Da hat Jan Costin Wagner ein sehr stimmungsvolles Werk hingelegt, das muss man schon sagen. Und auch die Spannung kommt nicht zu kurz, man will ständig wissen, wie es weitergeht, wie sich der Fall aufklärt - oder tut er es am Ende nicht? - und das Buch hätte auch noch 100 Seiten in diesem Stil weitergehen können, weil es einfach schön geschrieben ist. Wagner setzt ganz auf Reduktion, Geschwätz ist seine Sache nicht. Und trotzdem trifft er immer den richtigen Ton, gerade bei der Beschreibung der Gefühle seiner Protagonisten. Man versetzt sich in den Täter, der eigentlich gar keiner ist sondern eher ein Mitwisser, und kann seine diffusen Gefühle sehr gut nachvollziehen. Dann gibt es noch eine überraschende Wendung am Schluss, mit der man nun wirklich nicht gerechnet hätte, die aber glaubwürdig inszeniert wird und das Buch rund und schlüssig macht. Verdammt guter Roman, in sich logisch und mit sehr gutem Schreibstil, das fällt umso mehr auf, da ich kurz zuvor das insgesamt ärgerlich konstruierte, flache "Das Kind" von Fitzek gelesen hatte. So kann man auch schreiben, lieber Herr Fitzek!