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Das Schweigen des Jan Karski
 
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Das Schweigen des Jan Karski [Gebundene Ausgabe]

Yannick Haenel , Claudia Steinitz
4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
  • Verlag: Rowohlt; Auflage: 1. Aufl. (11. März 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3498030078
  • ISBN-13: 978-3498030070
  • Größe und/oder Gewicht: 20,8 x 13,2 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 43.148 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

Die Konstruktion ist gewagt für ein literarisches Werk ? und sie löste prompt einen Skandal aus. (Der Spiegel )

Ein wichtiges Buch. (Literaturen )

Ein unvergessliches Buch über einen außergewöhnlich mutigen Mann. (Le Nouvel Observateur )

Dieser Roman wird in Deutschland sehr verstören. Seine Sicht auf die Shoah ist anders, als wir es gewohnt sind. Lange gab es keinen Autor mehr, der das Ungeheuerliche so sehr beim Wort genommen hat. (Die Welt )

Kurzbeschreibung

Jan Karski, Kurier des polnischen Widerstands, sollte der Welt berichten, was er über die Juden-vernichtung wusste. Doch niemand mochte seine Botschaft hören. Der Mann, der «den Holocaust stoppen wollte», versank nach dem Krieg lange in Schweigen. Yannick Haenel gibt Karski nun eine fiktive, eigene, berührende Stimme. «Ein unvergessliches Buch über einen außergewöhnlich mutigen Mann.» Le Nouvel Observateur "Dieser Roman wird in Deutschland sehr verstören. Seine Sicht auf die Shoah ist anders, als wir es gewohnt sind. Lange gab es keinen Autor mehr, der das Ungeheuerliche so sehr beim Wort genommen hat." Die Welt

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Format:Gebundene Ausgabe
Yannick Haenel lebt in Paris sowie Florenz und leitet die Zeitschrift Ligne de risque, die er mit anderen Autoren vor einigen Jahren gründete. Als Stipendiat in der Villa Medici verfasste er Das Schweigen des Jan Karski. Ein Roman, der bald darauf viele Wochen lang in Frankreich auf den Bestsellerlisten zu finden war. Dieser Autor, und dessen gewagte Konstruktion aus Wahrheit und Fiktion, widmet sich als einer von vielen einem Thema, das auch heute immer noch zu schockieren und zu berührend weiß. In drei Kapiteln erzählt er aus dem Leben des polnischen Widerstand-Kuriers Jan Karskis und über schreckliche Wahrheiten, die so mancher Mensch auch heute noch nicht hören will.

Zitat: >> Es geschieht in Shoah von Claude Lanzmann. Gegen Ende des Films versucht ein Mann zu sprechen, aber er kann nicht. Der Mann ist um die sechzig und spricht englisch; er ist groß und mager und trägt einen eleganten graublauen Anzug. Das erste Wort, dass er sagt, ist: "Now" (Jetzt). Er sagt: "Jetzt gehe ich fünfunddreißig Jahre zurück!" <<

