Was geschieht, wenn ausgerechnet ein in Zweifel verfallener Rondrageweihter und eine hartgesottene thorwaler Kapitänin Gegenstand der Intrigenspiele güldenländischer Magistrate werden? Und was hat ein aufgeweckter Mohajunge damit zu tun, der entgegen aller Tradition sein Wissen über die geheimen Kampfkünste ausgerechnet dem ehemaligen Geweihten weitergibt? Und das alles auf einer halsbrecherischen Flucht durch das unbekannte, faszinierende Myranor? Nein, Antworten darauf gibt es hier keine, dazu müsst ihr schon das Buch lesen.
Vieles hat mir an diesem Buch gefallen. Interessante Protagonisten und Antagonisten, die Beschreibung des Luftkampfes, die spannende Flucht insgesamt, vor allem aber diese wunderbar schrägen Typen, die einem Kreaturen, Völker und Lebensweise dieses vom aventurischen Standpunkt aus „fernen Kontinentes" mit leichter Hand näher bringen. Eine Fundgrube für Abenteuer, wenn man die oft nur angerissenen Lebensfäden weiterspinnt .
Eine weitgehend ansprechende Schreibe, die allerdings manchmal noch zu Adjektiv-lastig für meinen Geschmack und ausbaufähig ist, dennoch aber über die vielen Typos hinwegträgt, wenn auch die literarischen Klippen einer erotischen Szene nicht elegant umschiffen kann. Erotik gehört wie die Satire zu den schwierigsten literarischen Ausdrucksformen, allzu rasch gerät man in die Untiefen der trivialen Handlung oder die Strudel klischeehafter Beschreibung, aber diese eine kurze, nicht wirklich gelungene Liebesszene hat zumindest diese Leserin nicht gleich um das ansonsten durchgängige Lesevergnügen gebracht.
Die Schnitttechnik ist gelegentlich zu hart, eher für eine szenische Umsetzung geeignet, was aber wohl im eigentlichen Problem des Romans begründet liegt:
„Der Schandfleck" ist definitiv zu kurz, jedenfalls für die Menge an interessanten Haupt- und Nebenfiguren, so dass für einige nicht genug Raum bleibt, um ihre Möglichkeiten auszuschöpfen. Das ist vor allem deshalb schade, weil sie vielschichtig sind, sich nicht ohne Weiteres dem Guten oder dem Bösen zuordnen lassen können.
Es hätte dem Roman IMHO gut getan, entweder etwa um die Hälfte länger zu werden oder sich auf zwei oder drei Figurenpaare zu beschränken. Schön dagegen die Idee, die Figuren jeweils zu zweit thematisch zu verbinden, und die Spannung auch daraus zu gewinnen, diese Gespanne immer wieder zu trennen und zusammenzubringen, während sich ihre Beziehungen zu einander verändern und die jeweiligen Veränderungen einander spiegeln. Deshalb werden es nun doch vier statt drei Sterne, obwohl die eigentliche Wertung genau in der Mitte liegt.
Wäre nicht diese Kürze, die der eigentlichen Entwicklung der Figuren mitunter wirklich im Wege steht, ich würde den Roman auch einem Publikum außerhalb des Zielsegmentes empfehlen, so bleibt er ein solider Rollenspielroman, der mir einen kurzweiligen Nachmittag bereitet hat.
Ich jedenfalls würde gern eine Fortsetzung lesen, denn ich habe den Rowin, Ilvi und die vielen anderen gern begleitet durch diese Welt und viele Anregungen für ein kleines Abenteuer mitgenommen.