DER STROM DES VERDERBENS stellte 1985 ein ziemliches Unikum unter den seinerzeit ohnehin, relativ zum Markt betrachtet, sehr originellen und liebevollen DSA-Abenteuern da: hier wird nichts anderes als eine Kriminalgeschichte geboten. In bester Agatha Christie "Tod Auf Dem Nil"-Manier heuern die Spieler nämlich auf einem Flusschiff an, auf welchem ein Mord nach dem anderen verübt wird... und einer der Passagiere muss der Mörder sein.
Sicherlich: Krimiabenteuer sind heute nichts allzu ungewöhnliches mehr - aber seinerzeit erinnere ich mich lebhaft, dass diese Idee zumindest bei deutschsprachigen Rollenspielabentuern alles andere als geläufig war. Zumindest wüsste ich beim besten Willen nicht, dass eines der drei anderen damals erhältlichen deutschen Fantasy-Rollenspiele D&D, Midgard und Schwerter & Dämonen 1985 so ein Abenteuer im Angebot hatte, hier regierten eher Hard-Core-Dungeons ala "Festung im Grenzland", "Unter den Nebelbergen" oder "Katakomben des Bärenkults".
Die Idee von DER STROM DES VERDERBENS war 1985 also alle Male originell, und das Abenteuer bot durchaus spannende Unterhaltung und ein paar inteerssante NSCs, welche mit Portraitbildern recht plastisch geschildert waren. Insofern war es damals eine tolle Abwechslung und kann auch heute noch als Inspiration dienen - dass es ohnehin liebevoll geschrieben ist und einige nette Nebenideen enthält kommt noch hinzu.
Einschränkend muss man allerdings sagen: das Ende des Abenteuers ist ziemlich misslungen - dies ist ziemlich antiklimatisch und hängt letztlich an einer einzigen Entscheidung der Spieler. Hier ist der Spielleiter gefordert, fraglos muss das Finale dringend überarbeiten werden.
Alles in allem also ein interessantes Produkt und damals höchst bemerkenswert. Ich denke, dass es gerade die Qualität der Abenteuer war, welches DSA bald von der Konkurrenz emanzipierte - und DER STROM DES VERDERBENS ist hier ein gutes Beispiel, welches im historischen Kontext definitiv aufsehenerregend ist.