Meine Meinung

Selten genug geht einem ein Buch so nahe. Ein Bericht über unvorstellbares Leid, über das man zumeist öfter gelesen oder gehört hat. Das einen zu lähmen versteht und dennoch zu jederzeit verlangt, sich bewusst gemacht zu werden. Und gerade letzteres vermag Yannick Haenel geradezu meisterhaft. Er entführt den Leser. Lässt ihn hilflos zusehen und das Leben des Jan Karski Revue passieren. Ein Mann, der Stärke bewies; den man nur bewundern kann und an dessen Stelle man vermutlich bereits nach wenigen Monaten des Schreckens gestorben wäre. Er steht im Fokus. Er und sein Vorwurf gegen den Westen. Gegen die Menschen, die sich zu Komplizen Hitlers machten. Ob freiwillig oder aus kalter Starrer heraus. Sich in trügerischer Sicherheit wiegend (und wenn auch nur für den Moment) haben sie die Polen und den Widerstand, vor allem aber die europäischen Juden, im Stich gelassen. Denn jeder Mensch, den Jan Karski in seiner Funktion als Kurier des Widerstandes eine ganz bestimmte Nachricht überbracht hatte, wusste schlussendlich Bescheid. Auch Präsident Roosevelt, der von Yannick Haenel als gähnender, gelangweilter Mann dargestellt wird, der sich Karski zwar anhörte, aber nicht hören wollte. Es nicht über sich brachte, die Verantwortung für sich zu sehen und Hilfe zu entsenden; auch nicht auf diese besondere, verlangte Art. Denn schon bald während Karskis Tätigkeiten für den Widerstand wurde dem Kurier von verzweifelten Juden eine Nachricht weitergegeben. Ein Flehen nach Hilfe. Und der Leser erzittert förmlich, bei Yannik Haenels Umschreibung des Interviews in Shoah. 'Then they gave me massages.' Botschaften sollte Jan Karski für die Juden überbringen; eine von vielen Wahrheiten erzählen: 'Hitler muss daran gehindert werden, die Vernichtung fortzusetzen! Jeder Tag zählt! Die Alliierten können diesen Krieg nicht einzig unter militärischen Gesichtspunkten führen. Wenn sie diese Haltung einnehmen, werden sie den Krieg gewinnen. Aber was nützt uns der Sieg? Wir werden diesen Krieg nicht überleben!' Mehrmals holt Jan Karski nach diesen und anderen Absätzen darauf hin mit heißer Stimme aus: 'Begreifen Sie? Begreifen Sie?' ('Do you understand?') Und ja, der Leser versteht. Vielleicht nicht ganz, vielleicht nicht genau so wie sich der polnische Kurier es erhofft hatte, damals, aber dennoch genug, um den Fortgang des Buches mit anderen, offeneren Augen zu sehen. Und das obwohl sich der geneigte Leser vielleicht bisher immer gedacht hatte, seine Augen nicht verschlossen zu haben.

Zu verdanken ist dieser Umstand zum einen natürlich der durch und durch authentischen Person Jan Karski, zum anderen jedoch auch sehr dem Autor Yannick Haenel, der sich dem Thema zwar nicht unvoreingenommen und parteilos widmet, dafür jedoch voller Leidenschaft und mit beeindruckender Sprachgewalt. In drei Kapiteln bringt er den polnischen Kurier, der seinen Namen immer wieder im Verlauf seines Lebens wechseln musste, näher an den Leser heran. Kapitel eins umschreibt das Interview in Shoah; trifft den Leser mitten ins Herz. Der nächste Abschnitt fasst darauf hin Jan Karskis Buch Story of a Secret State zusammen, das dieses Jahr unter dem Titel Mein Bericht an die Welt im Antje Kunstmann Verlag erschien. Kapitel drei hingegen ist eine reine Fiktion. Sie stützt sich auf Momente aus dem Leben, die nach Yannik Haenels Gutdünken ausgeschmückt worden sind. Er schreibt dem Kurier Gedanken zu, gibt dadurch auch viel von seinen eigenen Ansichten preis und gerade dieser letzte, frei erfundene Teil stößt so manchem Fachkundigen bitter auf; wird gemeinhin sogar als Skandal bezeichnet. Denn Yannick Haenel nimmt kein Blatt vor den Mund. Er beschuldigt durch Karskis Augen und Gedanken verschiedene Parteien und schlussendlich wird jeder Leser selbst für sich entscheiden müssen, welche Dinge er mit dem polnischen Kurier vielleicht doch nicht ganz so in Einklag bringen kann.

In Yannick Haenels Augen gab es schlussendlich für diesen Mann nur noch Verzweiflung. Schweigen folgte nach seinen vergeblichen Versuchen etwas an der Situation der Juden zu verändern. Rückzug; doch Jan Karski zog sich nie gänzlich zurück. Er unterrichtete und blieb fern der Öffentlichkeit, bis man ihn in Shoah wieder zu Wort kommen ließ. Am Ende dieses Romans angekommen, wird der Leser erschüttert, gepackt und wach gerüttelt sein. Wacher als es bei so manchem Buch dieser Art vielleicht möglich ist. Und für diesen Mut, so viele Dinge so unverblümt beim Namen zu nennen, verspürt man zumindest großen Dank.

