Ludlow, trotz seiner kriminellen Eltern ein junger Kerl mit guten Absichten und positivem Gemüt, findet eine Lehre beim Pfandleiher Joe Zabbidou, der in dem kleinen Dorf Pargus Parvus gerade erst einen Laden eröffnet hat. Doch Joe ist kein gewöhnlicher Geschäftsmann: Sobald die Uhr Mitternacht schlägt, kommen die Dorfbewohner zu ihm und erzählen von ihren Geheimnissen. Ludlow hört angespannt die düsteren Beichten und schreibt sie Wort für Wort in das "Schwarze Buch der Geheimnisse" nieder. Um ihr schlechtes Gewissen erleichtert, erhalten die Einwohner eine Bezahlung von Joe, der die Geheimnisse aufkauft. Joe und Ludlow halten das Buch gut versteckt und schauen nie hinein - doch mit ihrem großem Wissen läuft auch Gefahr einher...
Spannend, düster, jedoch unblutig, kindgerecht-gruselig und sehr gut geschrieben - so liest sich Higgins' erster Jugendroman. Beeindruckend ist vor allem die stetig ansteigende Spannungskurve, die den Leser immer weiter lesen lässt sowie die innovative Geschichte um einen Pfandleiher für Geheimnisse. Voller Neugierde liest der Leser die Geständnisse, wird zum Mitwisser, geniest den Moment, als Ludlow doch ein einziges Mal in das "schwarze Buch" hinein schaut, immer getrieben von den Fragen: Wer ist der geheimnisvolle Joe Zabbidou? Warum bezahlt er die Dorfbewohner für ihre Geheimnisse und woher hat er das Geld? Wohin wird dieses gefährliche Mitwissen führen?
Soweit, so gut ist der Roman ein sehr gutes Buch für alle Fantasy-Fans, die düstere Stories Marke "Krabat" (Otfried Preußler) mögen und sich generell gerne von spannenden Jugendbüchern fesseln lassen. Am Ende bleibt jedoch herbe Ernüchterung zurück - nach all der Neugierde, die die Autorin in den Lesern entfacht, entlässt sie ihn mit einem eher offenen, nichtssagenden, verwirrenden Romanschluss ohne jede Überraschung. Fazit: Das fantastische, neuartige Konzept wurde hier nicht gut genug genutzt und enttäuscht den Leser nach all der Spannung, der tollen Fantasy-Welt gnadenlos. Was hat die Autorin sich dabei gedacht? Oder fiel ihr einfach nichts mehr ein? Wie dem auch sei, zwar werden einige Fragen (mäßig) beantwortert, der (eigentlich gelungene) Roman hält leider bis zum Ende nicht, was er die gesamte Lesezeit über verspricht.