Dieses Buch fand ich eines Tages in einer Kiste voller preisreduzierter Mängelexemplare und kostete damals noch 3 D-Mark. Nachdem ich es gelesen habe, wurde mir erst bewusst, welches Glück ich da hatte, denn dieser Roman zählt für mich zu einem der besten Bücher überhaupt.
Meiner Meinung nach atmet das Buch aufgrund der Erzählweise und dem Stil dieser Geschichte die einzigartige Atmosphäre, die dem Das-Schwarze-Auge-Universum innewohnt, in wunderbarer Weise aus. Selten fand ich mich so direkt in diese fantastische Welt versetzt wie hier. Es hat den unvergleichlichen Charme, den ich an dieser Welt so sehr liebe. Immer wieder wird man mit kurzen Themenwechseln an andere Orte versetzt, in denen eigentlich banale Handlungen und Geschehnisse dafür sorgen, dass man voll und ganz in die Geschichte eintaucht. So landet man plötzlich bei einem Bogenbauer, der zum Zeitvertreib die Karten legt und dabei auf seltsame Vorzeichen stößt, die den Lauf der Handlung voraussagen.
Die Geschichte handelt hauptsächlich von einem Skalden aus dem Volk der Thorwaler, der sich in eine Thorwalerin verliebt. Besonders hervorzuheben ist hier, dass das Volk der Thorwaler eng an die Wikinger und Nordmänner unserer Geschichte angelehnt sind und auch ettliche Wesens- und Charaktereigenschaften von diesen übernommen haben. Aber auch die weiteren Personen, die immer wieder an ganz anderen Schauplätzen ihrem Werken nachgehen, sind sehr liebevoll ausgearbeitet.
Für besonders Gelungen finde ich auch die einzelnen Zitate am Anfang jedes Kapitels, wobei Spruchweisheiten von berühmten Persönlichkeiten aus der Geschichte Aventuriens, dem Schauplatz der Das-Schwarze-Auge-Abenteuer, zum Besten gegeben werden. Auch die alten Lieder, die man nachlesen kann und bei denen sich in meinem Kopf sofort eine passende Melodie gebildet hat, haben ihren unverkennbaren Reiz. Einfach klasse. Die Kampfszenen zum Ende hin erinnerten mich in liebevoller Art und Weise an die alten PC-Spiele der Nordland-Trillogie, bei denen auch jedes einzelnes Mitglied der Abenteuergruppe mit seinen ganz persönlichen Fähigkeiten zum Zuge kommt. Und die Magier hier sind keine unverwundbaren und übermächtigen Lichtgestalten, wie es in so manch anderen Romanen oft der Fall ist.
Leser, die mit dem Das-Schwarze-Auge-Universum nichts zu tun haben, werden sich wohl bei der Fülle an Informationen und seltsamen Namen und Bezeichnungen sowie geschichtlichen Daten überfordert fühlen. Für diesen Roman sollte man die Welt auf irgendeine Weise zumindest mal angetestet haben, um sich wenigstens über die Namen der einzelnen Monate und Götter im Klaren zu sein. Es ist ganz klar ein Buch für Aventurien-Kenner, für solche jedoch meiner Meinung nach sehr empfehlenswert!!!