Ich habe dieses Abenteuer mit einer 3er Gruppe Anfänger Helden gespielt. Ich selbst meistere seit fast 20 Jahren, kenne mich also ganz gut mit Pen & Paper Spielen aus, auch wenn das jetzt mein erster Kontakt mit DSA war.
Das Positive zuerst:
Das Abenteuer ist stimmig, witzig und hochprofessionell geschrieben, auch wenn die Geschichte an sich im ersten Teil belanglos ist (im 2. Teil wirds dafür besser). NSC's sind super zusammengefasst und mit Standart Rollen versehen ("der Fiesling", "die Landplage"). Das Turnier ist bestens geeignet Regeln auszuprobieren und Talente einzusetzen.
Wenn die eigentliche Story ansetzt wirds auch recht spannend, vor allem die Verfolgungen sorgen für ordentlich Stimmung.
Jetzt die Probleme:
Auf dem Umschlag steht 3-5 Spieler, aber drei Spieler sind einfach zu wenig. Mit etwas Pech müssen diese nämlich ständig durch Manipulationen am Leben erhalten werden. Beispiel gefällig?
Meine Spieler haben an allen möglichen Wettkämpfen teilgenommen und gerade beim Schwertkampf auch ein paar ihrer ohnehin wenigen Lebenspunkte gelassen. Die Magierin setzt viele AsP ein um zu kurieren und hat diese fast verbraucht. Der Geländelauf schafft dann den ersten Spieler. Der Springt nämlich dank gelungener Mutprobe von der Klippe ganz oben in den See - das aber nicht sehr gekonnt (dank direktem Würfelversagen bei den Körperproben). Der Aufprall bringt ihn eigentlich um. Die Magierin hat ihre Energie jetzt völlig aufgebraucht.
Dann kommt der Baumdrache. Der greift Spieler 1 an, der auf dem Baum sitzt und die gestohlenen Sachen aus dem Nest holen will. Spieler 1 ist ein Fernkämpfer und hat eigentlicgh keine Chance gegen den Drachen im Nahkampf zu bestehen. Spieler 2, der ein guter Nahkämpfer ist, steht unten und kann nichts tun außer vielleicht mit seiner Axt den Baum fällen. Warum sind die beiden auf den falschen Positionen? Weil Spieler 1 der einzige ist, der einigermaßen Klettern kann. Die Magierin steht natürlich auch hilflos daneben, da ihre AsP aufgebraucht sind.
Wenn man als Meister hier die Situation irgendwie gerettet hat, kann man sich schon mal überlegen, wie man die kurz drauf folgenden Kämpfe gegen die Orks "rettet"...
Insgesamt kann also eigentlich nicht genug regeneriert werden und unausgewogene Charaktere scheitern an manchen Herausforderungen unweigerlich durch fehlende oder zu niedrige Fertigkeiten.
Einzelne Spieler sind auch teilweise unbeschäftigt. An einem Wettkampf nimmt häufig nur einer Teil, der Rest langweilt sich eher, hier muss man sich ständig darum bemühen den Spielern Unterhaltung zu bieten.
Die Optionen und die Freiräume sind einfach zu viel für Anfänger. Ein altbekanntes Problem: Neue Spieler versuchen erst einmal ein Gefühl für ihren Charakter zu entwickeln und die Spielmechanik zu verstehen. Sie kümmern sich wenig um die Meistercharaktere und mit der vielen Entscheidungsfreiheit, wie sie den Tag verbringen können sind sie teilweise stark überfordert, so dass sie etwas planlos wirken.
Das Turnier ist also insgesamt etwas schwierig zu gestalten, so dass alle gleichermaßen unterhalten werden (und es überleben).
Sobald aber die Verfolgung des Mörders anläuft verbessert sich das, denn plötzlich haben die Spieler ein sehr definiertes Ziel, auf das sie gemeinsam hinarbeiten - ein bisschen sehr Railroading vielleicht, aber das kann man gut maskieren, so dass die Spieler das nicht merken.
Insgesamt ist das Abenteuer also m.E. für die absoluten Anfänger - für die es ja gedacht ist - ohne Bearbeitung nicht gut geeignet. Es wird zwar ab der Hälfte etwa besser, wenn es ein Ziel gibt, dort steigt dann der Spaßfaktor dramatisch an, aber bis dahin erfordert es einfach viel Geduld.
Das soll aber nicht bedeuten, dass dies ein schlechtes Abenteuer ist. Der Schreibstil ist sehr gut, die Aufbereitung höchst professionell und das Turnier bietet eine Menge Potential. Wenn man es mit einer etwas erfahreneren Gruppe spielt, die gerade neue Charaktere erstellt hat ist es sehr zu empfehlen und wäre 5 Sterne Wert. Aber für die absoluten Anfänger, für die es gedacht ist nur 2 Sterne. Es wird aber im zweiten Teil wesentlich besser (siehe auch meine Rezension dort) und ich würde es deshalb trotzdem als Einstiegsabenteuer mit einigen Anpassungen die man vornehmen muss empfehlen.