichts erreicht, gelingt es Goodkind, die Spannungsschraube ordentlich anzuziehen, wobei das dann manchmal schon fast wieder zu gehetzt wirkt.
Was mich besonders an diesem Buch genervt hat, neben der übertrieben schwülstigen Liebesgeschichte zwischen Richard und Kahlan, ist die Art und Weise, wie Goodkind Männer und Frauen im Allgemeinen darstellt. Abgesehen von den wichtigen Charakteren sind praktisch alle Männer rein triebgesteuerte Wüstlinge, die nichts anderes im Sinn haben, als sich an wehrlosen Frauen zu vergehen. Es gibt mehrere unappetitliche Szenen, in denen eine Frau unter eine Gruppe Männer gerät. Und jedes Mal das gleiche Schema: die Männer haben natürlich nichts anderes im Sinn, als über die Frau herzufallen, selbst wenn ihnen gleichzeitig noch Gefahr droht (z.B. während einer noch nicht entschiedenen Schlacht).
Trotz aller von mir kritisierten Mängel hat mir das Buch gut genug gefallen, dass ich bereits begonnen habe, den nächsten Band zu lesen. Zwar hat Goodkind einen Hang zum ausschweifenden Erzählen und neigt dazu, besonders die bösen Charaktere schablonenhaft zu zeichnen, doch gibt es genug gute Ideen, die dafür entschädigen. Trotzdem kann ich "Die Schwestern des Lichts" nur denjenigen empfehlen, die Band 1 gemocht haben. Alle anderen sollten erst "Das erste Gesetz der Magie" testen, bevor sie sich an diesen Mammut-Wälzer wagen. Durch Goodkinds häufige Wiederholung von vergangenen Ereignissen kommt man zwar auch als Neueinsteiger zurecht, aber man wird sich dann in der Welt der Midlands vielleicht ein wenig verloren fühlen.