...auch dieses Buch kommt bei weitem nicht an die überragenden ersten 4 (im englischen 2) Bände des Schwerts der Wahrheit heran.
Dies liegt hauptsächlich an:
-der Geschichte und deren Dramaturgie:
auf den ersten 400 Seiten geschieht (zumindest für Goodkind-Verhältnisse) nicht viel; und danach überschlagen sich die Ereignisse geradezu. Man hat fast das Gefühl, als wäre Goodkind gegen Ende des Buches in Termindruck gewesen oder er hatte keinen Bock mehr weiterzuschreiben.
-den Charakteren: Jennsen Daggett (bzw. Rahl) ist eine der naivsten, dümmsten und begriffsstutzigsten Romanheldinnen, die mir je untergekommen ist. Es grenzt fast an eine Unverschämtheit, als sie am Schluß, nachdem sie endlich, ENDLICH begriffen hat, was vor sich geht, von Richard und Co. wegen ihres Verstands gelobt wird. Sie stellt sich meist so bescheuert an, daß der ganze Plot sehr konstruiert wirkt.
Oba ist auch nicht viel besser dran; wenigstens kann er Wahnsinn als Entschuldigung für seine Borniertheit anführen.
-der Tatsache, daß der Leser seit 4 (oder sind es mittlerweile schon 6?) Bänden darauf wartet,daß endlich DIE entscheidende Schlacht zwischen der Armee der imperialen Ordnung und den Anhängern von Lord Rahl stattfindet; Goodkind findet ständig neue Schlupflöcher, um dieses Thema zu umschiffen und sich auf im Vergleich dazu belanglose Dinge zu konzentrieren, und das nervt mich! Gut, man bekommt immer ein paar kleine Häppchen serviert, die dieses Hauptthema der Saga minimal vorwärtstreiben (so auch hier, allerdings erst nach einer laaangen Durststrecke), aber das genügt mir nicht. Weiß Goodkind nicht, wie es weitergehen soll? Oder hat er Angst, daß ihm nach der Beseitigung der Armee der imperialen Ordnung die Ideen ausgehen? Ich kann es mir nicht erklären...
Warum ich trotz alledem 4 Sterne vergebe?
Weil das Buch trotzdem gut ist! Die Idee, den Plot einmal aus einem ganz anderen Blickwinkel zu beleuchten, nämlich aus dem einer Person, die von den Entwicklungen der letzten Bände keine Ahnung hat, gefällt mir. Goodkinds Stil ist sowieso klasse und obwohl es über weite Strecken recht handlungsarm ist, entwickelt das Buch ein großes Suchtpotential.
"Die Säulen der Schöpfung" ist trotz allem ein klasse Fantasy-Roman, nur als verwöhnter Goodkind-Leser hätte ich halt endlich mal wieder etwas mehr erwartet!