Wohl jedes Studio hat einige "ungeliebte Kinder" unter seinen Filmen. Filme, die im eigenen Studio irgendwie, aus welchen Gründen auch immer, nicht so gerne gesehen oder erwähnt werden. Bei Disney gehört "Das Schwarze Loch" mit zu diesen "ungeliebten Kindern".
Sicher hat der Film einige eklatante Schwächen die ihm wohl den Aufstieg in den Kreis echter Filmklassiker verwehrt haben. Es gibt jede Menge Kritikpunkte, die ihm beim Wiedersehen nach etliche Jahren doch einen Grossteil der Wucht nehmen, die er auf mich hatte, als ich ihn mit 10 oder 11 Jahren im Kino sehen durfte.
So ist z.B. die unpassende Musikabmixung zu erwähnen, bei der Komponist John Barry in einer dramatischen Rettungsaktion mit einer Art "Heldenfanfare", die auch noch 2x geloopt wird, doch unpassende Komik erzeugt. Bei diesem Teil seines Scores hat Barry leider nur Mittelprächtiges abgeliefert.
Dabei fängt der Film phantastisch gut an: Die Szene, wie die "Cygnus" entdeckt wird, und die kleine "Palomino" um sie, wie ein neugieriges Kaninchen um eine schlafende, aber hungrige Anaconda, herumschwebt, die Stahlstrukturen der gigantischen "Cygnus" langsam durch das fahlen Blau des Scheinwerferkegels der "Palomino" gleiten, und im Hintergrund der nur durch das Milliardenheer der Sterne fahl und schwach beleuchtete, gigantische Körper dieses Monsterschiffes zu erahnen ist... das ist überwältigend! Wenn dann noch diese "Anaconda" überraschend aufwacht, das Licht schlagartig im ganzen Schiff aufleuchtet, sorgt das immer noch, wie damals im Kino, für ein überraschtes "Boahhh!!" und das Schiff wird in seiner ganzen Pracht und Herrlichkeit seinem Namen (Cygnus = Schwan) gerecht, bleibt aber doch eine bedrohliche, "hungrige Anaconda".
Damals wurden noch Modelle verwendet, das steigert noch die Glaubwürdigkeit, weil nicht, wie heute oft üblich, irgendein "Poser-König" am Computer das Schiff im dunklen Weltall, weitab jeder Sonne, mit unsichtbaren, schattenfreien Spotlights umzingelte, damit auch ja die ganze gerenderte "CGI-Pracht" immer komplett zu sehen ist.
Und letztendlich ist auch John Barry mit seinem Score bei dieser Eingangsszene voll da: Seine ruhig-bedrohliche, aber auch majestätisch klingende Titelmusik zum Film ist phantastisch und passt hervorragend!
Leider wird's dann wieder etwas billig: Die blechern herumwackelnde Robotergarde von Hans Reinhard (warum haben Bösewichte in US-Filmen eigentlich immer deutsche Namen?) wirkt irgendwie wie aus den 50er-Jahren.
Auch zu den oft als "Mickey-Maus"-Roboter kritisierten Vincent und Bob fehlt im Film leider die Erklärung, warum sie so "niedlich" gestaltet wurden. Im Buch "Das Schwarze Loch" von Alan Dean Foster steht die Erklärung noch: Aus psychologischen Gründen, damit Menschen Roboter besser akzeptieren und nicht als Bedrohung wahrnehmen! Wie heute die "niedliche" Büroklammer von Word oder der freundliche "Suchhund" von Windows. Trotzdem wurde hier doch etwas zu dick aufgetragen. Die beiden Roboter "verkommen" leider zu häufig zu "Running Gags".
Die "Niedlichkeit" gilt natürlich nicht für Robot Maximillian, Reinhards (Maximillian Schells) rechte Hand. Der ist aber wieder ins andere Extrem überzogen und wirkt comicartig übertrieben. Weniger "bösartiges Aussehen" wäre hier mehr gewesen.
Auch die Stars des Films zeigen nicht immer überragend schauspielerische Leistungen. Hier addieren sich viele, viele kleine Schwächen, die ich nicht alle aufzählen kann. Maximilan Schell z.B., übertreibt es ab und zu mit seinen "satanischen Gesten" als Käpt`n Ahab des Schwarzen Loches.
Die Endszene wiederum, wohl inspiriert von Kubriks "2001", begeistert anfangs wieder. Wenn Hans Reinhard über seiner Hölle schwebt, am unteren Bildrand verschwindet, und dann überraschend sein schreckensverzerrtes Gesicht, von seinen wirr umherfliegenden Haaren umgeben, wieder auftaucht... Mann, was hat mich diese Szene damals im Kino erschreckt und sie tut es noch immer! Und wenn er dann Eins wird mit seiner Schöpfung Maximilian, gefangen im Körper des Roboters, der auf einer Felsenklippe in den Tiefen der Hölle steht... Eine grossartige Szene, die an Dantes Inferno oder an Bilder von Hieronymus Bosch erinnern!
Doch auch hier: Für unsere Helden geht es durch eine Art überirdisch erleuchtete "Himmelspforte" auf die "andere Seite". Hier wird's dann wieder doch etwas zu kitschig.
So bleibt am Ende ein gemischtes Gefühl, weil sich oft starke, passende Szenen mit unpassenden und linkisch wirkenden abwechseln. 33,3% des Films ist phantastisch, 33,3% guter Durchschnitt, und 33,3% leider mässig bis saumässig. So bleiben mir 3 Sterne zu vergeben aber auch eine Kaufempfehlung... allein schon wegen der Eröffnungsszene!