"Die rote Bache" ist der zweite DSA-Roman aus der Feder von Dietmar Preuß und eine Fortsetzung des 2007 erschienenen "Hohenhag". Erneut entführt der Autor den Leser auf den Wehrhof Hohenhag, an die Grenzen des ritterlichen Königreiches Andergast. Im Mittelpunkt der Handlung stehen erneut Beolf und Sidra, diesmal jedoch nicht als Gefangene der Orks, sondern als selbstbewusste Menschen und Anführer. Es spricht für den Autor des Romans, dass er die Geschichte um seine beiden Protagonisten nicht nur kontinuierlich weitergeführt, sondern sie auch mit neuen Beweggründen versehen hat. So steht für die Heilerin Sidra beispielsweise die Suche nach einem Weg aus ihrer Kinderlosigkeit im Vordergrund, was der Geschichte eine ganz eigene Dynamik gibt.
Ein bisschen schade ist dagegen der Umstand, dass das hier so prominent vertretene Volk der Goblins in "Die rote Bache" etwas eindimensional daherkommt. Gerade vor dem Hintergrund der aktualisierten Volks- und Kulturbeschreibung in der kürzlich erschienenen Spielhilfe "Reich des Schwarzen Bären" hätte man sich eine etwas bessere Darstellung der Rotpelze gewünscht. So hebt sich einzig der positiv besetzte Charakter Madds mit seiner Charakterzeichnung von den übrigen Goblins im Roman ab, denn auch die Beweggründe der Schamanin werden nicht wirklich gut herausgearbeitet.
Abgesehen von einigen kleinen Ungenauigkeiten - etwa, dass die Freuden der Küche durchaus in den Bereich der Göttin Travia gehören - fügt sich die Geschichte sehr gut in den aventurischen Hintergrund ein, auch wenn es sich wieder einmal um einen aventurisch-historischen Roman handelt. Wenigstens ist damit auch der Vorgängerroman Hohenhag" eindeutig datierbar geworden. Wie auch dieser lässt sich Die rote Bache" gut zu einem Rollenspielabenteuer umarbeiten, da sie einerseits in einem Landstrich spielt, der sich in den vergangenen fast vierhundert aventurischen Jahren nicht großartig verändert hat, und andererseits, weil der Plot zwar nicht weltumgreifend, aber dennoch spannend und groß genug für ein längeres Heldenabenteuer ist.
Auch mit seinem zweiten DSA-Roman gelingt es Dietmar Preuß, eine solide aventurische Erzählung abzuliefern. Positiv fallen vor allem die Weiterentwicklung der in "Hohenhag" eingeführten Charaktere sowie das Hinzufügen neuer interessanter Figuren auf. Lediglich die Antagonisten hätten mit etwas mehr volksspezifischer Tiefe dargestellt werden können. So bleibt es doch größtenteils bei den archetypischen Goblins. Auch kleinere Logikfehler und aventurische Unstimmigkeiten fallen auf, mindern den Lesegenuss jedoch nur unerheblich. Eine Fortsetzung der Geschichte um den Wehrhof Hohenhag und seine Bewohner ist durchaus möglich und wünschenswert, da das Potential diverser Figuren - wie beispielsweise das des undurchsichtigen Magiers Seton - noch lange nicht erschöpft ist.