Ruhe ist eingekehrt beim Lemming, mit der Klara ist alles im Lot, der Krotznig hat abgedankt und nun wirkt der Lemming schon geraume Zeit als Nachtwächter im Schönbrunner Tiergarten - als "Wächter des Geiers, als Hüter des Gnus" sozusagen. Als er eines Samstags mit dem Kollegen Pokorny aus Gefallen den Dienst tauscht, findet er im Polarium einen erhängten Pinguin. Nicht genug mit diesem makabren Scherz, wird er auch noch vom höchsten Wiener Wirtschaftsmogul, vom mächtigsten Einflussnehmer auf amtierende Politkaiser engagiert, dem grausamen Verbrechen auf den Grund zu gehen - quasi die Täter zu stellen.
Rasch dreht sich der Lemming im Kreis und immer weiter - darfs a bissl Rotlicht sein? a paar machtgeile Politschädln? Oder wär vielleicht die ach so erhabene, distanzierte und wortgewandte Kunstgilde lieb? Und soviel darf verraten werden, der Pinguin steht nicht im Zentrum des Lemmings dritter Ermittlung.
An Sprachwitz ist der dritte Lemming seinen Vorgängern eine kleine Welt voraus. Beinahe Schlag auf Schlag lockt der Autor und Künstler zumal die Welt der regionalen wie der nationalen Politik, jene der Kunst und Bildnerei, der Wiener Eventkultur aus der Reserve und bietet die Ironie einer herzhaft, gespaltenen Zunge, wie sie selten ist.
Die Handlung selbst ist gut durchdacht und bildet ein schönes Konstrukt um eine wahre Begebenheit, die Spannung bleibt jedoch etwas auf der Strecke. Zu wenig verstrickt sind Geschichte, Personen und Hintergründe. Vorhandene "Netzwerke" lösen sich zu rasch auf. Der eventuell vom Lemming-Bewunderer erwartete zweite Erzählungsstrang ist zwar vorhanden, taucht jedoch spät auf und verbirgt sich nicht so erfolgreich, wie jene der beiden anderen "Lemminge".
Kurz gesagt: Ein sehr gelungenes sprachliches Stück Literatur, eine schmähkritische Perspektive auf die Wiener Kunst- und Kulturszene und ein kommoder Krimi mit etwas weniger Gewalt und mehr Kunst dazu.