Frankreich 1941. Ein deutscher Offizier quartiert sich bei einem Einheimischen und seiner Nichte ein. An vielen Abenden erscheint er bei den beiden und spricht in gepflegtem Französisch über sein Faible für Frankreich und über seinen Traum von der Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich, die er sich schon für die nahe Zukunft erhofft. Onkel und Nichte schweigen beharrlich, trotzdem kommt der Offizier immer wieder, meist in Zivil gekleidet, und hält kleine Monologe über Kultur und Freundschaft.
Bis er eines Tages erkennt, was die Deutschen in Frankreich wirklich vorhaben, und seinen unfreiwilligen Gastgebern auch davon berichtet ...
Eine kurze Erzählung, die bereits 1942 in einem französischen Untergrundverlag der Résistance erschienen ist, in eindrücklicher Sprache verfasst, die das angespannte Schweigen beinahe greifbar werden lässt, während der Deutsche in hehren, manchmal etwas pathetisch wirkenden Worten von Völkerverständigung spricht und seine Landsleute doch ganz anderes im Sinn haben. Mit wenigen Federstrichen entsteht ein deutliches Porträt der drei Beteiligten und ein symbolisches Bild der damaligen Zeit.
Ergänzt wird die Diogenes-Ausgabe durch einen sehr persönlichen Essay von Ludwig Harig, der kurz nach dem Krieg als Lehrer in Frankreich arbeitete, sowie ein erläuterndes Nachwort mit Zeittafel, wodurch sich die Erzählung noch besser verstehen und in den historischen Kontext einordnen lässt.
Das kleine Büchlein ist schnell gelesen, bietet aber einigen Stoff zum Nachdenken und Diskutieren und lohnt sicher auch eine erneute spätere Lektüre.