Zitat: >> Ich wusste damals noch nicht, dass das beste Mittel, jemanden zum Schweigen zu bringen, darin besteht, ihn reden zu lassen. Und genau das ist geschehen: Man hat mich reden lassen, jenem Tag wie an Dutzenden anderen, ich habe jahrelang geredet, ich habe ein Buch geschrieben, und man hat es mich schreiben lassen, und als ich es veröffentlicht habe, hat man dafür gesorgt, dass dieses Buh ein Erfolg wird, dass Hunderttausende Amerikaner und Amerikanerinnen es kaufen, und jedes Mal, wenn mich mein Verleger anrief und sagte: 'Wie sind bei sechzigtausend! Wir sind bei hundertdreißigtausend! Wir haben die Schwelle von zweihunderttausend überschritten', dachte ich: sechzigtausend Gähnen, hundertdreißigtausend Gähnen, zweihunderttausend Gähnen ' <<

Fazit

Yannick Haenel hat mit Das Schweigen des Jan Karski einen erschütterten Bericht geschrieben und eine sehr wichtige Persönlichkeit portraitiert, die man nach diesem Buch wohl nie wieder vergessen kann. Ein dunkler Zug entführt den Leser durch die Abgründe der Geschichte, durch alle in dieser Zeit nennenswerten, und nimmt den Leser mit auf eine Reise, die man schlussendlich jedem empfehlen möchte, der sich für dieses Thema interessiert. ' Ein großer Mann, eine schreckliche Geschichte, schockierende Wahrheiten und ein Stil, der tief ins Herz des Lesers dringt. Schlicht und einfach: Ein wichtiges, lesenswertes Buch.

Pro und Contra

+ authentisch & schockierend ehrlich
+ wunderbare Sprachgewalt
+ zum Nachdenken überaus anregend
+ persönlich und emotional
+ kaum überzogen präsentiert sowie schonungslos geschrieben

o manche Sichtweisen von Yannick Heanel bleiben bedingt zweifelhaft

Wertung:

Authentizität: 5 / 5
Inhalt und Tiefsinn: 5 / 5
Lesespaß: 5 / 5
Preis/Leistung: 4 / 5
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von W. Öschelbrunn TOP 500 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Mit Yannick Haenels "Das Schweigen des Jan Karski" liefert die französischsprachige Gegenwartsliteratur innerhalb weniger Jahre bereits den dritten bemerkenswerten Roman zum Themenkomplex rassistischer Verfolgung im allgemeinen und der Shoah im Speziellen. War Jonathan Littell in "Die Wohlgesinnten" in abstoßend faszinierender Weise in die Haut eines Täters geschlüpft, lieferte Philippe Claudel in "Brodecks Bericht" das enthistorisierte Szenario einer (französisch anmutenden) Dorfgemeinschaft, die vor der Verschleppung ihrer Mitmenschen die Augen verschließt. Yannick Haenel widmet sich nun dem Wegsehen im weltpolitischen Kontext, den vergeblichen Versuchen der polnischen Widerstandskämpfer die Westalliierten auf die Geschehnisse im besetzten Polen aufmerksam zu machen und sie von gezielten militärischen Aktionen gegen die Orte des Holocaust zu überzeugen.

Yannick Haenels "Das Schweigen des Jan Karski" basiert auf wahren Geschehnissen. Jan Karski wurde 1942 von der polnischen Untergrundbewegung über eine abenteuerliche Route nach London geschickt, um die Westalliierten aus erster Hand über die Vernichtung der europäischen Juden im besetzten Polen zu informieren. Vor seiner Abreise wurde Karski sowohl ins Warschauer Ghetto als auch in ein Außenlager Belzecs geschleust, um das Geschehen mit eigenen Augen zu sehen. Diese Bilder wird Karksi 50 Jahre lang in schlaflosen Nächten vor sich sehen und dazu die verzweifelten Stimmen der Untergrundkämpfer hören.

