Man erwartet viel von Jostein Gaarder, hat er doch neben Sophies Welt viele weitere zauberhafte Werke vorzuweisen, wie "Das Orangenmädchen" oder auch "Das Weihnachtsgeheimnis". Bei "Das Schloss der Frösche" hat man jedoch das Gefühl, hier hat jemand Gaarder ohne Erfolg kopiert. Das mag daran liegen, dass nach meiner Kenntnis "Das Schloss der Frösche" in der Originalausgabe (Froskeslottet) bereits 1988 erschienen ist, also deutlich vor den anderen, erfolgreichen Werken Gaarders und nicht wie hier angegeben 2007.
Die Geschichte ist verworren bis surreal-verstörend und erinnert eher an einen Drogen-Tripp als an ein Märchen. Der Traum eines kleinen Jungen, der den Tod seines geliebten Großvaters verarbeitet, ist zwar ein immer wiederkehrendes Motiv, ein roter Faden lässt sich in der Geschichte aber kaum erkennen. Stattdessen wird dieser immer wieder bewusst ad absurdum geführt. Das kennt man ja zum Teil von Gaarder und das kann ja gewollt sein, das kann sogar unterhaltsam oder lehrreich sein, wenn man wie bspw. im Kartengeheimnis dazu angeregt wird, über seine Wahrnehmung der Welt und das Verständnis von Wirklichkeit nachzudenken. Im Schloss der Frösche fragt man sich aber immer wieder: Was soll das? Soll das hier wirklich ein Kind lesen?
Wenn bspw. eine fast nackte Königen die Hauptfigur (einen ca. 5-6 jährigen Jungen) im Brunnen ersäufen will, nachdem sie ihn in den finstersten Kerker geworfen hat, sich aber hinterher rausstellt, dass dafür eigentlich der Hofmarschall verantwortlich war, der nicht nur Gedanken lesen, sondern sie auch manipulieren kann. Wenn die Hauptfigur dazu gezwungen wird, Froschlaich auf Waffeln zu essen, und "Froschlaich ja eigentlich Kaulquappen sind, die ja wiederum Frösche sind, bei denen es sich ja um verzauberte Prinzen handelt...". Spätestens aber, wenn geschildert wird, wie die Hauptfiguren von mannsgroßen bösen Salamandern auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden sollen, kann man wohl kaum noch von einem "süßen Märchen" sprechen. Das alles würde man ja noch hinnehmen, wenn es denn einen Sinn ergäbe oder zu einem Ende geführt würde, dass den Aufwand rechtfertigen könnte. Ein solches Ende sucht man aber weitestgehend vergeblich. Stattdessen bleibt im besten Falle ein verstörtes Kopfschütteln...
Fazit: Die Geschichte eignet sich wohl kaum, wie der Klappentext verspricht, für jüngere Kinder. Mein Sohn (8 Jahre) zumindest hat mittlere Alpträume bekommen und weiß jetzt, was ein Scheiterhaufen ist... Wer mal lesen möchte, dass auch so hervorragende Autoren wie Gaarder nicht immer Qualität abliefern, der liegt hier richtig. Die absolut surreale, sinnfreie und zum Teil gewalttätige Geschichte macht dann aber trotzdem wenig Freude...