Sapkowskis Schreibstil ist einzigartig, deshalb schwer zu beschreiben. Ich würde sagen, wie ein Mann, der mit einem Messer in der Luft herumfuchtelt, schnell, abgehackt, voller Adrenalin, jetzt und hier, in diesem Moment, jedoch ohne je den Überblick zu verlieren. Stein um Stein wirft er auf einen Haufen, der sich mehr und mehr als Zauberschloss entpuppt, denn anders als der Mann mit dem Messer trifft Sapkowski den Leser mitten ins Herz, und zwar gleich mehrmals.
Um Geralt von Riva geht es, den berühmten Hexer, der auf der Suche nach Arbeit durch die Lande zieht. Die Zeit seiner Zunft scheint vorüber, die Monster, die zu töten sein Beruf ist, verstecken sich tief in den Wäldern und die Menschen schenken dem Hexer höchstens einen abfälligen oder erstaunten Blick. Dennoch bekommt Geralt es auch in diesem Band mit einigen Unholden zu tun; ein abfallverliebter Zeugl, ein schlauer Gestaltwandler und eine bezaubernde Sirene sind nur einige davon.
Sapkowskis Welt macht nicht den Versuch, perfekt zu sein, sie ist dreckig, abweisend, flüchtig, ständig in Veränderung. Elfen, Zwerge und Halblinge werden aus ihren Siedlungen verjagt, werden mehr geduldet als akzeptiert. Größenwahnsinnige Vertreter von Kirche und Staat streben nach Reichtum und Macht und zertreten dabei Mitglieder der eigenen Rasse unter dem Absatz. Ein Menschenleben ist wenig bis nichts wert, und die verdreckten Gassen einer Stadt bei Nacht sind nicht weniger lebensgefährlich als ein monstergefüllter Wald.
Gekonnt spiegelt der Autor unsere Welt in der von ihm erdachten wider und zeigt die Ironie auf, in der wir Tag für Tag leben. Die wilden Untiere mögen zwar beinahe ausgerottet sein - in den Herzen der Menschen existieren sie jedoch weiter. Vorbehaltlose Machtgier, Falschheit, Lüge, Verrat und Mordlust haben Werwölfe und ähnliche Schrecken abgelöst und verursachen mindestens ebensogroßen Schaden an den "vernunftbegabten" Rassen.
"Das Schwert der Vorsehung" ist ein Roman, dem man mit der Beschreibung "Spannend und Actionreich" nicht schmeicheln würde. Dieses Buch ist so viel mehr; trübsinnig, hoffnungsvoll, traurig, verzweifelt, wütend, ironisch, unerhört gefühlvoll, rasend und bis zum Bersten gefüllt mit Liebe und Selbsthass. Um verwirrt und geschmacklos nicht zu vergessen. Und humorvoll. Denn Sapkowski beherrscht es meisterhaft, mit simplen Tatsachen zum Lachen zu bringen, und so gelingt es ihm wieder und wieder, die meist eher düstere Atmosphäre zu erhellen.
Fazit: Eine bodenständige Geschichte, die man eigentlich nur dann als Fantasy bezeichnen kann, wenn man die Analogien nicht erkennt. Empfehlung für all jene, die gern philosophieren, für jene, die ernsthafte Fantasy mögen, und für alle, die einfach nur gute Unterhaltung suchen.
ACHTUNG! "Das Schwert der Vorsehung" ist eine Sammlung von mehreren Geschichten, die sich erst in einem späteren Buch an eine durchgehende Storyline anschmiegen. Es ist deswegen nicht weniger lesenswert, aber im Sinne von Amazon sei hier gleich vorweg gesagt, dass Liebhaber einer durchgängigen Geschichte mit diesem Werk wenig Freude haben werden.