"Das Schweigen des Jan Karski" wird in England und den USA einen Sturm der Empörung auslösen, sofern der Roman dort verlegt werden wird. Der dritte Romanteil, in dem Karski in einem fiktiven Monolog den Westen der Mitschuld anklagt, läßt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. "Man ließ die Vernichtung der Juden geschehen. Niemand hat versucht, sie zu stoppen, niemand wollte es versuchen. Als ich die Botschaft aus dem Warschauer Ghetto in London und Washington überbrachte, hat man mir nicht geglaubt. Niemand hat mir geglaubt, weil niemand mir glauben wollte. (...) Das war 1942. Waren Sie drei Jahre später auch so verlegen, sich selbst zu Siegern, noch, diesen Sieg zum Sieg der "freien Welt" zu erklären. Wie kann sich eine Welt für frei erklären, die die Vernichtung der Juden zugelassen hat?" (S 113) Und: "Aber die Geheimdienste hatten ihre Arbeit getan, sie wußten, und alle, die vorgaben, nicht zu wissen, arbeiteten bereits an der Lüge. (...) Die Engländer waren informiert, die Amerikaner waren informiert. (...) Als ich am 28. Juli 1943 von meinem Gespräch mit Roosevelt kam, hatte ich verstanden, dass alles verloren war: Die europäischen Juden starben, ausgerottet von den Nazis, mit der passiven Mittäterschaft der Engländer und Amerikaner." (S 114)

Neben der Shoah geht es in "Das Schweigen des Jan Karski" um den polnischen Freiheitskampf gegen deutsche Invasion und sowjetrussische Auslöschungspolitik. "... "polnisch" bedeutet Widerstand und Pole zu sein heiße gegen alle Tyrannen zu sein. Ein Pole ist jemand, der gegen Hitler gekämpft hat, aber auch gegen Stalin. Ein Pole ist jemand, der immer gegen die Russen gekämpft hat, egal wie sie sich nannten, Stalinisten, Bolschewiken, Sowjetbürger. Ein Pole ist vor allem jemand, der nicht auf die Lüge des Kommunismus hereingefallen ist." (S 121) Das Abwarten der Roten Armee während die SS den Warschauer Aufstand niederschlug und die Beteiligung der Roosevelt Administration am Vertuschen der wahren Täter des Massakers von Katyn sind die Schlüsselbeweise im Sinne der Anklage.

Haenel dürfte sich mit seinem Roman im transatlantischen Westen wenig Freunde gemacht haben. Zu deutlich ist seine Anklageschrift, die die westlichen Führer zu den deutschen Tätern auf die Nürnberger Anklagebank setzt. "Vor Roosevelt in seinem Büro im Weißen Haus stellte ich mir die gleiche Frage wie im Büro der Gestapo, als ich die Folter der SS erlitt: Wie komme ich hier raus? Ich hatte die Nazigewalt erlebt, ich hatte die Gewalt der Sowjets erlitten, und hier machte ich auf ganz unerwartete Weise Bekanntschaft mit der hinterhältigen amerikanischen Gewalt." (S 126) Die Abrechnung mit Roosevelt setzt sich über Seiten fort und findet ihren Höhepunkt im Vorwurf des technokratischen Antisemitismus.

Yannick Haenel wird sich dem Vorwurf des Geschichtsrelativismus ausgesetzt sehen. Um so wichtiger ist es, dass Jan Karski keine fiktive Figur ist. Es sind historische Fakten, die Karksi/Haenel in Erinnerung ruft. Die deutsche Schuld wird nicht relativiert, die unbefleckte Rolle der Westalliierten verliert allerdings an Überzeugungskraft. Ein wichtiges Buch.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Empfehlenswert! 14. April 2011
Von exa
Format:Gebundene Ausgabe
Ein sehr interessantes Buch über dem Kampf gegen die deutsche Vernichtungsmaschinerie im 2. Weltkrieg. Teilweise ziemlich schockierend. Es ist in drei Kapiteln aufgeteilt: 1) der Autor beschreibt ein Interview mit J. Karski, 2) Zusammenfassung des Buches "Mein Bericht an die Welt: Geschichte eines Staates im Untergrund" von J. Karski 3) Yannick Haenel gibt Karski nun eine fiktive, eigene, berührende Stimme. Mich hat das Buch sehr berührt und mich neugierig auf das o.g. Buch von Jan Karski gemacht.
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